
Die Online-Enzyklopädie Wikipedia möchte Informationen zu einzelnen Genen des Menschen zusammenführen. Genau wie die anderen Wikipedia-Einträge ist das sogenannte Gen-Wiki frei zugänglich und jeder angemeldete Benutzer kann Informationen hinzufügen oder ändern. Die Initiatoren der Datenbank hoffen, dass mit Hilfe des offenen Wikipedia-Konzepts eine ständig aktualisierte und verlässliche Gen-Informationssammlung entsteht.
Informationen zu Genen werden bisher hauptsächlich in wissenschaftlichen Datenbanken gesammelt. Nach kritischer Prüfung durch Fachleute werden dort Daten zum Aufbau eines bestimmten Gens, zu seiner Funktion und zu seinem Zusammenspiel mit anderen Genen eingetragen. Anders als bei diesem Ansatz, bei dem eine relativ kleine Gruppe von Experten die Inhalte aufbereite, soll in „Gen-Wiki” eine große Gruppe von Nutzern ständig kleinere Beiträge liefern, schreiben die amerikanische Forscher um Andrew Su vom Genomics Institute of the Novartis Research Foundation im Online-Journal „PloS Biology”.
Kein Ersatz für wissenschaftliche Datenbanken
Dazu wurde zunächst eine Software entwickelt, die bisher in Datenbanken vorhandene Informationen zu einzelnen Genen des Menschen sammelt. Diese werden dann nach festgelegtem Muster in einer Art Notizzettel gebündelt, der per Link mit der ursprünglichen Datenbank verknüpft wird; eine umfassende Literatursammlung verweist auf weiterführende Texte. Dieser Notizzettel kann nun von allen Wikipedia-Nutzern ergänzt werden.
Bis Februar dieses Jahres wurden 7500 neue Gen-Einträge generiert, berichten die Forscher. 650 bereits vorhandene Wikipedia-Seiten zu bestimmten Genen wurden an das Notizzettel-Format angepasst. Seit Einführung der neuen Einträge habe sich die Aktivität der Nutzer bei den Kommentierungen etwa verdoppelt. Die Initiatoren rechnen mit einem raschen weiteren Anstieg der Kommentierungen. Zweifel hinsichtlich der zu erreichenden Vollständigkeit und Genauigkeit der Einträge hegen die Initiatoren nicht. Die bisherigen Erfahrungen mit der Online-Enzyklopädie würden zeigen, dass die gegenseitige Kontrolle der Nutzer funktioniere und falsche oder missverständliche Einträge schnell korrigiert würden. Allerdings könne Gen-Wiki die herkömmlichen Datenbanken nicht ersetzen und auch nicht als Referenz in Forschungsarbeiten dienen.
dpa