Von Peter Lückemeier
27. Januar 2008 Ach, Frankfurter Rundschau, wir lesen dich jetzt schon bestimmt dreißig Jahre, und irgendwie haben wir dich ganz doll lieb. Du kannst deine Chefredakteure wechseln, du kannst dir ein neues Format verpassen, du kannst Auflage gewinnen oder verlieren - auf immer behältst du deine erdenschwere Humorlosigkeit. Und wer das nicht glaubt, der lese, was du aus Charlize Therons Topographiekenntnissen machst. Erst zitierst du die amerikanische Schauspielerin mit dem Schwachsinnssatz: Ich mag die Türkei und ihre Hauptstadt Budapest. Um dann aber bleischwer hinzuzufügen: Die Hauptstadt der Türkei ist jedoch Ankara.
Doch zunächst einmal guten Tag allerseits, wir haben eine neue Redaktionsassistentin aus Kroatien, die uns mit ihren dunklen Augen und dem charmanten Lächeln immer gute Laune macht, deshalb sind wir positiv gestimmt und wollen auch nur ein ganz kleines bisschen mit dir schimpfen, Spiegel-online. Sag mal, stimmt das, dass du Sabine Christiansen (50) als Grand old Schachtel des Sonntagabendtalks bezeichnet hast?
Also, das geht doch nicht, das ist doch sehr uncharmant. Aber auch ganz witzig. Und dann wollen wir dich loben, Frau im Spiegel. Du bringst zwei Gespräche mit älteren Herren, deren Gedanken etwas trüb und resignativ sind, aber doch auch eine Denkanstrengung ermöglichen, die Erkenntnisse nicht ausschließt. Im ersten meint Schauspieler Peter Sattmann (60): Nein, ich möchte keine feste Beziehung mehr. Da gehe ich doch lieber mit meinen Hunden spazieren. Im zweiten Interview lässt sich Udo Jürgens (73) in die Seele blicken, auch er ist inzwischen ja Single und sagt: Ich lebe mittlerweile sehr gerne allein. Die Zweisamkeit führt in eine neue Form der Einsamkeit. Einsam zu zweit ist schlimmer als allein. Aber was stört ihn jetzt konkret an der Damenwelt? Ich will zum Beispiel am Samstag Bundesliga gucken, und da will ich keine Frau haben, die rummeckert.
Sängerin Müller: Durchs Fußballgucken etwas verroht
Lieber Udo Jürgens, da haben wir einen Tipp für dich. Blättere doch einfach ein paar Seiten weiter in Frau im Spiegel, da triffst du auf die recht attraktive Sängerin Ina Müller. Okay, sie ist schon vierzig, fällt also nicht ganz in dein Konfirmationsalter-Beuteschema, alter Schlawiner (73), aber lies mal, was sie über Fußball sagt: Ich sehe gern beim Bierchen auf meinem Sofa die Sportschau. Und als Fan von Bayern München bin ich sogar Abonnent vom ,Kicker'. Allerdings ist Ina Müller durchs Fußballgucken offensichtlich etwas verroht, denn in ihrem neuen Song empfiehlt sie ihrem Exfreund, vom Balkon zu springen, und kommentiert dies mit den Worten: Man darf auch mal hassen und jemandem wünschen, dass er mit dem Fön baden geht.
Uns persönlich wäre die Dame also ein wenig zu ruppig, aber das soll jeder halten, wie er will, die Geschmäcker sind ja gottlob unterschiedlich, nicht alle müssen auf kroatische Assistentinnen mit Strahlelächeln stehen, und manche Männer sind in ihren Vorlieben ja so wenig festgelegt wie Jack Nicholson (70), der in Bunte bekennt: Sie muss blond sein oder rote, braune, graue oder schwarze Haare haben. Sie muss entweder klein, mittel oder groß sein. Und sie muss entweder alt, nicht so alt oder jung sein.
Zusammenbruch bei Deutschland sucht den Superstar
Manchmal fragt man sich als Mann ja dann doch etwas neidisch, wie die alten Knacker wie Nicholson oder Claus Theo Gärtner (64) es schaffen, an das junge Gemüse zu kommen. Gärtner, der in Ein Fall für zwei den Detektiv Matula spielt, kann für sich den Schauspielerbonus in Anspruch nehmen. Seine 36 Jahre jüngere Freundin Sarah war ein Teenie, als sie ihn auf dem Bildschirm kennenlernte: Als Sarah das erste Mal ,Ein Fall für zwei' sah, war das eine Folge, in der Matula mit einem 13-jährigen, von zu Hause davongelaufenen Mädchen am Lagerfeuer sitzt und sich seine Probleme anhört. In so einen Kumpel verlieben sich alle 13-jährigen Mädchen. Gut, aber ein Selbstläufer ist dergleichen auch nicht. Als Schlagerfuzzy Nino de Angelo seine neue Flamme in seinem weißen Porsche mitnahm und er, wie er in Bunte selbstkritisch erzählt, die Kassette mit seinem Hit Jenseits von Eden einlegte, da meinte das Mädel nur: Was'n das? Kannste nich mal vernünftige Musik machen?
So sollte auch Dieter Bohlen fragen, anstatt die armen Kandidaten bei Deutschland sucht den Superstar fertigzumachen. Laut Bild brach jetzt ein Siebzehnjähriger nach der Bohlen-Kritik wimmernd zusammen. Und zuvor hatte der zu einem anderen verhinderten Showstar gesagt: Das Einzige, was du mit deinen Stimmbändern machen kannst, ist, sie in Säure schmeißen. Dann haben wir ein gelöstes Problem.
Man mag sich gar nicht vorstellen, was Brutal-Bohlen sonst noch alles anstellen könnte. Es wäre ja denkbar, dass eine schief singende, aber sehr lustige, tanzende, hüpfende, etwas korpulente Dame aufträte, und Bohlen würde sagen: Ausgelassener Speck.
Text: F.A.S.
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