Herzblatt-Geschichten

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Kuscheln mit Waldi

Von Alexander Marguier

12. Februar 2006 Seit Stunden schon zerbrechen wir uns den Kopf über dem Multiple-choice-Quiz aus Das Goldene Blatt, wo es heißt: „Majoran ist ... 1.) eine Rangbezeichnung 2.) ein Gewürz 3.) eine Kommode oder 4.) ein Sternbild.“ Wir tippen mal auf 4.), sind uns aber nicht ganz sicher - alle im Sternzeichen Majoran mit Aszendent Basilikum Geborenen mögen unsere Unwissenheit bitte verzeihen. Überhaupt ist das ganze Leben so rätselhaft, so unübersichtlich, so kompliziert geworden, daß einen nicht mal mehr die Lektüre von Neue Welt mit derselben versöhnen kann: Gleich auf der zweiten Seite wird dort das unerfreuliche Thema „Rente mit 67“ abgehandelt, der Sozialexperte des Blattes, ein gewisser Peter Voss, bekennt ganz „offen, auch wenn die Politiker das nicht gerne hören: Für mich ist das dreister Rentenbetrug.“ Harte Worte, die unsere Bundeskanzlerin treffen werden wie Peitschenhiebe, wenn sie nach einem weiteren anstrengenden Tag für Deutschland abends im Bett die Neue Welt durchblättert.

Um so mehr beneiden muß man deshalb Heiner Lauterbach. Der Charakterdarsteller hat nämlich soeben samt Frau und Kind zwei entspannte Wochen auf Mauritius verbracht, Gattin Victoria schwärmt in Das Neue Blatt: „Wir mußten uns wirklich um nichts selbst kümmern, hatten vier Butler und einen eigenen Koch namens Artee.“ Wahrscheinlich mußten sich die Lauterbachs nicht einmal um die Rechnung selbst kümmern, denn die entsprechenden Urlaubsbilder schmücken auch die aktuelle Bunte ebenso wie Frau im Spiegel, Gala oder Echo der Frau - und bei einem derart erfreulichen Medienecho zeigt sich eine großzügige Hotelanlage wie das „One & Only Le Touessrok“ doch sicher auch mal von ihrer kulanten Seite. Aber wir wollen hier nicht spekulieren, sondern uns den kalten Fakten widmen.

Madonna und der Mister-Bean-Verschnitt

Beispielsweise der gescheiterten Beziehung zwischen Sabine Christiansen und Doktor Manfred Schneider. Letzterer bekennt in Frau im Spiegel: „Ich bin nicht mehr das, was man normalerweise einen Lebensgefährten nennt“, und für diesen abschließenden Satz gebührt dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Bayer AG alle Hochachtung - eine klare Aussage, aber das Porzellan blieb im Schrank. Guy Richie dagegen, auf das Oeuvre seiner umtriebigen Ehefrau Madonna angesprochen, polterte unlängst: „Ob ich ihre Musik höre? Bleibt mir was anderes übrig?“ Kein Wunder also, daß die Popdiva derzeit lieber mit einem anderen Mann durch die Londoner Clubs tingelt, zumal es sich dabei um ihren eigenen Musikproduzenten Stuart Price handelt, der Madonnas Gesang sozusagen schon von Berufs wegen gut finden muß. Da nimmt man es als Künstlerin wohl sogar in Kauf, daß Herr Price grüne Pullis über rosafarbenen Poloshirts trägt und auch sonst irgendwie an Mister Bean erinnert.

Aber was zählt schon gutes Aussehen, wenn die Herzensbildung fehlt? Nehmen wir uns deshalb ein Beispiel am Ehepaar Ottfried und Renate Fischer. Der korpulente Schauspieler hat Bunte eines seiner seltenen Interviews gewährt und schockiert darin mit der Feststellung: „Wenn ich mich jetzt nackt einer breiten Nation zeigen sollte, käme das doch einer Freak-Show gleich.“ Worauf Gattin Renate liebevoll ergänzt: „Unsere Intimität leben wir lieber zu Hause aus, und da spielt Erotik auch nach 16 Jahren Ehe noch eine große Rolle ...“ Fernsehunterhalter Harald Schmidt und Sportmoderator Waldemar Hartmann hingegen bevorzugen zum Ausleben ihrer Intimitäten das nahe Ausland - genauer gesagt die Stadt Turin, von wo aus die beiden für die ARD seit heute die Olympischen Winterspiele kommentieren. Ein gemeinsames Doppelzimmer ist wohl schon bezogen, es verfügt laut Schmidt zwar nur über Stockbetten, doch wenn die Turiner Nächte zu frostig werden, „können wir kuscheln“, freut sich Hartmann im Bunte-Gespräch.

Eine „richtig enge“ Beziehung

Wie ja überhaupt die Hormone um so verrückter spielen, je weiter man sich von zu Hause entfernt. Oder wie würden Sie die Spekulation aus Echo der Frau bewerten, „Beatrix habe einst im afrikanischen Kenia eine enge Beziehung zu einem Wissenschaftler namens Richard Leaky gehabt - eine überaus enge“. Also so richtig eng. Sogar so eng, daß Beobachtungen von Echo der Frau zufolge Thronfolger Willem-Alexander „vom Aussehen her verblüffende Ähnlichkeit mit diesem Mann“ aufweist. Hoffen wir also, daß Beatrix über einen ähnlich guten Draht zum Allmächtigen verfügt wie Thomas Gottschalk. Der bekennt nämlich in seiner Bunte-Kolumne: „In schwierigen Gewissensfragen habe ich ihn sogar in die Planung mit einbezogen, damit ER auch wußte, daß der sündige Ausgang in einigen Einzelfällen unvermeidlich war.“

Jetzt aber zurück zum Das Goldene Blatt-Quiz: „Avocado ist ... 1.) ein alkoholisches Getränk 2.) eine tropische Frucht 3.) ein Rechtsanwalt oder 4.) eine Papageienart.“ Ganz einfach: 1.) ist richtig. Darauf erst mal ein Gläschen Avocado.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.02.2006, Nr. 6 / Seite 62

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