19. Januar 2009
In der Theorie sollen Bachelorabsolventen auch in fachfremde Masterstudiengänge wechseln können - das heißt dann nicht-konsekutiv. In der Praxis ist der alte Master of Business Administration (MBA) nach wie vor außer Konkurrenz.
Carsten Schmidt-Rimpler ist Arzt und wollte das auch immer werden. Neben der Medizin hat ihn auch die Wirtschaft interessiert, nur leider kam die im Medizinstudium nicht vor. Nach Studium und Promotion arbeitete er als Assistenzarzt in Münster und Xanten. Doch jetzt hat der 29-Jährige das Skalpell gegen den Taschenrechner getauscht und gehört zum ersten Jahrgang, der an der European Business School eine Vollzeitausbildung zum MBA absolviert - zum Master of Business Administration. Wer den MBA macht, durchläuft einen Crashkurs in Wirtschaft für Nicht-Wirtschaftler, eine kompakte Weiterbildung in Unternehmensführung und Management. Die Zulassungsvoraussetzungen sind ein Hochschulabschluss und in der Regel mindestens ein Jahr Berufserfahrung.
Der MBA ist ein weiterbildender Master. Insgesamt gibt es drei Mastertypen in Deutschland: den konsekutiven, den nicht-konsekutiven und den weiterbildenden. In drei von vier Fällen ist der Master konsekutiv ausgelegt, baut also zwingend auf einem bestimmten Bachelorstudiengang auf. Der nicht-konsekutive Master dagegen soll Studenten einen Fachwechsel ermöglichen und erlaubt es ähnlich wie der weiterbildende Master, dass Absolventen einer Fachrichtung sich in einem anderen Fach weiter qualifizieren. So wie beim MBA schon lange üblich. Im MBA-Studium lerne ich die wirtschaftlichen Grundlagen, die ich im Medizinstudium vermisst habe, sagt der Arzt Schmidt-Rimpler. Jeder achte Master ist als weiterbildend ausgeschrieben; mehr als die Hälfte dieser Angebote sind MBAs.
Die mehr als 270 MBA-Programme, die es in Deutschland gibt, sind aufgegliedert in Fern-, Vollzeit- und Teilzeit-Studiengänge. Angeboten wird der Master of Business Administration vor allem von Fachhochschulen und privaten Business-Schools. Die European MBA Guidelines definieren für alle Anbieter, wie der MBA ablaufen sollte, sagt Detlev Kran, Herausgeber des MBA Guide 2008 (siehe Interview).
Die europäischen Richtlinien für das Studium sind allerdings für die Anbieter rechtlich nicht bindend. Wichtig bei der Auswahl ist daher, dass der Anbieter mit seinem Studiengang akkreditiert ist. In Deutschland gibt es sechs Agenturen, die das Gütesiegel des deutschen Akkreditierungsrates vergeben. Wer in ein internationales Unternehmen einsteigen will, sollte auf international anerkannte Akkreditierungen schauen.
Die MBA-Studenten kommen aus allen Fachrichtungen: Sie sind Ingenieure genauso wie Natur- und Geisteswissenschaftler. Ulrich Winkler, Vize-Dekan der European Business School (EBS), sieht darin kein Problem: Ob Sie einem Biologen oder einem Ingenieur die Betriebswirtschaft erklären, das ist völlig egal. Die Studenten erwartet im Wirtschafts-Crashkurs ein straffes Programm. Die MBAs sind auf einen Zeitraum zwischen einem Jahr und 18 Monaten angelegt. In dieser Zeit werden alle wichtigen Bereiche der BWL abgedeckt.
Wer sich der Herausforderung erfolgreich gestellt hat, dem winken nach Angaben von Kienbaum Consulting Einstiegsgehälter zwischen 50.000 und 60.000 Euro. Und damit genau so viel wie einem Berufsanfänger mit Doktortitel. Ein normaler Masterabsolvent fängt mit rund 43.000 Euro an. Die Unternehmen wissen beim MBA einfach, was sie erwarten können, sagt Andreas von Studnitz, Personalmarktexperte und Leiter einer Management-Beratung. Die Absolventen bringen Fachwissen mit und haben dazu eine solide BWL-Ausbildung. Solche Leute werden gebraucht.
Leider sind beim MBA nicht nur die Einstiegsgehälter hoch, sondern auch die Kosten für das Studium. Je nach Institution kostet der MBA in Deutschland zwischen 6.000 und 50.000 Euro im Jahr. Jens Hohensee von Kienbaum Consulting rät, nicht so sehr auf den Preis zu schauen: Wer das Geld hat oder es per Stipendium auftreiben kann, der sollte in die Ausbildung einer renommierten Hochschule investieren. Die großen Unternehmen schauen sehr häufig auf den Namen des Instituts. Für Studenten, die erst während des Studiums oder nach dem Berufseinstieg anfangen, sich für Wirtschaft zu interessieren, gibt es zum teuren MBA keine wirkliche Alternative.
