In der FASZ vom 27.01.2008 ist auf Seite 68 zu lesen:
"1821, so die Forscher, habe auch das Mar de Glace mit 14,2 Kilometer und 46 Quadratkilometer seine größte Ausdehnung im 19. Jahrhundert erreicht; die größte Ausdehnung überhaupt hatte er 1644. ... Von 1821 bis 2001 hat das Mer de Glace, das schon früher zu schrumpfen begann, 15 Prozent seiner Länge und Ausdehnung verloren."
Ende des Zitates aus der FASZ.
Was sollen solche Berichte im Bereich Wissen? Erdgeschichtlich sind Veränderungen für Perioden einiger hundert Jahre vielleicht interessant, für mehrere tausend Jahre sicherlich informativ. Wenn aus der Sicht eines Zeitraums von einem Drittel bis der Hälfte eines Menschenlebens auf erdgeschichtliche Kurzzeit-Vorgänge geblickt wird, dann können die gewonnenen Eindrücke qualitativ nur denen vergleichbar sein, die auch eine Eintagsfliege gewinnt, welche nach dem ersten miterlebten Sonnenaufgang feststellt, daß die Sonne nie wieder untergehen wird. Womit sie für ihr Leben wohl recht haben wird.
Übrigens, unter glaciology.ethz.ch/messnetz/lengthvariation.html kann man wenigstens einen Eindruck über die Variation der Veränderungen der Gletscher der Schweiz seit 1880 bekommen. Daß die Gletscher im Jahr 2006 eher kürzer geworden sind, ist allenfalls für Leute interessant, die zu oder auf den Gletschern wandern wollen. Deshalb gehören Meldungen wie diese über die Gletscher eher in den Reiseteil.
Nördlicher Schneeferner, Südlicher Schneeferner, Höllentalferner, Watzmanngletscher und Blaueisgletscher (am Hochkalter) haben zwischen
1850 bis 2005 von 329 auf 98 Hektar abgenommen (lt. Wikipedia).
@ Lieber Herr Stroeher,
es ist überhaupt nicht nötig alle Gletscher zu überwachen. Es genügt eine statistisch ausreichend grosse relevante Stichprobe zu testen, bzw. zu beobachten. Das ist düe übliche Vorgehensweise. In Deutschland werden übrigens alle Gletscher beobachtet.
Es gibt auf dem Globus ca. 160.000 Gletscher, wobei lediglich von 160 Gletschern langjährige Masseuntersuchungen vorliegen. Zudem ist das Wachstum von Gletschern auch, oder sogar vor allem, abhängig von der Menge der Niederschläge. Und Gletscherveränderung ist keine kurzfristige Reaktion, sondern kann nur über längere Zeiträume beurteilt werden. Von daher ist eine Aussage :
“Von sämtlichen Gletschern auf den Kontinenten hat 2006 lediglich der „
ziemlich gewagt, wenn nicht sogar schlicht nicht statthaft.
Für die Eisfreunde gibt es woanders dann doch erfreuliche Nachrichten. Die Seeeisbedeckung in der Antarktis ist derzeit 40 % größer als im Durchschnitt, die Eisbedeckung der Arktis, die letzten September die geringste seit den Satellitenmessungen 1979 war, hat sich wieder erholt und ist ca. 1 Million qm größer als im letzten Jahr zu dieser Zeit. Seit dem Minimum hat sich die Eisbedeckung um 11 Million qm vergrößert.
Die alarmierenden Berichte über Schmelzen von Gletschern gab es übrigens in den 20iger und 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts bereits.
Also jetzt bin ich aber baff!
Danke, Herr Müller Jung. Es wird wärmer und das Eis schmilzt. Mit Spannung warte ich auf Ihren Artikel über die Helligkeitsunterschiede zwischen Tag und Nacht.
Und Herr Schelberg: zwischen dem Ölpreis und der Dicke irgendwelcher Gletscher besteht kein Zusammenhang, wohl aber zwischen Ölpreis und Wirtschaftskraft. Oder hängt in Ihrer Welt die Zahl der Arbeitsplätze von der Dicke der Gletscher ab?
Ein kurzes Innehalten bei dieser Nachricht und dann machen alle weiter wie bisher. Ostern geht's schnell für ein paar Tage auf die Kanaren. Große Flachbildschirme werden in diesem Jahr der Renner. Andrea Merkel genehmigt neue (Braun-) Kohlekraftwerke. Wahrscheinlich arbeitet Wolfgang Peters mit seinen Mannen schon an seiner neuen Wissenskolumne "Die Lüge vom Klimawandel - wir klären auf". Und die Chinesen interessiert das Thema noch weniger als Tibet.
Na denn, prost Mahlzeit. Fast schon ein Trost, dass die Ölpreise so stark steigen.