Papst-Wahl

Schwarzer Rauch

Nach dem ersten Wahlgang

Nach dem ersten Wahlgang

19. April 2005 Im ersten Anlauf zur Papstwahl ist es den Kardinälen am Montag wie erwartet nicht gelungen, sich auf einen Nachfolger für Johannes Paul II. zu einigen. Aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle im Vatikan stieg am Abend schwarzer Rauch auf. Die zur Wahl eines neuen Papstes erforderliche Zweidrittelmehrheit wurde demnach verfehlt.

Die 115 stimmberechtigten Kardinäle hatten sich am Nachmittag in einer feierlichen Prozession zum Konklave in die Sixtinische Kapelle zurückgezogen. Rund 40.000 Menschen beobachteten auf dem Petersplatz den Schornstein und brachen beim Aufstieg des Rauchs in Jubel aus.

Die Kardinäle zogen sich nach der Abstimmung zur Nachtruhe zurück. Die beiden nächsten Wahlgänge sind für Dienstag vormittag angesetzt. Falls es dabei wieder nicht zu einer Entscheidung kommt, folgen am Nachmittag zwei weitere Abstimmungen. Nach Angaben von Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls werde Rauch verbrannter Stimmzettel jeweils um 12 und 19 Uhr ein Abstimmungsergebnis verkünden.

Nach einer Woche genügt die einfache Mehrheit

Das Konklave im Vatikan dauert so lange, bis mit der Zweidrittelmehrheit von 77 Stimmen ein Nachfolger von Johannes Paul II. bestimmt ist. Sollte es nach einer Woche des Konklaves noch keinen erfolgreichen Wahlgang gegeben haben, können die Kardinäle beschließen, daß von da an die einfache Mehrheit von 58 Stimmen ausreiche.

Die Wahl gilt als völlig offen (siehe auch: 115 „Waisen“ wählen einen neuen Papst) . Zu den etwa zehn Favoriten gehört auch der deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger. Der hatte am Morgen in seiner Predigt in einer Messe im Petersdom Gott um einen „Seelsorger nach seinem Herzen“ gebeten, einen „Pastor, der uns im Wissen um Christus führt, zu seiner Liebe und zu wahrer Freude“.

Ratzinger umriß in seiner Predigt in ungewöhnlich deutlichen Worten die Aufgaben des neuen Papstes. Der 78 Jahre alte Geistliche, der selbst seit dem Tod Johannes Pauls am 2. April immer wieder als ein Favorit genannt wurde, wandte sich gegen den Relativismus, einer Philosophie, nach der es keine absoluten Wahrheiten gibt.

„Das eigene Ego als höchstes Ziel“

„Einen klaren Glauben auf Grundlage des Glaubensbekenntnisses der Kirche zu haben wird oft als Fundamentalismus bezeichnet“, sagte er. „Wir gehen auf eine Diktatur des Relativismus zu, die nichts als sicher anerkennt und als ihr höchstes Ziel das eigene Ego und die eigenen Wünsche hat.“ Der Relativismus lasse es zu, daß man sich von jeder Richtungsänderung der Lehrmeinung mitreißen lasse, mahnte Ratzinger.

Nachdrücklich kritisierte er, daß ein klarer religiöser Glaube heute oftmals als „Fundamentalismus“ abgetan werde. Das Denken der Menschen in den vergangenen Jahrzehnten sei von verschiedensten Richtungen bestimmt gewesen, von Marxismus über Liberalismus bis hin zum Libertinismus (Freigeisterei). Ratzinger nannte dabei auch einen „radikalen Individualismus“.

Ratzinger erbat in der Messe die Hilfe Gottes bei der Wahl: „Nach dem großen Geschenk von Papst Johannes Paul II. gebe er uns erneut einen Hirten, der uns führt“, sagte er im Petersdom. Während der Messe „pro eligendo papa“ (zur Papstwahl) wirkte der 78 Jahre alte Geistliche angespannt. Mit einem großen weißen Taschentuch wischte er sich die Schweißperlen vom Gesicht. Nach seiner Predigt brandete Applaus auf. Die Messe war auch für Römer und Touristen zugänglich. (Lesen Sie auch: Kardinal Ratzinger: Glaubens-Wächter)

„Einen Papst für jede Ära“

Im vergangenen Jahrhundert hat kein Konklave länger als drei Tage gedauert. Johannes Paul II. wurde im Oktober 1978 nach acht Abstimmungen an drei Tagen gewählt. Er starb am 2. April im Alter von 84 Jahren nach einem 26 Jahre langem Pontifikat, dem drittlängsten der Kirchengeschichte. Sein Nachfolger wird der 265. Papst sein.

Der italienische Kardinal Salvatore Pappalardo, der mit 86 Jahren nicht mehr stimmberechtigt ist, zeigte sich davon überzeugt, daß die Kirchenfürsten den richtigen Mann zum Papst bestimmen: „Die Vorsehung sendet einen Papst für jede Ära.“

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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