Auf dem Papier gibt es neben dem konsekutiven und dem weiterbildenden Master auch noch den nicht-konsekutiven Master. Er soll nach dem Bachelorabschluss einen Fachwechsel ermöglichen. Wie ein konsekutiver Master dauert der nicht-konsekutive Master zwei bis vier Semester und kostet an staatlichen Universitäten in Ländern mit Studiengebühren pro Semester rund 500 Euro. Doch der Weg dahin ist mehr als steinig.
Martin Kowakowski hat sich auf diesen Weg gemacht. Auf seinen Bachelor in Politik will er noch einen Master in International Economics and Business obendrauf setzen. Er brachte gute Noten mit und konnte im Auswahlgespräch überzeugen. Aber schon im ersten Semester musste der 24-Jährige feststellen, dass eine Menge an wirtschaftlichem Grundwissen vorausgesetzt wird. Von den zehn Studenten im Passauer Masterstudiengang ist Kowakowski der einzige, der nicht bereits Wirtschaft studiert hat. Er versucht, den Stoff nachzuholen, liest Bücher über Mikro- und Makroökonomie genauso wie über Außenwirtschaft. Allerdings, so seine ernüchternde Zwischenbilanz, weiß ich nicht, ob es reicht.
Schon die Studienplatzsuche für einen nicht-konsekutiven Master ist unübersichtlich und schwierig. Inzwischen ist zwar jeder achte Studiengang in Deutschland als nicht-konsekutiv ausgeschrieben, aber jede Universität definiert nicht-konsekutiv nach ihrem Geschmack. Was die Hochschulen nicht-konsekutiv nennen, ist in den meisten Fällen schlicht interdisziplinär. So trägt der Master in Wirtschaft und Recht der Universität Dresden das Label zum Beispiel nur deshalb, weil zwei Voraussetzungen akzeptiert werden: ein Abschluss in BWL oder einer in Jura. Und in den Zugangsvoraussetzungen vieler anderer Universitäten zu theoretisch nicht-konsekutiven Angeboten heißt es explizit Voraussetzung ist ein Hochschulabschluss in einem wirtschaftsnahen Studiengang oder Gefordert ist ein wirtschaftswissenschaftlicher Schwerpunkt.
De facto gibt es im Bereich Wirtschaft an den deutschen Universitäten nur konsekutive Studiengänge, konstatiert Marc Fischer, Leiter des Lehrstuhls Marketing und Services an der Passauer Uni. Das liege unter anderem daran, dass man hier noch sehr in seinem traditionellen Studiensystem verwurzelt sei. Früher gab es nur die Wahl zwischen Magister und Diplom, bis die Möglichkeiten der neuen Studiengänge komplett genutzt werden, braucht es Zeit.
In den USA ist das Modul-Denken entschieden verbreiteter als in Deutschland. Und das nicht nur an den Universitäten. Auch die amerikanische Wirtschaft, so Jens Hohensee von Kienbaum, hat eher diese Just-do-it-Mentalität. Es ist vor allem wichtig, dass man überhaupt studiert hat, also akademisch ausgebildet ist. Daher akzeptiert man dort auch Studienfachwechsler sowie Nicht-Ökonomen oder Nicht-Ingenieure. Die deutsche Wirtschaft müsse hier anpassungsfähiger und flexibler werden. Viele Unternehmen können noch nicht einordnen, was ein Student mit einem Bachelor in Ingenieurwissenschaften und einem draufgesetzten Master in BWL wirklich kann, bestätigt Personalexperte Andreas von Studnitz. Sein Fazit: Wer nicht von Anfang an Wirtschaft im Haupt- oder Nebenfach studiert habe, für den sei ein konsekutiver Master im eigenen Fach die bessere Lösung. Bei Bedarf und nach einiger Zeit im Beruf könne man dann den MBA nur empfehlen.
Carsten Schmidt-Rimpler jedenfalls sieht seiner Zukunft optimistisch entgegen. Eine Zukunft, in der er weiter im Gesundheitswesen arbeiten will, an einer Schnittstelle zwischen Medizin und Wirtschaft. Ob Martin Kowakowski den Weg von der Welt der Politik in die Welt der Wirtschaft schaffen wird, ist noch völlig offen. Das, sagt er, weiß ich erst nach den Klausuren.