Herzblatt-Geschichten

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Herzblatt-Geschichten

Gefühllose Schaufelbagger

Von Jörg Thomann

23. September 2007 So viel überflüssiges Wissen strömt ständig in unseren armen Kopf, und durch die Herzblatt-Lektüre ist es noch viel schlimmer geworden. Wie gern hätten wir auf die via Neue Welt übermittelten Nachrichten verzichtet, dass Jürgen Drews Nacktschläfer ist, was für Beimermutter Marie-Luise Marjan, immerhin, „überhaupt nicht in Frage“ kommt.

Und leider wissen wir nun auch, dass der „Original Naabtal Duo“-Sänger Wolfgang Edenharder in einem uralten Pyjama schläft: „Das Teil fällt bald auseinander, ist hässlich wie die Nacht geworden und erinnert nur noch ganz schwach an den Ursprungszustand. Aber man hat es mit den Jahren so lieb gewonnen, dass es einfach überall dabei sein muss.“ Ähnlich liebevoll könnten sich langjährig Verheiratete über ihren Ehepartner äußern.

Zwei Spülmittel zum Preis von einem

Doch nicht jeder kann sich ein neues Nachtkleid leisten. Die Leserschaft des Neuen Blatts kann's eher nicht, nimmt man als Indiz die vielen Spartipps des Heftes: „Werfen Sie leere Cornflakes-Packungen nicht einfach weg. Darin lassen sich prima Zeitschriften sammeln. Einfach oben und seitlich aufschneiden, einordnen, fertig.“

Auch wird den Lesern empfohlen, Spülmittel zu sparen: „Wenn Sie eine neue Flasche gekauft haben, geben Sie die Hälfte des Inhalts in einen alten, leeren Behälter. Füllen Sie beide mit Haushaltsessig auf. So haben Sie zwei Spülmittel zum Preis von einem.“ Das Ganze funktioniert übrigens auch mit Rotwein, wenn man von gewissen Geschmackseinbußen absieht.

Merkel steht auf „Mausgeschichten“

Wirklich schockiert aber hat uns die Information, wen die Deutschen am liebsten zum Nachbarn hätten: Laut Revue möchten 23 Prozent, laut Neuem Blatt sogar knapp 24 Prozent Tür an Tür mit Johannes B. Kerner wohnen. Da würde uns wirklich interessieren, wer sonst noch zur Auswahl stand: Oliver Pocher, Bushido, Daniel S. oder Fritz G.? Wir jedenfalls würden ungern neben Kerner wohnen und stellen es uns als nicht so angenehm vor, wenn er auf einen Überraschungsbesuch hereinschneit: „Böse Zungen könnten jetzt sagen, dass Sie einen uralten, hässlichen Frottee-Pyjama tragen. Was würden Sie solchen Leuten antworten? Und was haben Sie denn da für einen merkwürdigen Zeitschriftenständer? Ist das etwa eine Cornflakes-Packung?“

Wenn wir schon neben jemand Bekanntem wohnen müssten, dann würden wir Angela Merkel wählen. Die ist diskret und feiert gewiss keine wilden Partys, allein schon, weil sie stets früh aufstehen muss. Ihre Zurückhaltung demonstriert sie im Interview mit der Bunten. Volle drei Seiten füllt es, doch nur eine einzige Botschaft daraus hat es bis zur Agenturmeldung gebracht: dass Merkel „Die Sendung mit der Maus“ gut findet.

Eine viel zu kurze Hochzeitsnacht

In schwieriger Nachbarschaft lebt die Neue Blatt-Leserin Ursel M., Trier: „Seit neben uns eine junge Frau (Mitte 20) eingezogen ist, erkenne ich (68) meinen Mann (73) kaum wieder. Plötzlich benimmt er sich wie ein balzender alter Gockel.“ Die Neue Blatt-Kummerkastenfrau Anna Berg rät Ursel M., mit einem „nachsichtigen Lächeln“ zu reagieren: „Ich halte es nämlich für völlig harmlos.“ Anna Berg dürfte ihr nachsichtiges Lächeln vergehen, würde sie in der Frau im Spiegel den Wiener Opernballer Richard „Mörtel“ Lugner (74) mit seiner neuen Liebe Isabella (26) sehen. Isabella war Kandidatin der Kuppelshow „Mörtel sucht das Glück“ und hat es in die engste Auswahl geschafft.

Der Altersunterschied sei „schlimm“, sagt Lugner selbst: „Die Frage ist nur, wie ich jetzt aus der Schere rauskomme: Sie ist zu jung, und beide sind wir nicht vernünftig genug, das einzusehen.“ Hoffen wir, dass die Unvernunft sich nicht rächt und Lugner eine Erfahrung machen muss wie der Schauspieler Michael Gwisdek (65), der sich gegenüber der Bunten recht desillusioniert über seine Hochzeitsnacht mit Gabriela (41) äußert: „Ich konnte bei einem Mal nicht alles unterbringen, was ich mir so ausgedacht habe.“

Guido, der Schaufelbagger

Zu viel gedacht und darüber das Gefühl verloren - ein männerspezifisches Dilemma, so das Goldene Blatt: „Anders als Frauen müssen Männer zwischen Fühlen und Denken trennen“, erklärt es im Artikel „Sind Männer gefühllos?“. Und was tun Männer, wenn sich mal wieder Gedanken und Gefühle verheddern? Sie schweigen erst einmal, schreibt das Goldene Blatt. So wie der Gatte der 7 Tage-Leserin Verena L. (39): „Mein Mann Guido geht durchs Leben wie ein Schaufelbagger. Er scheint es nie gelernt zu haben, sich zu entschuldigen.“

Ratgeberfrau Constanze meint dazu: „Meist sagen Männer lieber mit Aktionen ,sorry', indem sie freiwillig den Müll rausbringen oder plötzlich aufmerksamer für ihre Frauen sind.“ Ein Mann, der den Müll zu oft rausbringt, dürfte sich freilich verdächtig machen: Entweder er hat ständig ein schlechtes Gewissen, oder er hofft, so die neue Nachbarin zu treffen.

Was die Nachbarschafts-Umfrage angeht, haben wir dann doch noch mal genauer recherchiert. Am Ende der Wunschliste steht Paris Hilton, jedenfalls bei den Frauen, von denen nur 1,9 Prozent sie gern zur Nachbarin hätten. Trost für Frau Hilton: Bei den Männern kommt sie auf zehn Prozent.



Text: F.A.S., 23.09.2007, Nr. 38 / Seite 68

 
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