Von Florentine Fritzen
07. Oktober 2007 Es ist Zeit, über das Glück zu reden. Die meisten von uns plagen sich ja im Alltag mit Problemen herum wie Pia K. (45) aus Kassel, die von 7 Tage wissen will: Warum bin ich ständig verschwitzt? Da ist es gut, dass uns die Herzblätter stets mit Geschichten über anderer, glücklicherer Leute Glück versorgen. Zum Beispiel über das ganz normale Glück des Schauspielers Dustin Hoffman (70) und seiner Frau Lisa (53).
Die kriegen es, wie ein Foto in Frau im Spiegel beweist, auch nach 27 Jahren Ehe noch irgendwie hin, Arm in Arm durch Mailand zu bummeln. Der berühmte Schmusesänger Semino Rossi (45) verrät in Neue Welt sogar seine persönlichen Zutaten für eine glückliche Ehe. Jeder kann's ganz einfach zu Hause nachmachen: auch in Stress-Situationen ein Ohr für den Partner haben, ihn in den Arm nehmen, alles aussprechen - Geheimnisse tun einer Partnerschaft nicht gut, oder: ein romantisches Date mal ganz ohne Kinder.
Baby macht Deperate Housewife Marcia glücklich
Vor allem diesen letzten Tipp finden wir sehr klug, denn am schlimmsten haben es ja alle, die sich nicht nur mit dem eigenen Unglück herumschlagen müssen, sondern auch noch mit ihren Kindern. Barbara W. (39) zum Beispiel jammert in Echo der Frau: Unser Jüngster nervt mit Wutanfällen. Gott sei Dank hat Das goldene Blatt aber Antworten auf Fragen wie Was tun, wenn Kinder Gegenstände verschlucken?.
Es ist allerdings schon ein bisschen gemein, dass es Kindern wie Savannah (sieben Monate) offensichtlich überhaupt nicht einfällt, irgendwas zu schlucken außer leckeren und gesunden Gegenständen. Die Tochter von Desperate Housewives- Schauspielerin Marcia Cross (45) hat nämlich erkannt, was die eigentliche Aufgabe eines Kindes ist, und macht Mama so glücklich. Sagt jedenfalls Revue.
Im Kronprinzenpalast regiert das Glück
Bei Mette und Håkon, das sind die aus Norwegen, rettet derweil Baby Nummer vier gleich eine ganze Ehe. Dazu muss man wissen, dass es um diese Ehe zuletzt sehr, sehr schlecht stand: Mette verfiel in frühere Party-Gewohnheiten, erfuhr Das goldene Blatt, und jetzt kommt's: Sie ging sogar wieder mit alten Freunden aus. Aber: Seit Mette-Marit ihrem Mann die freudige Nachricht mitteilte, regiert im Kronprinzenpalast Skaugum wieder - na wer wohl - das Glück.
Und selbst der krasse Verteidigungsminister Franz Josef Jung, der letztens noch einfach verdächtige Flugzeuge abknallen wollte, genießt jetzt so sehr sein Glück als Opa, dass Bunte mutmaßt: Vielleicht geht ihm jetzt durch den Kopf, was wäre, wenn eventuell die kleine Lena und ihre junge Mutter Anika an Bord wären! Würde er den Abschuss befehlen? So hartherzig kann doch kein Großvater sein.
Jörg im Glück!
Solche theoretischen Probleme wollen wir auch mal haben. Wenn wir hier im Frankfurter Gallusviertel gleich ein paar karge Brötchen mümmeln, notdürftig aufgepeppt mit etwas Lachs vom Tengelmann, dann sitzt uns eben nicht so ein glücklicher Promi wie der Verteidigungsminister oder auch Jörg Pilawa (42) gegenüber, den laut Frau im Spiegel jeder gern mit am Familientisch hat. Unser Unglück macht perfekt, dass wir künftig nicht mal mehr mit Hilfe des Fernsehers so tun können, als sitze Pilawa (wir nennen ihn, nur so für uns, einfach Jörg) mit an unserem Ikea-Tisch.
Der Moderator macht nämlich in drei Jahren nur noch Irina (36), Emmy (6) und Juri (3) glücklich: Er hat sich für die Familie entschieden und nennt das - hihi - meine Agenda 2010. Kein Wunder, dass Frau im Spiegel Pilawa samt Frau aufs Titelblatt hebt und danebenschreibt: Jörg im Glück! Im Editorial verrät Chefredakteurin Sabine Ingwersen, wie die Kollegen auf den Entwurf für das schöne Cover reagierten, nämlich mit den Ausrufen Super!, Toll! und Genau so!.
Ein schönes Foto von Ottfried Fischer
Manchmal hat aber auch jemand ganz Normales Riesenglück. Die Geschichte der Italienerin Gerarda Cucciniello (57) etwa, nacherzählt von Neue Welt, macht uns echt Mut: Erst gewann, eigentlich schon super genug, ihr Mann eine Originalrobe von Lady Di. Der Knüller kommt aber erst noch, denn Gerarda sagt: Dianas Kleid hat mich vom Brustkrebs geheilt.
Total schön auch das Foto von Ottfried Fischer (53) und seinem neuen Filmpartner bei Pater Braun, nämlich einem vergleichsweise zierlichen Birnbaum aus dem Havelland. Wer gibt hier wem Halt?, fragt Frau im Spiegel sehr zu Recht, was uns schlagartig klarmacht, dass es zu einer glücklichen Partnerschaft auch gehören muss, den anderen wenn nötig, mal mit aller Kraft zu stützen.
Stress-Situation einfach ignorieren
So viel fremdes Glück lässt in uns einen Vorsatz reifen. Wenn unser Jüngster heute Abend mit seinen üblichen Wutanfällen nervt, weil er schon wieder so doof war, einen Flummi zu verschlucken, werden wir die Stress-Situation einfach ignorieren.
Stattdessen nehmen wir unseren Partner in den Arm, leihen uns sein Ohr und säuseln: Ich zieh jetzt die Robe an, die du letztens gewonnen hast. Heute ist wieder romantisches Date ohne Kinder. Er aber wird es einfach aussprechen: Super, toll, genau so!
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 07.10.2007, Nr. 40 / Seite 82
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS