26. Juli 2004 Liebe Dessous-Industrie, was soll eigentlich der Quatsch, BHs neuerdings mit diesen doofen Klettverschlüssen zu versehen? Erstens machen sie ein unangenehmes Geräusch. Zweitens kann jeder Tölpel sie aufkriegen, während der Kenner doch bisher seine Expertise unter Beweis stellen durfte, indem er selbst komplizierte drei Häkchenreihen (hinten) mit einem beherzten Zugriff öffnete. Da staunte die Frau und nickte anerkennend, der Mann war erfüllt von Leistungsglück und hatte gleich einen besseren Stand.
Übrigens ist es ja interessant, wie viele Frauen mit ihrem Aussehen unzufrieden sind, obwohl sie in ihrem BH aus elastischer Microfaser-Qualität mit romantischer Spitze und Luftkissen-Einlage ganz zauberhaft ausschauen, doch der stern kennt sich mal wieder aus und weiß: "Fast eine Million Deutsche leiden unter eingebildeter Häßlichkeit." Das ist ja schrecklich, kommt aber wahrscheinlich von diesem ganzen Schönheitswahn und Jugendgetue. Deshalb finden wir sehr richtig, was der amerikanische Al-Bundy-Darsteller Ed O'Neill in Frau im Spiegel über Frauen sagt: "Als junger Mann guckte ich zuerst auf den Po und die Beine. Heute zählen für mich andere Dinge. Persönlichkeit ist wichtig, das Lachen, die Sprache." Ganz unsere Meinung, lieber Mr.O'Neill, vor allem auf die Sprache kommt es an, deutlich muß sie sein und sanft, zum Beispiel wenn eine Frau sagt: "Schau mal, habe ich nicht einen süßen Po?"
Gerhard Schröder verließ Hillu, heute steckt er im Umfragetief
Aber wir wollen Sie, liebe Ehemänner, jetzt gar nicht auf falsche Gedanken bringen, wollen in Ihnen keine Phantasien wecken von süßen Hinterteilen und seidenspitzenfeinen BHs, denn wir und Neue Revue wissen: "Untreue Männer bestraft das Leben sofort." Das Blatt liefert auch schlagende Beweise: Gerhard Schröder verließ Hillu, heute steckt er im Umfragetief. Ottmar Hitzfeld brach die Ehe mit Rosi - Job bei Bayern München futsch. Jürgen Schrempp nahm seine Assistentin - zehn Prozent Gehaltseinbuße.
In Sachen Schrempp hat Bild übrigens ausgerechnet, daß der DaimlerChrysler-Chef nach Abzug von 45 Prozent Steuern und 5,5 Prozent Solidaritätsbeitrag monatlich netto 230.000 Euro verdient. Ehe sich bei Ihnen, Leser, Sozialneid-Reflexe regen, sei darauf hingewiesen, daß Paul McCartney noch viel reicher sein dürfte, dafür aber auch einen veritablen Spleen hat: Als Veganer verabscheut er alle tierischen Produkte und weigerte sich neulich sogar, in eine Limousine einzusteigen, weil sie Ledersitze hatte.
Nun bitte, wir sind da tolerant, jeder soll nach seinen Vorstellungen leben, aber deine Wortwahl, stern-Autorin Evelyn Holst, geht uns dann doch zu weit. In deinem Beitrag über Frauen, die allein gut zurechtkommen, nennst du andere Frauen "Beziehungsbescheuerte". Soll das heißen, daß es sich nicht lohnt, auch einmal Krisen durchzustehen oder daß es gar keine erfüllenden Zweierbeziehungen gibt? Das wäre falsch, denn in Bunte berichtet Kim Basinger über ihre Schwester und deren Gatten: "Die beiden sind total verliebt und sexuell an niemand anderem interessiert. Sie macht sich hübsch für ihn und legt den heißesten Striptease hin. Und das nach über zwanzig Jahren Ehe."
Man wird Ihnen Altersgeilheit vorwerfen
Von Ehe, Liebe und Untreue handelt ja auch Martin Walsers neuer Roman. Bunte hat ihn schon gelesen und prophezeit dem Autor (77): "Man wird Ihnen Altersgeilheit vorwerfen." Das ficht Walser aber nicht an. Statt dessen sagt er etwas Bedenkenswertes, aber auch Trauriges: "Alte wollen, was Junge wollen. Sie kriegen es bloß nicht."
Je nun, kommt drauf an. Udo Jürgens ist immerhin 69 und konnte dennoch erst vor einem Jahr sagen: "Ich habe mich immer triebhaft verhalten." Auch der Mann (63) von IlkaB. aus Bad Kreuznach (60) scheint noch zu kriegen, was er will. Jedenfalls schreibt Ilka an Das Neue Blatt, er verlange von ihr nach dreißig Jahren "den Freibrief zum Fremdgehen". Und zwar glaubt er, ein Seitensprung könne angesichts der erprobten seelischen Verbundenheit der Ehepartner keinen ernsten Schaden anrichten. Die Ratgebertante findet, dies sei ein "recht wackeliges Gedankengerüst", doch wir halten das für eine sehr interessante, ja beherzigenswerte Argumentation.
Nicht wie Jürgen Schrempp enden
Aber das sollen Ilka B. und ihr Gatte unter sich aushandeln, wir haben ganz andere Sorgen. Nämlich um Sabine Christiansen. Überall wird sie kritisiert, weil sie Bill Clinton wegen der Lewinsky-Affäre so superkritische Fragen gestellt hat. Aber warum? Aus journalistischem Furor? Nein, neue woche denkt tiefer: Frau Christansen fühlte sich "wohl schmerzhaft an ihre eigene Vergangenheit erinnert: Gerade einmal drei Jahre ist es her, daß ihr damaliger Mann Theo Baltz sie mit Ulla Kock am Brink betrog."
Übrigens läuft gerade unsere supersüße neue Redaktionsassistentin in engen Hosen und einem BH mit raffinierten Schnürungselementen und sehr indezenter Raffung vorbei. Wir haben kaum hingeschaut. Wir sind treu. Wir wollen ja nicht wie Jürgen Schrempp mit netto 207.000 Euro enden.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.07.2004, Nr. 30 / Seite 50
Bildmaterial: F.A.Z.