Herzblatt-Geschichten

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Kritische Merkur-Phase

Von Jörg Thomann

25. Februar 2008 Schwere Zeiten für die besserverdienenden Leistungsträger. Zum Beispiel für Franjo Pooth, der allein schon deshalb unsere Bewunderung verdient, weil er seit bald vier Jahren mit der früheren Frau Feldbusch verheiratet ist. Nun ist zu allem Übel auch noch Pooths Firma pleitegegangen und ein Bankchef geschasst worden, der ihm Kredite gewährt hatte; der Staatsanwalt ermittelt. Für Verona kein Grund, ihren Mann fallenzulassen: "Franjo hat etwas geleistet und bewegt", sagt sie zur Revue. Und fügt einen Satz hinzu, der im aktuellen Kontext seltsam klingt: "Wer nichts riskieren will, muss entweder zur Post gehen oder zu Hause bleiben." Dass sich der unglückliche Klaus Zumwinkel nun auch noch vorwerfen lassen muss, das Risiko zu scheuen, das geht wirklich zu weit.

Ebenso wie der süffisante Unterton beim Revue-Hinweis, die erstaunten Ermittler hätten bei der Razzia im Zumwinkelschen Anwesen "alte Tapeten statt Wände mit wertvollen Gemälden" sowie "eine eher renovierungsbedürftige Küche" vorgefunden. Wir sind überzeugt: Wären die Fahnder auf goldene Dielen und Berge kostbarster Briefmarkenalben gestoßen, es wäre auch wieder nicht recht gewesen. Wir aber kennen keinen Sozialneid und stören uns auch nicht daran, dass Edith Bohlen im Telefongewinnspiel bei "Deutschland sucht den Superstar", wo Filius Dieter als Juror amtiert, 10 000 Euro gewann. Wir gönnen der alten Dame das Geld, schließlich hat sie ihren Sohn zu einem ehrenwerten, anständigen, wohlerzogenen . . . Nun ja, vielleicht sollte sie das Preisgeld doch besser stiften. Aber bitte auf keinen Fall in Liechtenstein.

Prinz Charles schüttet sein Herz aus

Dessen Herrscher Adam II. übrigens ist uns durchaus sympathisch. Obgleich laut Verfassung "von Gottes Gnaden" sowie "geheiligt und unverletzlich", scheut er nicht den Kontakt zum Volke. "Gefällt ihm ein Leserbrief in den Vaduzer Zeitungen ,Vaterland' oder ,Volksblatt', lädt er den Schreiber zur Audienz aufs Schloss ein", schreibt Bunte. Eine stilvolle Praxis, finden wir, hier in der Herzblatt-Redaktion wird ganz ähnlich verfahren. Laut Bunte ist der Fürst zudem der Ansicht, "dass wir den Drogenkonsum grundsätzlich freigeben sollten" - vielleicht ein Versuch, anstelle der ausbleibenden Geschäftsleute eine neue Klientel zu gewinnen.

Das Haus vom ehemaligen Postchef Zumwinkel: „alte Tapeten” und „renovierungsb... Dieter Bohlen freut sich für seine Mutter Schloss von Vaduz: der Herrscher Liechtensteins lädt ein Prinz Charles ist frisch verliebt Karel Gott: kann sich wieder als Karel kämmen In der kritischen Merkur-Phase: Klaus Zumwinkel

Zu wenig finden wir in der Debatte berücksichtigt, dass nicht nur Bankgeheimnisse, sondern auch Gefühle verletzt werden. Auf diesem Gebiet sind die Herzblätter Spezialisten, Vertrauensbruch ist ihre Existenzgrundlage. Prinz Charles zum Beispiel "schüttete seinem besten Freund sein Herz aus", mit welchem Ergebnis? Die ganze Neue Welt weiß nun, dass er in Kronprinzessin Mathilde von Belgien verliebt ist. Ein "enger Freund", ja "Intimus" von Boris und Babs Becker wiederum lüftet gegenüber Echo der Frau "das große Geheimnis um Babs' Schwangerschaft": Es werden Zwillinge.

Horoskop für Klaus Zumwinkel

Kein guter Freund, sondern Karel Gott (68) selbst enthüllt, dass er Gattin Ivana (31) dem Schauspieler Michael Douglas ausspannte, was auch nicht besser wird dadurch, dass Douglas mit einer anderen Frau verheiratet war. Im Neuen Blatt berichtet Ivana: "Zuerst kämmte sich Karel die Haare wie Michael. Doch als der Catherine Zeta-Jones heiratete, atmete er auf, kämmte sich wieder wie Karel." Der Altersunterschied zwischen den Eheleuten beunruhigt die Prager Goldstimme nicht: "Ivana hat so viel zu tun mit unserer kleinen Tochter, mit mir, mit dem alten Haus - da kann sie gar nicht auf den Gedanken kommen, sich anderswo umzugucken." Mit gleich zwei alten Häusern am Hals dürfte das in der Tat schwierig werden.

Zum Abschluss ein Blick in die Sterne, und zwar für Klaus Zumwinkel, Schütze, geboren am 15. Dezember. "Die Entwicklung wird sich nicht mehr aufhalten lassen. Die Zeit, in der Ihr Einfluss ganz direkt etwas bewirkte, ist leider vorbei", urteilt präzise die Neue Welt. Mutig auf Zumwinkels Seite schlägt sich das Neue Blatt: "Sie werden Zeuge einer Ungerechtigkeit. Auch wenn Ihr Zorn noch so berechtigt ist: Reagieren Sie nicht unbeherrscht, sondern bleiben Sie sachlich." 7 Tage pflichtet bei: "Bewahren Sie Ruhe, auch wenn es zu kleinen Reibereien kommt." Arg spät und besserwisserisch hingegen kommt der Rat der Frau im Spiegel daher: ",Der Mensch ist ein geldgieriges Tier, und diese Eigenschaft kommt allzu oft seiner Güte in die Quere', wusste schon der amerikanische Schriftsteller Herman Melville. Tappen Sie nicht in diese Falle! Sie würden Ihren Ruf aufs Spiel setzen." Sanften Trost spendet Bunte: "Man erwartet von Ihnen die Korrektur einer Entscheidung (kritische Merkur-Phase). Droht deshalb ein Gesichtsverlust im Job oder in der Society? Keine Sorge: Ihr faires Nachgeben wird Ihnen hoch angerechnet."

Da drängt sich der Verdacht auf, dass deutsche Astrologen in engem Kontakt zum BND stehen. Wir haben gleich noch unser eigenes Horoskop gelesen - im Echo der Frau: "Ihr Konto schreibt tiefschwarze Zahlen. Auf diesen Erfolg können Sie stolz sein." Stolz? Vor allem sind wir beunruhigt. Woher, zum Teufel, wissen die von dem Konto?

„Die beste Kolumne Deutschlands betreibt weiterhin Peter Lückemeier“, befindet die taz in Berlin. Woche für Woche wertet Peter Lückemeier das Wichtigste und Heftigste aus der Knallpresse in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und auf www.faz.net aus. Die besten seiner Kolumnen sind nun auch in Buchform zu haben. „Neue Herzblatt-Geschichten“ heißt der Sammelband, der im Fischer Taschenbuch-Verlag erschienen ist.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.02.2008, Nr. 8 / Seite 62
Bildmaterial: dpa, ZB

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