19. Dezember 2009

leute

Frisurenprogrammierer

Von Alexandra Knittel




29. Oktober 2007 
Oliver Demetz entwickelt Software zur individuellen Frisurenberatung.

Der Haarschnitt zu kurz, die Strähnchen zu hell und der Pony passt überhaupt nicht zum eigenen Gesicht. Wer schon mal unzufrieden mit seiner neuen Frisur war, wird den Einsatz von Oliver Demetz zu schätzen wissen. Der 24-Jährige ist kein Starfigaro, sondern Informatikstudent am Saarbrücker Lehrstuhl für mathematische Bildverarbeitung. Mit seiner Bachelor-arbeit zeigt er, dass Informatiker auch im Beauty- und Wellness-Bereich eine wichtige Rolle spielen können. Zum Abschluss seines Studiums entwickelte Oliver eine vollautomatische Beratungssoftware für Frisuren. Damit können Friseure ihren Kunden am Bildschirm zeigen, wie mehr als 300 Haarschnitte bei ihnen aussehen.

Ein ungewöhnliches Beschäftigungsgebiet für Informatiker - „aber für mich naheliegend“, erklärt der Saarländer. „Die Firma meines Vaters entwickelt seit etwa 20 Jahren Systeme zur Frisurenberatung.“ Bislang fehlte der Software die Möglichkeit, Gesichter automatisch zu erkennen. Die Friseure mussten auf dem digitalen Kundenfoto selbst verschiedene Punkte wie Augen, Ohren, Kinn und Stirn markieren. „Wenn das nicht perfekt gelang, sah die Frisur oft wie eine schlecht sitzende Perücke oder Mütze aus“, berichtet Oliver aus eigener Erfahrung. Denn seine Mutter greift als Friseurin bereits viele Jahre auf den Computer bei der Kundenberatung zurück. Zusammen mit seinem Professor Joachim Weickert entwickelte er ein mathematisches Verfahren, das jedes Kundengesicht mit immer demselben Modellgesicht vergleicht. Oliver integrierte diese Technik in die bestehende Beratungssoftware, die nun alle eingespeisten Frisuren mit einem Klick an jedes Gesicht optimal anpassen.

„Das Ergebnis ist ein sehr realistisches Bild des Kunden mit seiner möglichen Wunschfrisur“, sagt Oliver, der sich um seinen eigenen Haarschnitt weniger Gedanken macht. „Ich bin da nicht besonders wählerisch.“ Aber seine Freundin, die das neue Programm bereits getestet hat, ist begeistert - wie auch seine Mutter und deren Kunden. Nach dem Bachelorabschluss möchte Oliver seine Kenntnisse nun im neuen Masterstudiengang Visual Computing an der Universität des Saarlandes erweitern. Vielleicht wird er auch an seinem Programm weiter arbeiten. Schließlich wären Computersimulationen auch für Kosmetik und Mode denkbar.

http://www.mia.uni-saarland.de http://www.master-visual-computing.de

Text: Hochschulanzeiger Nr. 92, 2007
Bildmaterial: privat