Von Susanne Mewes
20. Februar 2006 Viele Ratschläge sollen helfen, eine gute Figur zu behalten. Am häufigsten wird wohl eine gesunde Ernährung und sportliche Betätigung empfohlen.
Einige Wissenschaftler möchten jedoch einen ganz neuen Rat hinzufügen: Waschen Sie Ihre Hände! Denn seit einiger Zeit geht unter Forschern das Gerücht um, daß Viren - genauer gesagt Adenoviren - schuld daran sind, daß auf der ganzen Welt immer mehr Menschen unter Fettleibigkeit leiden.
In den Vereinigten Staaten zum Beispiel hat sich in den vergangenen dreißig Jahren die Neigung zu starkem Übergewicht bei den Erwachsenen verdoppelt, bei Kindern sogar verdreifacht. Die Weltgesundheitsorganisation hat im Jahre 1997 Adipositas sogar zu einer weltweiten Epidemie erklärt.
Adenoviren als Übeltäter
Amerikanische Wissenschaftler um Leah Whigham von der University of Wisconsin in Madison sehen nunmehr deutliche Hinweise dafür, daß undiszipliniertes, falsches Essen, mangelhafte sportliche Betätigung und seelische Schwierigkeiten nicht alleine für die rapide Verbreitung von Fettleibigkeit verantwortlich sein können.
Es sollte zu denken geben, daß die Epidemie in den armen Ländern genauso um sich greift wie in den Staaten, in denen die Tische stets reichlich gedeckt sind. Mit Ausnahme von infektiösen Krankheiten hat sich sonst kein Leiden in kurzer Zeit so weit ausgebreitet.
Den Wissenschaftlern ist seit längerem bekannt, daß ein bestimmtes Adenovirus (Ad-36), das auch bei Menschen Infektionen hervorrufen kann, bei Hühnern, Mäusen und Affen zu Fettleibigkeit führt. Bei Blutuntersuchungen von Zwillingen, die sich in der Körperfülle unterscheiden, fand man tatsächlich Antikörper für Ad-36 im Serum des körperlich kräftigeren.
Impfung gegen Fettleibigkeit?
Frau Whigham und ihre Arbeitsgruppe testeten an Hühnern weitere Adenoviren auf ihr Übergewichtspotential. Ihre Wahl fiel auf einen Typ, der Ad-36 stark ähnelt, sowie auf zwei weitläufigere Verwandte des Virus. Obwohl alle Tiere die gleichen Futtermengen erhielten, entwickelten nur jene Hühner etwa doppelt soviel Körperfett wie üblich, die das dem Ad-36 ähnliche Virus aufgenommen hatten.
Insgesamt gibt es an die fünfzig bekannte, in Frage kommende Virustypen, die alle getestet werden müßten. Auch können Ergebnisse aus Tierversuchen nicht einfach auf die Verhältnisse beim Menschen übertragen werden.
Doch wenn weitere Forschungen den Verdacht bestätigen, sollte nach Ansicht von Frank Greenway von der Louisiana State University in Baton Rouge eine Impfung gegen die Fettleibigkeits-Viren entwickelt werden.
Text: F.A.Z., 21.02.2006
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa