02. August 2004 Einer Autokritik in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verdanken wir ein neues Wort: Anfaß-Sympathie. Welch ein wunderbarer Begriff! Wir dachten natürlich gleich an unsere neue Redaktionsassistentin, die hier samstags immer auf die entzückendste Weise heiße oder kalte Getränke anbietet und manchmal einfach nur aufreizend im Türrahmen steht. Ihr bringen wir eine hohe Anfaß-Sympathie entgegen, haben aber nie die Gelegenheit genutzt, weil wir dauernd Frau im Spiegel lesen müssen.
Dort erfuhren wir jetzt erschütternde Details über die Pro-7-Moderatorin Sonya Kraus, die freimütig bekennt, womit sie sich so verschönert: Nämlich mit "Haarteilen, falschen Wimpern, Kontaktlinsen, falschen Fingernägeln, Teppichbodenklebeband um die Brüste, portablen Silikontittchen, Po-Push-ups, Fett-weg-Oberschenkelhöschen". Du liebe Güte, stellen Sie sich vor, Sie müssen der Dame beim Teppichbodenklebebandentfernen oder dem Ausziehen von Fett-weg-Oberschenkelhöschen zuschauen - da ist doch rasch die ganze Anfaß-Sympathie flöten.
Wie funktionieren eigentlich Po-Push-ups?
Und wie funktionieren eigentlich Po-Push-ups? Wenn Sie uns das, verehrte Sonya Kraus, vielleicht mal vorführen könnten, wären wir aufs allerwerteste obligiert. Aber bitte erst mit den ganzen Utensilien vorbeischauen, wenn wir uns erholt haben von dem Schock, den uns und allen Junggesellen die Schauspielerin Heide Keller (62) in Neue Welt bereitet hat. Sagt sie doch frech: "Die netten Männer sind alle verheiratet. Und die, die übrigbleiben, sind bekloppt."
Alles andere als bekloppt ist ja Michel Friedman. Mein Gott, wie wir ihn verehren! Unsereins bringt doch nur Platitüden hervor, wenn er so übers Leben nachdenkt, aber Michel Friedman versteht es immer wieder, Gedanken von seltener Schärfe in Worte tiefster Innerlichkeit zu kleiden, etwa wenn er in Bunte sagt: "Mein Leben besteht aus Kapiteln. Jedes davon ist ein eigenes für sich und trotzdem Teil eines Ganzen. Es gibt immer wieder neue Kapitel. Das Leben ist fließend."
Aber auch Das Neue Blatt kennt sich mit dem Leben aus, tadelt Franz Beckenbauer, weil er immer noch nicht die Mutter seiner Kinder Joel (fast 4) und Francesca (9 Monate) geheiratet hat und ahnt: "Irgendwann wird der Tag kommen, an dem zum Beispiel der kleine Joel im Kindergarten von anderen gehänselt wird: ,Du, dein Papa mag deine Mama gar nicht - der ist doch noch mit einer anderen verheiratet.'" Irgendwann wird aber auch der Tag kommen, an dem wir alle diese indiskreten Männer aufs schärfste verurteilen, die intime Geheimnisse ihrer Freundinnen ausplaudern. Wie Filmproduzent William Annesley, der in Bild seine Ex-Geliebte Liz Hurley bloßstellt: "Sie trägt gern Schulmädchen-Klamotten, schlug mir auf den Po. Auch sie hatte gegen einen kleinen Klaps nichts einzuwenden."
Sollten Sie aber, Leserinnen, den Wunsch hegen, sich einen Millionär zu angeln, so brauchen Sie nur die Tips von Soheyla und Mandana Sangi in Neue Welt nachzulesen: "Ein gepflegtes, teures Aussehen ist wichtig. Investieren Sie, auch wenn Sie wenig Geld haben, einmal in ein schickes Kostüm, beispielsweise von Chanel." Und dann sollten Sie in die Vereinshäuser von Golf-, Tennis- oder Segelclubs gehen, einen Kaffee trinken und auf einen Millionär warten.
"Germany is schee"
Ehe Sie aber jetzt gleich ins nächste Chanel-Geschäft stürzen, sollten Sie noch schnell das vorbildliche Verhalten von Frau Ingeborg Richter zur Kenntnis nehmen. Sie ist seit 60 Jahren mit dem Schauspieler Hans Richter (85) verheiratet, der nie einen Hehl daraus machte, Nebenfrauen zu haben. Reagierte Frau Richter mit Abscheu und Entsetzen? Aber nicht die Bohne. "Sie ließ sich sogar einige meiner Geliebten persönlich vorstellen!" Dies finden wir wahrhaft großherzig und begrüßen außerdem das offen in Das Neue Blatt geäußerte Verständnis von Birgit Schrowange, die ihrem Lebensgefährten schon vorab die Absolution erteilt: "Ich würde meinem Markus einen Seitensprung verzeihen." Ja, die Frauen sind schon wunderbare Wesen, wie man auch an SophieM. aus Willich sieht. Während ein Mann wahrscheinlich mit einem im Baumarkt erworbenen Aceton-Sprüher das Problem angehen würde, wendet sie sich voller Mitgefühl ratsuchend an Echo der Frau: "Mein Wellensittich hat eine verklebte Nase."
Hoch zu loben ist auch das beliebte Volksmusikantenpaar Marianne&Michael. Den beiden verdanken wir so unvergessene Titel wie "Schützenliesl", "Ist es Heimweh, ist es Sehnsucht?" oder "Germany is schee" und nun auch noch die Sorge um Deutschlands Zukunft. "Ich befürchte, daß unser Nachwuchs verblödet wird", sagt Michael in Das Goldene Blatt, "was ist mit Goethe, Schiller, Kant, Brecht?" Ja, was ist damit? Wir schlagen vor, liebe Marianne, lieber Michael, ihr vertont mal einen Text von Michel Friedman. Den Titel schenken wir euch: "Das Leben ist fließend."
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 01.08.2004, Nr. 31 / Seite 48