Von Peter Lückemeier
21. Oktober 2007 Beginnen wir mit jener schwierigen Frage, die Neue Welt ihren Lesern stellt: Wie heißt der Sänger Roland Kaiser mit bürgerlichem Namen? Roland Keiler, Roland Geiler oder Roland Steiler? Wir wissen es nicht, tippen aber auf die zweite Möglichkeit, denn in Frau im Spiegel gibt er offen zu, schon häufig Sex ohne Liebe genossen zu haben: Wie hätte ich sonst all meine Abenteuer vollbringen sollen, wenn ich mich immer gleich verliebt hätte.
Das klingt plausibel, aber zuerst einmal einen wunderschönen Sonntag allerseits. Und vielen Dank für die netten Mails, die wir nach unserem Urlaub vorfanden. Etwas irritiert hat uns nur die Zuschrift des Lesers B. aus 60598 Frankfurt: Ich wünsche mir, dass Peter Lückemeier bald zurückkommt und wieder die altbekannten Storys, auch mit seinen eigentümlichen Assistentinnen aus dem Osten, schreibt. Na, hören Sie mal - eigentümlich!
Grusel. Bibber. Kicher. Schüttel.
Hätten Sie, Leser B., die junge Dame gesehen, die uns neuerdings assistiert, Sie würden ein anderes Vokabular gebrauchen. Schön wäre ein gutes Wort; auch anmutig, gertenschlank und traumhaft wären passende Attribute. Übrigens stammt Mascha aus Georgien, ein ganz dunkler Typ. Sie spricht fließend Deutsch, scheint aber mit Comics groß geworden zu sein, denn als wir ihr, Leser B., Ihren Brief vorlasen, sagte sie: Grusel.
Aber diese Kindersprache scheint sich ja generell durchzusetzen, in der Süddeutschen Zeitung lasen wir kürzlich einen langen Beitrag über ein ernstes Thema, stießen am Ende des dritten Absatzes auf das Wort Bibber! und nur wenig später auf: Kicher! Schüttel.
Vor Scham geschüttelter Staatspräsident
Wir dagegen bleiben erwachsen, ernst und sittenstark, weshalb wir uns jetzt eines traurigen Themas annehmen: der Scheidung des französischen Staatspräsidenten von seiner unregierbaren Gattin. Bild schreibt treffend: Für Machtmensch Sarkozy ist die Scheidung eine persönliche Tragödie. In der Tat, es ist ja schon für einen Normalo nicht richtig lustig, wenn ihm die Frau wegläuft. Tut sie es aber vor den Augen der Welt, muss es einen eitlen Staatspräsidenten schütteln vor Scham.
Bild erinnert aus diesem Anlass dankenswerterweise daran, dass die Ehen französischer Präsidenten häufig wenig harmonisch verliefen: Mitterrand führte mit Nebenfrau und Tochter ein regelrechtes Doppelleben, und über Madame Chirac weiß das Blatt, dass sie die ewigen Seitensprünge ihres Jacques mit stoischer Ruhe ertragen habe. Neu war uns, dass der unersättliche Ex-Staatschef einen hübschen Spitznamen trug: Monsieur zehn Minuten einschließlich Dusche. Keuch.
Tragödien auch in Spanien und Dänemark
Leider steht es um eine weitere Ehe nicht zum Besten, schreibt Das Neue Blatt. Es handelt sich um die Verbindung zwischen der spanischen Prinzessin Elena (43, sieht aber älter aus) und deren Gatten Jaime: Er, der stolze Spanier: eiskalter Blick, das Gesicht zur Maske erstarrt. Elena dagegen leichenblass, tiefe Augenringe. Qual, wo früher mal ein Strahlen war. Schlimm genug, doch die beiden treten jetzt auch noch dauernd gemeinsam auf, gezwungen vom strengen spanischen Hof, der Gerüchte über eine Scheidung ersticken will.
Und dann soll auch noch etwas faul sein im Staate Dänemark. Die Ehe des Kronprinzen und seiner hübschen australischen Gemahlin Mary sei längst nicht so seidenspitzenfein, wie die bunten Blätter es jahrelang schrieben. Bunte bringt die Sache auf den Punkt: Sie fühlt sich isoliert am Königshof, er trifft sich mit seiner Ex-Liebe. Überdies droht Zickenterror. Denn auch Frederiks Bruder Joachim hat eine Neue. Die heißt Marie und ist nicht nur eine aparte Französin, sondern sagt in Revue auf die Frage, ob sie in Kronprinzessin Mary eine Lehrmeisterin sehe: Ich kenne sie nicht so gut, dass ich beantworten kann, ob ich von ihr lernen kann. Fauch.
Von Geistesgrößen und Verona Pooth
Jetzt zu den Geistesgrößen. Neuerdings gewinnen wir Deutsche ja wieder Nobelpreise, was Bunte veranlasst, die menschliche Seite der Genies auszuloten. Doch, liebe Männer, seien Sie beruhigt, auch mit Nobelpreisträgern verfahren deren Gattinnen nicht anders als Ihre Frau mit Ihnen. So berichtet Helma Grünberg über ihr Physikgenie: Ich stelle ihn bei C & A oder Kaufhof im nahen Aachen in eine Umkleidekabine, suche die Sachen aus und reiche sie ihm.
Auch eine andere Intelligenzbestie namens Verona Pooth, geschiedene Bohlen, geborene Feldbusch, meldet sich in Bunte zu Wort. Die Quasselstrippe über ihren Hang zu minutenlangen Monologen und den Modeschöpfer Lagerfeld: Als ich bei Karl dem Großen in Paris mein Hochzeitskleid anprobierte, war er so nett, mich erst nach sieben Minuten zu unterbrechen. Er sprach danach acht.
Wir aber schweigen. Und betrachten voller Wohlgefallen Mascha, die gerade mit ihren geschmeidigen Bewegungen Nachschub an Knallpresse und Torte hereinträgt. So eine schöne Frau ist doch etwas Herrliches. Mehr tun wir aber nicht. Wir sind doch nicht Roland Geiler.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.10.2007, Nr. 42 / Seite 72
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