23. August 2004 Eigentlich muß man sich ja schon schämen, daß wir Deutsche bei den Olympischen Spielen die paar Medaillen nur in entlegenen Sportarten wie Flugfederball für Kleinwüchsige mit sonderpädagogischem Förderbedarf bei Rückenwind holen. Und dann Franzi, unsere Goldhoffnung! Nach dem Scheitern sagt sie in Bild: "Ich bin innerlich tot. Manchmal kommen Gedanken hoch, dann weine ich." Das ist ja schrecklich traurig, soll uns jetzt aber nicht weiter beschäftigen, denn wir müssen erst mal eine dringende Frage an Sie richten, liebe Leserinnen: Ist Ihr Mann freundlich genug? Macht er Ihnen Komplimente, zeigt er Ihnen täglich seine Liebe? Nein?
Dann sollte Ihr Gatte, liebe Leserinnen, sich schnellstens ein Beispiel an Dieter Bohlen nehmen: "Jeden Morgen, wenn wir aufwachen", strahlt seine Freundin Estefania in Bild, "sagt Dieter mir, daß er mich lieb hat. Daß ich seine Traumfrau bin." Ebenfalls könnten Sie, liebe Leserinnen, Ihrem Mann berichten, daß Klausjürgen Wussow von den Dreharbeiten für die "Schwarzwaldklinik" jeden Tag seiner Sabine auf den Anrufbeantworter spricht: "Ich denke an nichts anderes als an unsere große Liebe, mein Schnurzelchen." So verrät es Frau Sabine Neue Revue, doch dieses Ausmaß an überbordender Liebe ihres Klausimausi hat nicht verhindern können, daß ihr Schnurzel-Herz hart wurde. Über des Gatten Filmpartnerin Gaby Dohm äußert sie in ziemlich herabsetzender Weise: "Geizige Ziege. Hat Millionen geerbt und sitzt drauf. Sie hat Klaus nie zum Wein eingeladen. Nie."
Russinnen, anspruchslos und pflegeleicht
Ja, Frauen können untereinander schon recht unangenehm werden. Andererseits muß man bei Frau Wussow-Schnurzelchen anerkennen, daß sie sich wirklich für ihren Mann einsetzt. Am 11.August soll sie bei Neue Revue angerufen haben: "Klausi hat Schulden. Können Sie nicht mal 250 Euro für ihn locker machen?" Und jetzt geht die Frage an Sie, liebe Herren Leser: Würde Ihre Frau das auch für Sie tun? Riefe sie bei Neue Revue an, um Ihr Konto aufzubessern? Wohl eher nicht.
Nur Kati Witt würde das vielleicht tun. Sie ist, wie wir Bunte entnehmen, der eher offensive Frauentyp, der zum Beispiel den Schauspieler Richard Dean Anderson "vor einem Hotel sah und dann per Handy fragte, ob man nicht mal ausgehen wolle". Allerdings muß Bunte leider auch die Frage stellen, ob erfolgreiche, selbstbewußte Frauen wie Kati Witt es in der Liebe nicht besonders schwer haben, denn "auch mit Partner Nr.9 ging es schief". Ja, und leider ist es heute auch nicht mehr so easy, sich mal eben einen superreichen Mann zu angeln. Wer wüßte das besser als Baronin Brandstetter, geborene Kosmetikerin aus Nürnberg, verheiratete Millionärin. In Bild am Sonntag resümiert sie eiskalt: "Heute sind da die bildschönen Russinnen. Sie halten auf diesem Gebiet das Monopol, denn sie sind anspruchslos und pflegeleicht, weil sie aus tiefster Armut kommen."
Ein Seitensprung ist nach dem Duschen überstanden
Wenigstens braucht Schlagersänger Roland Kaiser sich weder eine Russin noch eine Millionärin zu suchen, denn er hat schon eine wundervolle Frau, die er ganz doll liebt. Allerdings sagst du, lieber Roland Kaiser, im Gespräch mit Echo der Frau: "Ich bin nicht sonderlich eitel." Das können wir widerlegen. Sehr genau erinnern wir uns, daß Bild vor vier Jahren in deine Garderobe schmulte: "Der Meister, gerade von einem Konzertauftritt kommend, entledigte sich erst seines Anzugs, um dann seine Bis-über-den-Nabel-Gummihöschen runterzurollen. Die zieht man(n) an wie frau ein Mieder, um ein bißchen schlanker auszusehen." Von wegen: nicht eitel.
Nun zu dir, Udo Jürgens. Wenn du, wie jetzt dem stern, ein Interview gibst, darf man ja sicher sein, daß du einen nicht enttäuschst. Und tatsächlich hältst du in einem Nebensatz so en passant einen großen Trost bereit für alle enttäuschten und entsetzten Frauen, die in der Brieftasche ihres Gatten einen parfümierten rosa Brief mit der Anrede "Mein geliebter Kater!" gefunden haben: Für einen Mann, sagst du, Udo Jürgens, "ist der Seitensprung nach dem Duschen überstanden". Wer sollte das besser wissen als du, denn auf die etwas indiskrete Frage des stern: "Könnten Sie annähernd rekonstruieren, mit wie vielen Frauen Sie geschlafen haben?", sagst du weltmännisch: "Nein, keine Ahnung. Das habe ich immer für vollkommen nebensächlich gehalten. Ich kenne Männer, die sich dann immer ein Zeichen in den Kalender machen." Echt? Das ist ja wirklich unfaßbar primitiv.
Und wie wir noch so darüber nachdenken, steht diese junge Russin in der Tür, Sie wissen schon: eine von diesen superhübschen Samstagsvormittagsredaktionsassistentinnen, die hier bei uns auf dem fünften Stock Getränke austeilen und immer total freundlich sind. Sie lächelt: "Wi millioner? Ja Vas ljublju." Wir aber sagen: "Oh bitte, treten Sie doch näher." Und greifen schnell noch nach dem Kalender.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.08.2004, Nr. 34 / Seite 54