Herzblatt-Geschichten

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Alle einen Präsidenten

Von Peter Lückemeier

10. Februar 2008 Heute wollen wir über das Glück nachdenken. Die älteren unter unseren Lesern, die die Zeiten erlebt haben, als Nudeln noch nicht Pasta hießen und man „Guten Tag“ sagte statt „Hallo“, die mögen sich auch an den etwas prolligen Sänger Gunter Gabriel (65) erinnern. Er hat heute nach vier Ehen wenig Geld und lebt auf einem Hausboot. Aber ist er deshalb unglücklich? Lesen Sie selbst, er berichtet im stern von der Abschiedsgala für Dieter Thomas Heck (91): „Da hab ich sie alle wiedergesehen, die großen Heiligen der Schlagerwelt. Traurige Faltengesichter. Alle hatten es geschafft, mit tollen Villen, riesigen Autos und Frauen mit gemachten Brüsten. Ich war der gefallene Engel, Sozialfall, Penner. Und doch war ich glücklicher als die anderen.“

Gut, das ist ja nicht neu, dass Männer mit dicken Autos und obenrum enorm verstärkten Frauen nicht automatisch das Glück gepachtet haben. Aber gewinnt man dem Leben als Sozialfall und Penner schönere Seiten ab denn als Auto- und Frauenbesitzer? Da fragen wir doch einmal Günther Jauch, den bekannten „TV-Liebling“. „Erschreckend, was er über Glück sagt“, findet Das Neue Blatt. Und was hat er gesagt? „Dauerhaftes Glück gibt es eher selten.“ Wir können daran nichts Erschreckendes finden, wir glauben, Glück ist auch gar nicht so wichtig, sondern mehr die Zufriedenheit, also die grundsätzliche Übereinstimmung des Lebensentwurfs mit dem tatsächlichen Alltag, aber jetzt sagt „der Psychologe“ in Das Neue Blatt doch etwas Interessantes: „Wenn alles gut läuft - beruflich und privat -, kann es irgendwann zu einem sogenannten ,Glückskater' kommen.“

Das Wettrennen der Damen der Glitzerwelt

Also, das scheint uns nicht glaubhaft. Das würde ja bedeuten, dass Uschi Glas („Zum Glück musste ich nun schon längere Zeit nicht weinen“) oder Iris Berben (die mit ihrem zehn Jahre jüngeren Lover in der Karibik turtelt, dass Scharping und Pilati dagegen wie Schnuppertaucher ausgesehen hätten), dass also bei diesen Verwöhnten irgendwann der Glückskater einsetzen müsste.

Nee, dann schon eher bei Sarkozy und Carla Bruni. Zu schnell, fast panikartig kam diese Heirat, zu aufgesetzt wirken die Glücksfotos, und nach dem Motiv der schönen Bruni, sich den kleinen Mann zu angeln, wollen wir lieber nicht forschen. Über den Milliardär Donald Trump hat sie laut Bild gesagt: „Sein Geld hat mich nie interessiert. Ich will einen Mann, der über die Atombombe entscheidet.“ Schlimm genug. Aber nun soll unter den schönen Damen der Glitzerwelt ein Wettrennen begonnen haben: Plötzlich wollen alle einen Präsidenten. Naomi Campbell soll bereits ein Auge auf den venezolanischen Staatslenker Hugo Chávez geworfen haben, Gott sei Dank ist unser Horst Köhler ja schon verheiratet, puh.

„Ich kann jetzt jede Frau haben“

Aber jetzt noch einmal: Viele Frauen stürzen sich auf mächtige Männer wie der Eisvogel auf den Flussbarsch. So soll Sarkozy laut Bunte seine damalige Gattin unter Druck gesetzt haben: „Wenn du wiederkommen willst, musst du dich beeilen. Ich kann jetzt jede Frau haben.“

Übrigens legen es viele Frauen geradezu systematisch darauf an, einen Machtmann zu erobern. Woher wir das wissen? Aus dem berufenen Munde von Christa Müller, der Gattin Oskar Lafontaines. In Bunte sagt sie klipp und klar: „Es gibt eine Erotik der Macht. Und natürlich auch das Problem, dass es viele Frauen gibt, die von dieser Erotik angezogen sind, die sich systematisch an diese erfolgreichen Männer ranmachen.“

Na, hoffentlich werden die Frauen dann nicht enttäuscht, denn auch die mächtigsten oder prominentesten Männer entpuppen sich oft als Langeweiler oder als so unselbständig wie Günter Netzer (63). Können Sie sich vorstellen, dass Gattin Elvira dem Fußballexperten jeden Tag die Kleidung rauslegt? Frau Netzer in Bild: „Wenn er auf Reisen geht, klebe ich ihm auf jedes Hemd, auf jedes Sakko kleine gelbe Zettel.“ Geht Gatte Günter für Wochen auf eine WM, so fliegt Gattin Elvira für die ersten Tage mit, „um seine Anzüge der Reihenfolge nach in den Hotelschrank zu hängen“.

Irre, was? Aber gar nicht so selten. Noch vor kurzem berichtete ja auch Nobelpreisträgergattin Helma Grünberg über ihr Physikgenie: „Ich stelle ihn bei C & A oder Kaufhof in eine Umkleidekabine, suche die Sachen aus und reiche sie ihm.“ Für uns käme das nicht in Frage, am Ende würde dann auch noch irgendein Verlagsmanager unsere Redaktionsassistentin auswählen, neenee. Wir sind da ganz zufrieden, fast glücklich, und wenn Sie, sehr geehrte Frau Brunhilde B. aus Neu-Isenburg, schreiben: „Hören Sie nicht auf, die LeserInnen über die jeweilige Körbchengröße der gerade aktuellen Redaktionsassistentin zu informieren“, so flüstern wir Ihnen über unsere Jasminka aus Kroatien zu: 75 DoppelD, allnatura. Und darin sind wir so prollig wie Gunter Gabriel. 75 DoppelD macht glücklich.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: AP, picture-alliance/ dpa

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