06. Dezember 2004
Frauen sind auf den Chefsesseln großer Unternehmen noch immer eine Seltenheit. Das ist in Europa genauso wie in den USA. Und auch für MBA-Programme schreiben sich mehr männliche als weibliche Studenten ein. Einige MBA-Anbieter bemühen sich jetzt gezielt um weibliche Teilnehmer.
Im Schnitt liegt der Frauenanteil in MBA-Programmen unter 30 Prozent. Und selbst renommierte Business Schools können keine bessere Quote aufweisen. An der London Business School sind ein Viertel der Teilnehmer Frauen, am IMD in Lausanne sind es knapp 20 Prozent, ebenso am Insead in Frankreich.
Für den geringen Frauenanteil in der Managementausbildung gibt es viele Gründe. Einer davon ist die Einstellung der Frauen selbst. Das meint zumindest Barbara Schwarze, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie: "Frauen zögern oft, den nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu wagen. Während ein Mann selbstbewußt eine höhere Position anstrebt, fühlen sich viele Frauen nicht kompetent genug. Das gilt für Promotionen genauso wie für MBA-Programme. Ermutigungen durch Stipendien oder Mentoring-Programme sind daher sehr sinnvoll."
Die Forté Foundation, eine Vereinigung amerikanischer Business Schools und Unternehmen, versucht schon seit einigen Jahren, durch verschiedene Initiativen mehr Frauen für MBA-Programme zu gewinnen. Zum Beispiel über ein Stipendium der 20 Partnerschulen der Forté Foundation. Bisher sind nur amerikanische Schulen Mitglieder der Organisation. Einzige Ausnahme: die London Business School. Diese vergibt ein Stipendium, das mit 10.500 Pfund ungefähr ein Viertel der Programmgebühren deckt. Anke Michels hat dieses Stipendium erhalten.
Nach ihrem BWL-Studium hatte die 32jährige im Marketing der Verlagsgruppe Handelsblatt gearbeitet. Um ihre Kenntnisse im strategischen Bereich zu erweitern, entschied sie sich für die London Business School. Nachdem sie die Zulassung für die Schule erhalten hatte, bekam sie gleich noch eine gute Nachricht: Sie war für eines der beiden Frauen-Stipendien ausgewählt worden. "Alle Frauen, die zugelassen werden, kommen automatisch in die Auswahl. Nach dem beruflichen Werdegang und den akademischen Leistungen entscheidet dann eine Jury der London Business School, wer das Stipendium bekommt", so Anke Michels.
Barbara Kraus mußte für ihr Stipendium an der Stockholm School of Economics einen Essay über ihre Motivation schreiben. Und dann bekam sie die Förderung für High Potential Female Candidates, die die Programmgebühren von 30.000 Euro deckt. Auch an der Stockholm School of Economics liegt der Frauenanteil bei unter 25 Prozent. "Die Atmosphäre an der Schule ist aber sehr offen. Wir haben zum Beispiel einen hohen Anteil an weiblichen Professorinnen, was nicht unwichtig ist", meint die 28jährige Juristin. Überhaupt werde in Dänemark wie in allen skandinavischen Ländern die Förderung von Frauen großgeschrieben. Sie hätte das Programm aber auch ohne Stipendium absolviert.
Auch ein Stipendium am IMD, das von Nestlé gesponsert wird, geht jedes Jahr an eine Frau. Voraussetzung: gute Noten und Berufserfahrung. Mit 25.000 Franken deckt das Stipendium zumindest einen Teil der Kosten ab. "Das Durchschnittsalter unserer Teilnehmer beträgt 31 Jahre. Das ist genau die Zeit, in der Frauen über Familienplanung nachdenken. Das ist einer der Gründe, warum so wenig Frauen bei uns studieren", meint Cezanne Laurent vom IMD. Der schuleigene Kindergarten für Zwei- bis Fünfjährige kann da auch keine Ab-hilfe schaffen. Er schließt bereits um zwölf Uhr mittags, während die Kurse auch nachmittags stattfinden. Auch der "Couples and Familiy Club" der spanischen Business School IESE richtet sich eher an mitgereiste Frauen der MBA-Teilnehmer als an studierende Mütter. Er wendet sich explizit an die Partner der MBA-Teilnehmer und organisiert hauptsächlich deren Freizeitgestaltung.
