07. September 2008

Leute

Was ist AIDS?

Von Alexandra Knittel




10. Dezember 2007 
Mit Aufklärungsunterricht kämpft Janosch Dahmen gegen die dramatische Ausbreitung von HIV in der Ukraine.

Große Augen und fragende Gesichter. Wenn Janosch Dahmen vor ukrainischen Jugendlichen über Sex, Aids und Prävention spricht, hat er ein sehr aufmerksames und neugieriges Publikum. „Das Wissen über das HI-Virus ist in diesem Land erschreckend gering“, sagt der 26-jährige Medizinstudent. Dabei ist die Zahl HIV-Infizierter in der Ukraine in den vergangenen Jahren dramatisch angestiegen. Nach dem südlichen Afrika und der Karibik stecken sich hier die meisten Menschen pro Jahr an. Bereits eine halbe Million Ukrainer sind HIV positiv, in Deutschland sind es etwa 49.000. Zusammen mit anderen Studenten der Universität Witten/ Herdecke gründete Janosch Dahmen 2004 die Initiative „Students Health Dialogue“ (SHD), deren Ziel es ist, über die Gefahren von Aids aufzuklären. „Ukrainische Jugendliche haben da besonderen Bedarf“, erklärt Janosch.

Bis vor wenigen Jahren wurde das Thema HIV in der Ukraine totgeschwiegen - wie auch in vielen anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. „Den Jugendlichen fehlen Ansprechpartner und Informationsmaterial“, berichtet der angehende Mediziner. Mehrmals im Jahr reisen er und seine Kommilitonen in die Ukraine, um Workshops in Schulen und Ferienlagern zu leiten. Mit interaktiven Spielen, in denen auch der Einsatz von Kondomen an Penisattrappen geübt wird, erklären sie den Jugendlichen, was HIV ist, wie der Virus übertragen wird und wie man sich schützen kann. „Die meisten reagieren erst einmal schüchtern, schließlich hatten sie nie Aufklärungsunterricht“, erzählt Janosch. „Aber nach unserem Programm bricht jedes Mal eine riesige Fragewelle los.“ Oft gibt es auch den Wunsch nach Einzelgesprächen. Die Studenten hinterlassen immer ihre Adressdaten und werden oft auch noch Monate später kontaktiert. Janosch erfüllt es mit Stolz, wenn er einem Einzelnen helfen konnte. „Auch wenn es manchmal nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein ist.“ Im Sommer erhielt er als Vorsitzender des SHD den mit 2.500 Euro dotierten Jörg-Hogen-Students-Award, mit dem studentisches Engagement gewürdigt wird. „Ein Schulterklopfen auf dem Weg der vielen Mühen“, sagt Janosch, der diesen Weg auch in Zukunft mit jeder Menge Herzblut weitergehen möchte.

http://www.students-health-dialogue.de

Text: Hochschulanzeiger Nr. 93, 2007
Bildmaterial: privat