Herzblatt-Geschichten
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Es war bezaubernd

Von Peter Lückemeier

05. Februar 2006 Lassen Sie uns über Geld reden. „Geld ist immer gut“, hat Heiner Müller gesagt, „Geld gibt Freiheit.“ Ob „Deutschlands berühmtester Stimmungssänger“ Tony Marshall (67) in diesem Sinne noch seine Freiheit genießt, wissen wir nicht, aus Bild erfahren wir aber, daß er hohe Schulden hatte: „Meine 47 Oldtimer und meine Villa in Florida mußte ich verkaufen.“

Doch falls Sie 1,5 Millionen Euro locker haben, können Sie des Sängers 16-Zimmer-Haus in Baden-Baden erwerben. Und sich ein bisserl wundern, daß man mit Liedzeilen wie „Wir singen trallala / Und tanzen hoppsassa / Wir wollen fröhlich sein / Und uns des Lebens freu'n“ doch offensichtlich eine Menge Schotter machen kann.

Ein knappes Schreiben an die Gemahlin

Aber eigentlich wollten wir mit Ihnen etwas anderes besprechen, nämlich wie man sich am besten entschuldigt, wenn einen die Frau beim Seitensprung ertappt. Lars Brandt enthüllt im stern, wie sich sein Vater Willy Brandt aus der Affäre zog: „Weil er lieber schreibt als redet, verfaßt der gelernte Journalist auf offiziellem Papier (schwarz lackierter Prägedruck: Der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland) ein knappes Schreiben an die Gemahlin, er ,habe einen Blackout gehabt'.“

Kennen Sie übrigens den Ausdruck „One-Night-Stand“? Sie haben das Wort noch nicht gehört, die Sache aber wie Willy Brandt praktiziert? Gut. Und wie verhalten Sie sich nach einer solchen aufs Kurzfristige angelegten Begegnung? Melden Sie sich noch einmal beim Objekt Ihrer vorübergehenden Begierde oder nicht?

Bett-Qualitäten: „Zwei von zehn Punkten“

Die Autorin von Frau im Spiegel vertritt da eine entschiedene Ansicht: „Ich habe nie verstanden, warum Menschen, die Sex miteinander hatten, danach nicht wenigstens ein einziges Mal telefonieren können.“ Das leuchtet ein. Wem aber ein Telefonat zu intim erscheine, solle wenigstens auf dem Anrufbeantworter eine Botschaft hinterlassen: „Es war bezaubernd, ich bin allerdings seit 30 Jahren verheiratet und möchte es bleiben.“

Also, das klingt ja noch einigermaßen charmant, aber schrecklich erscheint es uns, wenn ehemals Liebende übereinander so unangenehm sprechen wie Nick Solderblom, der in Bunte über die Bett-Qualitäten seiner Ex-Verlobten Nicolette Sheridan sagt: „Ich gebe ihr höchstens zwei von zehn Punkten.“

Mausi nicht entzückt über vollbusige Damen

Auch nicht besonders nett hat sich in Frau im Spiegel „die schlanke, intellektuelle Millionen-Erbin Jemima Khan (31), die Freundin des hübschen Hugh Grant (45) geäußert: „Das Problem ist, daß Hugh immer mit recht geistlosen Mädchen unterwegs war.“ Das hat natürlich Liz Hurley auf die Palme gebracht, die immerhin ein paar Jährchen mit Hugh verbracht hatte. Ein Freund: „Daß Jemima jünger, schöner und reicher ist als sie, macht sie fertig!“

Tja, Frauen untereinander sind gelegentlich ein wenig mißgünstig. Wie in Revue auch der „Mörtel“ genannte Bauunternehmer Richard Lugner bestätigt, der sich diesmal für den Wiener Opernball Carmen Electra (Körbchengröße Irrsinn) eingekauft hat. Mörtel über seine Frau Mausi: „Diesmal ist sie nicht ganz glücklich mit der Wahl. Mein Mausi ist nicht so entzückt von vollbusigen Damen.“

„Wo geht's zum Sackhüpfen?“

Wir schon, wollen das aber nicht vertiefen, weil wir erst einmal die Redaktion von Revue dafür tadeln müssen, daß sie in einer Modekritik über das Abendkleid unserer Bundespräsidenten-Gattin Eva Luise Köhler schreibt: „Wo gehts zum Sackhüpfen?“ und es doch eigentlich mit Apostroph heißen müßte: „Wo geht's zum Sackhüpfen?“ Wir müssen dies also ebenso rügen wie die etwas anrüchige Bild-Schlagzeile über Henri Matisse: „Sein Pinsel machte die Frauen verrückt“, wenngleich wir nicht einen gewissen Neid auf den Maler verhehlen wollen, über den es heißt: „Mit einer Agentur schließt er einen Vertrag ab, der ihm pro Tag drei neue Modelle garantiert - die er nicht nur malt.“

Jetzt zu zwei ernsten und wichtigen Themen. Zunächst eine dringende Bitte an alle Muttis: Seid lieb zu euren Buben, büttebütte. Seid jedenfalls nicht so grausam zu ihnen wie des Ex-Eiskunstläufers Hans-Jürgen Bäumlers Mutti, die sich, wie er in Bild berichtet, recht häßlich benahm: „Meine Mutter hat ständig gefordert. Meine Mutter verlangte immer nur - und wenn was nicht klappte, dann gab es Zoff bis hin zu Handgreiflichkeiten.“

Bikini aus Bio-Baumwolle

Ach, das mögen wir gar nicht lesen, das schmerzt richtig, wie kann diese Welt nur besser werden? Na klar, durch „55 Tips für eine bessere Welt“, wie sie dem sonst doch eher leicht zynischen stern zu entnehmen sind. Besonders gefallen haben uns Tip 10 („Kaufen Sie öfters Kleidungsstücke aus Bio-Baumwolle“) und Tip 24 („Verbringen Sie Ihre Zeit mit jemandem aus einer anderen Generation“).

Haben wir gleich in die Tat umgesetzt und unsere bulgarische Redaktionsassistentin Slavka hereingebeten. Sie ist 20, kommt also eindeutig aus einer anderen Generation, sie ist total hübsch, und für ihre Figur geben wir ihr zehn von zehn Punkten. Wir schenkten ihr einen neuen Bikini und taten noch ein weiteres gutes Werk: Er war aus reiner Bio-Baumwolle.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 05.02.2006, Nr. 5 / Seite 64

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