"Das Durchschnittsalter unserer Teilnehmer beträgt 31 Jahre. Das ist genau die Zeit, in der Frauen über Familienplanung nachdenken. Das ist einer der Gründe, warum so wenig Frauen bei uns studieren."
Eines der vier Stipendien, die die Alumni Organisation von IESE jährlich vergibt, muß eine Frau erhalten. Dafür schließt die Alumni Organisation der Schule einen "Women in Business Club" mit ein, in dem ehemalige Studentinnen den Neuankömmlingen zur Verfügung stehen. Und eines der vier Stipendien, die die Alumni Organisation von IESE jährlich vergibt, muß eine Frau erhalten. Immerhin 56.700 Euro Programmgebühren bleiben der Teilnehmerin so erspart.
Auch an der London Business School unterstützt der "Women in Business Club" die Studentinnen während des Programms. "Wir wurden zum Bei- spiel von Vertretern der großen Banken in London zum Essen eingeladen, um erste Kontakte zu knüpfen", berichtet Anke Michels.
Besonders niedrig sind die Zahlen der Studentinnen im Bereich Executive. Wie beispielsweise an der Wirtschaftsuniversität Wien. Nur zehn Prozent der Teilnehmer am Executive-MBA-Programm sind weiblich. Daher vergibt die WU Wien einmal im Jahr ein Stipendium in Höhe der Programmgebühren an eine Frau, die mindestens fünf Jahre Berufserfahrung hat, den GMAT- und TOEFL-Test besteht und im persönlichen Interview überzeugt. In Deutschland sind die Bemühungen um weibliche Studenten noch sehr zarte Pflänzchen. Eine erste Initiative hat die Handelshochschule Leipzig ergriffen, an der durchschnittlich 25 bis 30 Prozent weibliche MBA-Studenten im Vorlesungssaal sitzen. Regelmäßig halten dort Dozentinnen Workshops und Seminare nur für die Frauen des MBA-Programms ab.
Die Universität Mannheim plant, sich mehr den weiblichen Teilnehmern zu widmen. Derzeit sind um die 40 Prozent Frauen im Vollzeitprogramm eingeschrieben. In den Executive-Programmen sind es deutlich weniger. "Knapp acht Prozent Frauen haben wir aktuell im Executive-Bereich. Da wir im Herbst erstmalig mit unserem Executive-MBA starten, sind wir bisher nur punktuell bei spezifischen Veranstaltungen für Frauen aktiv gewesen, wie beispielsweise auf der Hannover Messe. Solche Initiativen werden wir in Zukunft verstärken", so Anja Hartert vom Executive-MBA der Universität Mannheim.
INFORMATIONEN ÜBER FRAUEN IM MANAGEMENT:
> Forté Foundation http://www.fortefoundation.org
> Kompetenzzentrum Frauen in Informationsgesellschaft und Technologie http://www.kompetenzz.de
> Business and Professional Women in Germany http://www.bpw-germany.de
BUSINESS SCHOOLS MIT INITIATIVEN ZUR FRAUENFÖRDERUNG:
> London Business School http://www.london.edu
> Insead http://www.insead.edu
> Stockholm School of Economics http://www.hhs.se
> Wirtschaftsuniversität Wien http://www.emba.at
> International Institute for Management Development (IMD) http://www.imd.ch/mba
> IESE Business School http://www.iese.edu
> Tuck School of Business at Dartmouth http://mba.tuck.dartmouth.edu/pages/clubs/wib
> Universität Mannheim http://www.europeanmba.de
> Handelshochschule Leipzig (HHL) http://www.hhl.de