Von Alexander Marguier
16. Dezember 2007 Weihnachten bei den Windsors, das ist ja auch nicht das reinste Vergnügen. Denn jedes Jahr lautet die Frage aufs Neue: Dürfen Willy und Harry endlich ihre Freundinnen Katie und Chelsy mit unter den königlichen Christbaum nehmen? Falls ja, ergeben sich daraus weitere Fragen, zum Beispiel: Wann wird geheiratet? Und was sollen die Mädels der Queen bloß schenken? Falls nein, will alle Welt wissen, warum der Haussegen jetzt schon wieder schief hängt.
Die Antworten kennen natürlich nur unsere Adelsexperten aus der Adelsfachpresse, und wenn ihre Meinungen mitunter etwas auseinandergehen, so spricht das umso mehr für ihr Expertentum, denn Experten sind ja bekanntlich nie einer Meinung. Warum also feiert Kate Middleton das Fest der Liebe dieses Jahr mit ihren Eltern in der Karibik anstatt auf Schloss Sandringham mit William und dessen sympathischer Familie? Um die Königin nicht in Verlegenheit zu bringen, behauptet Das Goldene Blatt. Weil sie ihre Eltern unter den Palmen nicht allein lassen will, weiß Das Neue Blatt. Weil ihr der englische Winter zu kalt und ungemütlich ist, ahnt Neue Welt. Weil Kate eine Affäre mit einem attraktiven jungen Mann hat, unkt Echo der Frau. Weil Camilla gegen ihre Rivalin Kate erfolgreich bei Hofe intrigierte, argwöhnt 7 Tage. Schlimm, das alles.
So nennt man das wohl unter Schornsteinfegern
Auch im Hause Boris Becker wird der Heilige Abend von Melancholie und unerfüllter Sehnsucht überschattet bleiben, denn des beliebten Schriftstellers (Was Kinder stark macht) Besenkammer-Töchterchen Anna darf auf Geheiß ihrer herzlosen Mutter Angela Ermakowa nicht an den Feierlichkeiten der Beckerschen Patchworkfamilie teilnehmen. Dabei war, wie wir der Neuen Welt entnehmen, alles so schön geplant - vertrautes Beisammensein, harmonisches Plätzchenbacken, das ganze Programm eben. Pustekuchen, ein Sorgerechtsstreit zwischen Herrn Becker und Frau Ermakowa hat das Klima so sehr vergiftet, dass uns nicht einmal die Wiederannäherung zwischen Olli Kahn und dessen Ehefrau Simone Trost zu spenden vermag. Revue hat die beiden auf Mallorca gesichtet, während Verena, die Langzeit-Gespielin unseres Tor-Titanen, mit einem Schlittschuhläufer namens René Lohse herumpoussiert. Was weihnachtstechnisch keinen großen Unterschied macht, denn zum Christfest zieht es den Olli laut Revue ohnehin traditionell in die Arme seiner Gattin zurück. Den Ehering behielt er sowieso immer an. Das ist wahre Treue.
Weihnachten ist die gefährlichste Zeit für angespannte Beziehungen, schreibt Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel in ihrem Editorial, und sie hat natürlich recht. Prominentestes Opfer vorfestlicher Gefühlsaufwallungen ist ja bekanntlich die Ehe zwischen Inken und Günther Oettinger, jedoch ist der baden-württembergische Ministerpräsident nicht allein im adventlichen Alleinsein: Gräfin Diana hat es ebenfalls erwischt. Gräfin Diana, ist die nicht längst tot?, werden Sie sich jetzt wahrscheinlich fragen, aber nein, sie lebt. Und zwar seit kurzem wieder auf Schloss Mainau am Bodensee, wohin Gräfin Diana Bernadotte (25) zurückgekehrt ist, nachdem die Sache mit Bernd Grawe (41), einem sympathischen Schornsteinfeger (7 Tage), in die Brüche gegangen ist. Kehraus der Herzen nennt man so etwas wohl in Schornsteinfegerkreisen.
Sogar Foxtrott: So kann's gehen
Frisch verliebt dagegen ist Lothar Matthäus (46), und zwar - aufmerksame Herzblatt-Geschichten-Leser werden sich erinnern - in Liliana aus München. Die beiden turteln fröhlich dem Weihnachtsfest entgegen, doch anstatt sich über das junge Glück zu freuen, hebt Das Neue Blatt gouvernantenhaft den Finger. Und warum? Weil Liliana erst zwanzig ist - und damit genauso alt wie Lothars beide Töchter. Es ist peinlich, wenn sich der eigene Vater so zum Deppen macht, empört sich Das Neue Blatt, er selbst hat damit kein Problem. Hätten wir bei einer Frau wie Liliana ehrlich gesagt auch nicht.
Und überhaupt: Ist es nicht wunderbar, wie wohltuend sich eine junge Dame auf das Leben älterer Herrschaften auswirken kann? Beispiel Christian Wulff: Seit der niedersächsische Ministerpräsident seine Gattin gegen die 34 Jahre alte Bettina Körner eingetauscht hat, ist er den Beobachtungen von Bunte zufolge nicht mehr wiederzuerkennen: neue Frisur, immer häufiger Jeans, schlanker geworden, sehr sportiv, galt lebenslang als Tanzmuffel, tanzt nun prächtig auf sämtlichen Pressebällen, hat sich sogar Foxtrott beibringen lassen. So kann's gehen.
Wir selbst müssen jetzt so langsam Schluss machen, denn unsere neue Praktikantin Kerstin (24, blond, schlank, Ex-Model) wartet schon seit fünf Minuten ungeduldig im Vorzimmer. Gleich beginnt nämlich unser Tanzkurs.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.12.2007, Nr. 50 / Seite 68
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, picture-alliance/ dpa, REUTERS