07. September 2008

Leute

Wer braucht ein Buch?

Von Alexandra Knittel




10. Dezember 2007 
Auf Maik Drozdzynskis Internetplattform können Studenten gebrauchte Lehrbücher anbieten und kaufen.

Besonders gut läuft zurzeit „Das gelbe Rechenbuch“, ein Standardwerk für angehende Ingenieure, Naturwissenschaftler und Mathematiker. Gleich mehrfach werden die Bände eins bis drei auf der Website www.meinstudibuch.de angeboten. Maik Drozdzynski, Betreiber der Seite, kann über den Grund nur spekulieren: „Vielleicht haben viele Studenten dieser Studiengänge die Nase voll vom Rechnen.“ Dem Informatik- und Wirtschaftswissenschaftsstudenten ging es im vergangenen Jahr ähnlich mit dem Bereich Wirtschaftsprivatrecht. Nach bestandener Klausur wollte er mit dem Thema nichts mehr zu tun haben und sein Lehrbuch verkaufen. Der Dortmunder dachte an Ebay.

„Aber das ist für Vorlesungsliteratur ein viel zu undifferenzierter Markt - und kostet auch noch was.“ So kam der 26-Jährige auf die Idee, eine Plattform im Internet zu schaffen, auf der Studenten kostenfrei gebrauchte Fachbücher verkaufen, verschenken, tauschen und erwerben können. Zusammen mit seinem Kommilitonen Miguel Liebe setzte er seinen Plan in die Tat um. Ende Mai stellten sie ihre Seite ins Netz. Innerhalb von vier Monaten registrierten sich knapp 500 Studenten aus ganz Deutschland, die nicht nur Angebote einstellen, sondern auch Gesuche aufgeben können. Darüber hinaus haben einige Hochschulinstitute bereits ihre Literaturverzeichnisse auf der Plattform hinterlegt. Graue oder pinkfarbene Fähnchen hinter den Titeln zeigen, ob die Bücher auf der Seite angeboten werden. „30 bis 60 Prozent günstiger als im Buchhandel“, erklärt Maik.

„Unser Ziel ist es, möglichst viele Lehrpläne und die dazugehörigen Literaturlisten zu veröffentlichen. Dazu sind wir auf die Hilfe von Studenten angewiesen, die uns diese Infos schicken.“ Als Gegenleistung gibt es sogenannte Studipoints, die in T-Shirts oder USB-Sticks eingelöst werden können. Maik und Miguel finanzieren ihren Internetauftritt selber. „Wir freuen uns natürlich über Unterstützung“, sagt Maik. Aber Werbebanner möchte er nicht auf die Seite packen. Und wenn „Meinstudibuch“ so erfolgreich wird wie etwa das Netzwerks Studi VZ? „Für 20.000 Euro würde ich meine Idee nicht verkaufen“, meint der Diplomand, der nach seinem Studium in die Unternehmensberatung einsteigen möchte. „Aber wenn jemand 50 Millionen auf den Tisch legt - wer würde da schon nein sagen.“

http://www.meinstudibuch.de

Text: Hochschulanzeiger Nr. 93, 2007
Bildmaterial: privat