Herzblatt-Geschichten
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Orsaka Avvikelse

Von Peter Lückemeier

20. September 2004 Liebe Leserinnen, beneiden Sie manchmal die Queen? Weil sie halt so reich ist und immerfort tolle Klunker anlegt und bestes Essen verspeist? Oder Letizia von Spanien? Kam aus dem bürgerlichen Nichts, verkehrt heute mit den Großen dieser Welt, darf dem Papst die Hände küssen. Aber dann haben Sie noch nicht die erschütternden Berichte in 7Tage und Das Neue Blatt gelesen.

In ihrer 56 Jahre währenden Ehe soll Prinz Philip "ein Meister des Seitensprungs" gewesen sein. In einem neuen Buch, schreibt 7Tage, soll sich die heute 58 Jahre alte Sacha Hamilton Herzogin von Abercorn als langjährige Geliebte Philips geoutet haben. Und was noch schlimmer ist: "Wir hatten keine simple Bettgeschichte", sagt die heutige Gattin des königlichen Hofmarschalls. Und die Queen? Denkt sie an Scheidung? Nein. "Diese Frau lebt so weiter wie bisher, lächelt nach außen hin und leidet still."

„Gedemütigt und verzweifelt“

Tja, das ist recht unerfreulich, vielleicht sollte es die Königin mal mit einer Schönheitsoperation versuchen. Die Australierin Delma Edwards (84) hat sich nach den Angaben von Neue Welt bereits fünfzigmal Fett absaugen, Lippen aufspritzen, Haut straffen und das Dekollete glätten lassen. Allerdings letztlich auch nicht sonderlich erfolgreich, denn sie hat drei Ehen hinter sich.

Jetzt zu Letizia. Sie ist für unseren Geschmack ja die mit Abstand hübscheste Prinzessin der Welt, hat ein astreines, zierliches Figürchen und besonders süße kleine Ohren. Das alles hilft aber nicht, sie ist, wie Das Neue Blatt zuverlässig weiß, "gedemütigt und verzweifelt". Das spanische Massenblatt Hola hat nämlich eine Umfrage gestartet, welche Prinzessin die populärste sei, und ausgerechnet die eigene fiel durch. Verkrampft und unsicher wirke sie, urteilte das spanische Volk, eiskalt und arrogant. Die Folge: "Letizia ist schwer angeschlagen und verzweifelt."
„Kann eine Frau schöner verzeihen?“

Noch schlimmer, daß Männer immer so angeben müssen, entweder mit Potenz oder Geld. Stimmungsbomber Roberto Blanco (67) hat zwölf Kilo abgenommen und prahlt in Bild: "Ich bewege mich viel - tanzen und auch im Bett." Aber auch der Sultan von Brunei hat zur Hochzeit seines Thronprinzensohnes wahnsinng auf die Sahne gehauen.

Er gab, wie die Schmuckexperten von Bunte schonungslos offenlegen, für die siebzehnjährige Braut einen Blumenstrauß aus Gold in Auftrag, die Blüten waren aus lupenreinen Diamanten. Und sogar die Radkappen des Rolls-Royce "waren mit Gold verziert". Wir gratulieren von Herzen, aber nicht dir, Sultan von Brunei, sondern der Redaktion von Neue Revue für die Schlagzeile, mit der sie das Drama von Michel Friedman und Bärbel Schäfer wunderbar treffend zusammenfaßt: "Ein Baby! Kann eine Frau schöner verzeihen?"

„Der steht länger vor dem Spiegel als ich“
Ein freundschaftlicher Tadel dagegen an dich, Bunte. Deine Frage "Was finden Sie schön an sich?" ist überaus heikel, denn sie führt fast automatisch zu Eigenlob. Nur der schrecklich dicke Schauspieler Ottfried Fischer (248 Kilo) hat sich gekonnt ums Fettnäpfchen herumgedrückt.

Was findet er an sich am schönsten? "Meine Frau." Flavio Briatore, der alte Schlawiner, muß dagegen sehr in sich verliebt sein. Seine Ex-Flamme Vanessa Kelly (30) lästert jedenfalls: "Ich kann nicht bei einem bleiben, der länger vor dem Spiegel steht als ich."

Spätpubertäre Regression

Was uns auf den ehemaligen Spiegel-Chefredakteur Erich Böhme bringt. Damals, 1989, sagte er noch: "Ich will nicht wiedervereinigt werden." Gottlob kam es anders, nur so konnte Böhme auch seine heutige vierte Frau Angelika Unterlauf kennenlernen. Sie war Nachrichtensprecherin in der DDR und erwärmt nun das Herz des Vierundsiebzigjährigen.

Der scheint darob in eine spätpubertäre Regression verfallen zu sein und sagt zu Bild: "Meine Frau ist ein Gesamtkunstwerk. Ihre schönen Brüste bewahrt sie sich durch nachmittägliches Schwimmen." Wir raten zu einer Ganzkörpervergoldung.

Schwedisch ist eine vertrackte Sprache

Und geht es Kronprinzessin Victoria von Schweden gut? Keineswegs, "gemeine Anschuldigungen verletzen sie zutiefst": Ein Komiker hat sich im Fernsehen darüber lustig gemacht, daß ihr Vater an einer Leseschreibschwäche leidet und ihre Mama nach dreißig Jahren immer noch nicht richtig schwedisch spricht. Liebe Frau Königin, liebe Victoria, jetzt ärgert euch mal nicht. Aus eigener Erfahrung können wir bestätigen: Schwedisch ist eine wirklich vertrackte Sprache.

Wir wissen das so genau, weil wir morgen mit unserer leckeren kubanischen Redaktionsassistentin in unseren unverdienten, aber dreiwöchigen Urlaub starten und für unsere bescheidene Yacht einen schwedischen Kompaß erstanden. Ihn kann man per Flushmontage, Skottmontage oder Bygelmontage installieren. So weit alles klar. Aber dann stand in der Bruksanvisningar: "Tomen skruvmejsel kan orsaka avvikelse." Ja, was soll denn das heißen? Und dann stießen wir auf das Wort "kompenseringsmöjligheter". Sprechen Sie das mal schnell nach, liebe Leser, und bedauern Sie unsere arme Königin Silvia.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.09.2004, Nr. 38 / Seite 68

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