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So streichelt die Liebe

Von Peter Lückemeier

12. März 2006 Wissen Sie, wer uns diese Woche besucht hat? Kerstin und Katrin, unsere beiden ehemaligen bildschönen Redaktionsassistentinnen, die jetzt in Dubai leben. Sie waren mit dem Lear-Jet ihres neuen Arbeitgebers nach Paris zum Shopping geflogen und schauten auf einen Kaffee bei uns in Frankfurt in der Hellerhofstraße im fünften Stock vorbei. Und wie sie so verschmitzt lächelnd, braungebrannt und gertenschlank auf ihren Stilettos mit Fersenriemchen im Türrahmen des Zimmers 524 standen und wir drei uns im reinsten Wiedersehensglück in die Arme fielen, da mußten wir an unseren Bundestrainer Jürgen Klinsmann denken, der einst sagte: „Das sind Gefühle, wo man schwer beschreiben kann.“

Da die Fußball-Weltmeisterschaft näherrückt, haben wir uns mit der Materie ein bißchen näher beschäftigt und etliche Zitate bedeutender Ballkünstler nachgeschlagen und überdacht. Wir schwanken aber noch sehr, ob wir den Wanderpokal für die ausgeprägteste Intelligenz-Abstinenz an Steffen Freund (Borussia Dortmund, Tottenham Hotspur) vergeben sollen oder an Andreas Brehme (u. a. Lautern, Inter, Bayern).

„Komm, Steffen, zieh deine Sachen aus“

Bei Brehme gefällt uns besonders gut seine Selbsteinschätzung „Ich komme gut an bei die Frauen“. Steffen Freund dagegen brillierte mit seinen (erotischen?) Erinnerungen: „Es war ein wunderschöner Augenblick, als der Bundestrainer sagte: ,Komm, Steffen, zieh deine Sachen aus, jetzt geht's los.'“ Beide Zitate entnahmen wir dem bei dtv erschienenen Bändchen „Die Kickerbibel“ von Harald Braun. Wir haben vor, im Zuge der WM noch öfter daraus zu zitieren, müssen uns jetzt aber einem wichtigeren Thema zuwenden, der Liebe in reifen Jahren.

Unser Altbundeskanzler ist von ihr befallen, nein, nicht Schröder, sondern Kohl (75). Er war mit seiner Lebensgefährtin Dr. Maike Richter (41) ja hier bei unserem Frankfurter Opernball, und die Psychologen von Revue beobachteten, daß sie ihm die Wange streichelte: „Nein, das war nicht nur ein nettes Tätscheln. So streichelt Liebe.“ Und dieses Streicheln führt auch zu strahlenden Erfolgen: „In Helmut Kohls schönen dunklen Augen ist wieder Glanz. Er freut sich auf jeden neuen Tag.“ Das freut auch uns. Erstens für Helmut Kohl. Zweitens aber auch als Signal an die Menschheit, daß Zweisamkeit eine Erfolgsgeschichte bleiben kann. Wir betonen dies auch deshalb, weil Bild leider verkündet: „Immer mehr Frauen sagen zu ihrem Mann: Tschüs Schatz, ich liebe jetzt eine Frau!“

„Frauen über 32 sind viel zu aggressiv“

Flavio Briatore tut dies schon lange, hat sich aber umorientiert. In Bunte sagt er: „Ich ziehe jetzt jüngere Mädchen vor, die bedanken sich wenigstens noch nach einem Dinner.“ Im übrigen spricht noch etwas anderes fürs junge Gemüse: „Frauen über 32 sind viel zu aggressiv.“

Interessant. Aber mit noch größerer Aufmerksamkeit lasen wir in Bunte, welche Wörter Frauen prinzipiell unangenehm finden: sexuell, geil, diskret, Seitensprung, Maschine. Magisch angezogen fühlen Frauen sich dagegen durch folgende Begriffe: Geborgenheit, Kunst, verläßlich, Küsse. Flechten Sie also, liebe Männer, demnächst diese Wörter möglichst oft in Ihre Konversation, alle Blusen äh Herzen werden sich Ihnen öffnen.

„Danach die, äh, äh, die, äh, Ausfahrt, äh, nehmen“

Auch wir wollen offen sein: Wir sind ja ein riesengroßer Fan vom Edi Stoiber. Als wir jetzt lasen, man könne auf den Auto-Navigator die Stimmen von Prominenten laden lassen, haben wir uns natürlich gleich für die Stoiber-Version entschieden. War aber leider ein Fehler. Denn Sie können sich denken, wie der Navigator jetzt spricht: „Demnächst bitte, äh, in die nächste, Dings, wie heißt's schnell, die nächste, äh, Spur wechseln und danach die, äh, äh, die, äh, Ausfahrt, äh, nehmen.“

Verständlicher drückt sich gottlob Ken Kercheval aus. Er hat mal in „Dallas“ den Cliff Barnes gespielt. Heute ist er krank, dreimal geschieden und pleite. Aber in Das Neue Blatt trotzt er den Schicksalsschlägen: „Ich möchte eigentlich nur eins: mich noch mal so richtig verlieben, denn das Leben ist so langweilig ohne Liebe.“

„Die Holländer sind vorne vom Feinsten bestückt“

Diese Aussage können wir genausogut nachvollziehen wie das Zögern des Sängers Sasha: „Ich stehe im Supermarkt und überlege mir zehn Minuten lang, was an der Dose Tomaten für 1,19 Euro wohl besser ist als an der für 89 Cent. Und später haue ich irre Kohle für teures Männerspielzeug wie Flachbildschirme raus.“ Bei uns ist es ähnlich. Pferdelederschuhe für 620 Euro sind gar kein Problem, aber wenn sich die Mädels nicht fürs Dinner zum Preis von 38 Euro bedanken, sind wir angesäuert.

Doch wir wollen an diesem herrlichen Sonntag zum Schluß einen versöhnlichen Akzent setzen. Dies geschieht am besten durch das Zitieren einer weiteren Fußballgröße. Diesmal haben wir uns für Oliver Kahn entschieden. Seit Jahren steht er seinen Mann erst im Tor und dann unter der Dusche. Das hat ihm zu der Erkenntnis verholfen: „Die Holländer sind vorne vom Feinsten bestückt.“

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.03.2006, Nr. 10 / Seite 72

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