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Tagesfreizeit führt zu nix

Von Peter Lückemeier

13. September 2004 Manchmal blättert man so durch die Knallpresse, schüttelt hier den Kopf, grinst dort ein bißchen, doch dann taucht plötzlich eine Schlagzeile auf, die einen still werden läßt, weil sie nachgerade philosophische Qualität atmet. So ging es uns, als wir in Das Goldene Blatt auf die Überschrift stießen: "Wofür brauchen wir die Zunge?" Gute Frage.

Die Antwort des Blattes hat uns aber nicht ganz zufriedengestellt: "Sie liefert uns die Information, ob die Speise süß, sauer, bitter oder salzig ist." Und sonst nichts? Kann man mit der Zunge nicht auch prima auf der Tischdecke verstreuten Zucker aufnehmen oder sie gaaanz weit herausstrecken, wenn sich eine Politesse nähert? Wir schlagen vor, liebe Redaktion von Das Goldene Blatt, daß ihr euch über weitergehende Zungenfunktionen mal in Verbindung setzt mit König MswatiIII. von Swasiland. Der wird sich schon auskennen, denn er hat nach Auskunft von Bild soeben Ehefrau Nummer13 erwählt: "Er entdeckte die 16jährige Schönheit, als sie mit 20.000 anderen Jungfrauen barbusig vor ihm tanzte."

Vielweiberei kann anstrengend sein

Nun mag es für Sie, Männer, eine reizvolle Vorstellung sein, Ihre 13. Frau aus lauter nackerten Mädels auszusuchen, doch in Wahrheit kann die Vielweiberei natürlich anstrengend sein. Stellen Sie sich beispielsweise vor, unter ihren 13 Hausdamen wäre Letizia, die hübsche junge Gattin des spanischen Thronfolgers, oder die Schauspielerin Victoria Sturm, da würden Sie sich aber umgucken. Frau Sturm gesteht in Echo der Frau seltsam unentschlossen: "Kind oder Dackel - ich weiß noch nicht, was ich lieber hätte."

Und 7Tage muß leider fragen: "Zeigt Letizia jetzt ihr wahres Gesicht?" Neulich habe sie sich brüsk abgewendet, als eine alte Frau ihr die Hand schütteln wollte, und als die Gattin des Bürgermeisters von San Sebastian sie gefragt habe, ob bald mit Nachwuchs zu rechnen sei, soll sie gezickt haben: "Ja, ich erwarte Fünflinge." Als Mann von 13 Frauen müßten Sie ja auch an die finanzielle Seite denken. Wenn also unter Ihren Erwählten Prinzessin Alexandra von Dänemark wäre - ein schlechtes Geschäft. Sie verdient im Jahr nach einer Einkommensstatistik von Das Goldene Blatt nur 70000 bis 133000 Euro. Da empfehlen wir doch eher Königin Margarethe. Die ist zwar schon etwas älter, bezieht jährlich aber 7,2Millionen Euro.

Machen goldene Klobürstengriffe wirklich glücklich?

Den Frauen jedoch schlagen wir dringend vor, Kontakt mit dem Sultan von Brunei zu suchen. Er verheiratete gerade seinen Sohn Al-Muhtadee Billah (30) mit einer Siebzehnjährigen und ließ sich die Feier nach Bild-Angaben vierzig Millionen Euro kosten. Laut Neue Welt ist der Sultan ohnehin niemand, der auf Sparsamkeit hält, er besitzt 3.000 Nobelautos und 800 Polopferde, sein Palast zählt 1.778 Zimmer und 257 Toiletten, die Griffe der Klobürsten sind aus Gold.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Machen goldene Kloreinigergriffe wirklich glücklich? Natürlich nicht. Das vollkommene Glück liegt, wie Junggeselle Guido Westerwelle in Bunte zu Protokoll gibt, in der "Liebe, die erwidert wird". Sehr schön gesagt, lieber Guido Westerwelle, hoffentlich liest das auch Robbie Williams, denn in Neue Revue berichtet er von seelenloser Fleischeslust. An einem seiner Videodrehs waren auch zwei Pornostars beteiligt: "Massenweise Fleischkontakt mit nackten Brüsten. Erst Küsse zwischen den beiden. Dann zwischen uns dreien."

Trost für Übergewichtige

Wir sind sicher, daß auch Sie, liebe Leser, dergleichen nicht gut finden, doch noch immer ist es schwierig, auf anständige Weise einen Herzenspartner zu finden. Für alle, die dies per Inserat oder das Internet versuchen, hat Echo der Frau wichtige Tips zusammengestellt. So sollten Frauen hellhörig werden, wenn eine Partnerin mit "Tagesfreizeit" gesucht wird. Dann "ist der Schreiber vermutlich verheiratet und sucht eine Affäre für die Mittagspause". Und fürs erste Treffen noch ein wichtiger Hinweis an jede Frau: "Lassen Sie auch den anderen zu Wort kommen."

Wir würden gern noch schnell (im Türrahmen wartet lächelnd unsere neue Redaktionsassistentin aus Kuba) ein Wort der Beruhigung an alle Damen richten, die sich zu dick finden. Das brasilianische Model Gisele Bündchen hat ja - gertenschlank und so 'ne Dinger - eine Figur zum Niederknien. Doch jetzt machte sie einen Ausflug in den brasilianischen Regenwald, und wissen Sie, was Herr Aritana, Häuptling der Xingu-Indianer, zu Neue Revue über Gisele gesagt hat? "Sie ist so dünn, daß sie hier im Dorf nie einen Mann finden würde."

Sehen Sie, liebe übergewichtige Leserinnen, fahren Sie in den brasilianischen Regenwald. Unsere Redaktionsassistentin ist nicht zu üppig, aber doch irgendwie an den richtigen Stellen prominent. Tolle Zähne, umwerfendes Lächeln. Sie spricht nur etwas undeutlich. Was hat sie gerade so verheißungsvoll gesagt? Ah ja: "Iß habbe viiiiel Taggesfreißeit."

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.09.2004, Nr. 37 / Seite 64

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