15. Januar 2006 Immer, wenn wir was zu lachen brauchen, machen wir den Stoiber. Wir können dessen Originalzitat längst auswendig und bitten Sie, liebe Leser, es jetzt einmal laut mitzulesen. Achtung, fertig, los:
Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München, mit zehn Minuten, ohne daß Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen, am, am Hauptbahnhof in München, starten Sie Ihren Flug. Zehn Minuten, schauen Sie sich mal die großen Flughäfen an, wenn Sie in Heathrow in London oder sonstwo, meine s-, ChaCharles de Gaulle, äh in Frankreich oder in äh, in, in, äh, in Rom, wenn Sie sich mal die Entfernungen ansehen ...
Wunderbar, Herr Stoiber, dieses Zitat ist nicht nur erheiternd, sondern es zeigt uns auch, daß Politik Menschenwerk ist. Aber war sie das nicht immer? Hatte nicht Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl einst in einem Bonner Lokal zum Wirt gesprochen: Ja, aber für mich ohne Knoblauch. Tu dem Rühe dafür die doppelte Menge drauf, damit er richtig schön stinkt und ihm alle seine Frauen weglaufen? Doch, so war es, aber jetzt genug von Politik.
Er ist so schön, so schön
Es gibt nämlich Wichtigeres, zuvörderst die Frage, ob hinter Udo Jürgens' Scheidungsabsicht eine junge Frau (35) steckt, die von dem Einundsiebzigjährigen ein Baby bekommt. Bunte ging der Angelegenheit offensichtlich ungern nach, fühlte sich aber wohl gleichsam verpflichtet, Gerüchten nachzuspüren, die dichter waren als das Schneetreiben in den Tiroler Alpen. Udo Jürgens sagt zu den Babygerüchten: Ja, wieso weiß ich das nicht? Wieso habe ich davon noch nie was gehört? Klingt überzeugend.
Noch-Ehefrau Corinna lächelt Bunte dagegen vielsagend an: Da müssen Sie die beiden schon selbst fragen. Gegen die Wahrscheinlichkeit einer Beziehung zu der jungen Frau (35) spricht allerdings deren zwar sympathische, aber nicht ins Udo-Jürgens-Beuteschema passende etwas üppigere Figürlichkeit.
Gut, am Aussehen läßt sich ja immer etwas ändern, und wer die Serie in Revue über den Chirurgen Mang liest, mag auf die Idee kommen, zum nächsten Fest ein kleines Operatiönchen zu verschenken. Der Effekt jedenfalls kann ganz enorm sein - wie bei der Frau, die einen neuen Busen bekam: Sie trägt ein weißes, langes Nachthemd. Sie schluchzt. Ihr Mann will sie in den Arm nehmen, traut sich aber nicht - die frischen Narben. Er sagt: ,Aber Liebling, warum weinst du denn?' Seine Frau wischt sich die Tränen weg. Stockend haucht sie: ,Er ist so schön, so schön.'
Schmutzige Wäsche waschen
Na prima. Natürlich gibt es auch Frauen, die keiner Nachbesserung bedürfen. So wie Sarah Kern. Sie hat, wie Bunte weiß, beste Chancen bei den Männern, aber das kommt natürlich auch viel von ihrer sagenhaften Bescheidenheit: Das hört sich jetzt vielleicht eingebildet an, aber vermutlich liegt es an meiner klassischen Ausstrahlung: ein bißchen Catherine Deneuve in Jung, etwas Businessfrau mit kühler Eleganz, aber auch junges Mädchen, das ungeschminkt in der U-Bahn Charisma ausstrahlt.
Muß ja eine Wahnsinnsfrau sein, wir würden uns gern mal in der U-Bahn von ihrem Charisma bestrahlen lassen, sind aber einerseits mit unserer neuen Redaktionsassistentin Slava (kommt irgendwo aus Osteuropa, dunkler Typ, superhübsch, tolle Beine, sanftes Wesen) aufs angenehmste beschäftigt, müssen andererseits aber auch noch Lothar Matthäus bedauern und Sie, liebe Ehepaare, vor dem Doppelkopfspielen warnen, und das dringend. Lothar Matthäus tut uns wegen seines Rückens leid, denn er äußert in Bunte: Hier wird schmutzige Wäsche auf meinem Rücken gewaschen, hoffentlich nicht im Kochwaschgang.
Nüsse, Bier und die Liebe
Doch falls Sie verheiratet sein sollten und gelegentlich mit einem anderen Paar Doppelkopf spielen, dann seien Sie gewarnt, da besteht die Gefahr der Blitzliebe. Wir wissen das aus Frau im Spiegel: Zwei Ehepaare treffen sich zehn Jahre lang zum Doppelkopf, und von einer Minute zur anderen - vielleicht während die Partner in der Küche sind, um Nachschub an Nüssen und Bier zu holen - kommt die Liebe über sie. Er greift nach ihrer Hand, sie sieht ihn an, Sekundenbruchteile, und alle vier haben ein Problem. Sehen Sie, jetzt wissen Sie Bescheid, spielen Sie lieber Canasta, das ist sicherlich ungefährlicher.
Tja, für uns beginnt jetzt das Wochenende. Wir lehnen uns ein wenig zurück und machen Slava den Stoiber: Wenn du jetzt schnell mit der Bahn, äh, der S-Bahn, äh, der Straßenbahn nach äh, sag schnell, nach Hause, dann kannst du den, wie heißt's noch, den äh, den Koffer und dann pack ich den Dings, den Koffer von mir auch schnell, und dann am Flughafen, äh, in Heathrow in London oder sonstwo, meine s-, ChaCharles de Gaulle, äh in Frankreich, nee, in Frankfurt abfliegen, dann führen unsere Wege äh, nach äh, nach, nach, äh, nach Rom.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15.01.2006, Nr. 2 / Seite 56