15. Dezember 2009
Wer in Hollywood studiert, sollte unbedingt einen Abstecher nach Universal City machen. Hier befinden sich die Produktionsstudios des Filmunternehmens Universal Studios, die inmitten eines riesigen Vergnügungsparks liegen.

Unter der Sonne Kaliforniens

Studieren in Los Angeles

Von Anna Gielas



14. Mai 2009 An keiner öffentlichen US-Uni gehen jährlich so viele Bewerbungen ein wie an der University of California, Los Angeles (UCLA), die zu den renommiertesten Universitäten der USA zählt. Unter den Bewerbern befinden sich jedes Jahr auch viele deutsche Studenten. Deren Aussichten auf einen Studienplatz sind jedoch um einiges aussichtsreicher als die ihrer amerikanischen Kommilitonen - schließlich bleiben sie hier in der Regel nur für ein oder zwei Auslandssemester.

Braun und behaart mit blauen Kulleraugen und einem Lächeln - so mögen UCLA-Studenten ihr Maskottchen. Der Bär soll den Sportmannschaften der Uni Glück und Trophäen bringen. Bislang wird das Maskottchen seiner Aufgabe gerecht. Keine andere US-amerikanische Hochschule hat so viele Wettkämpfe der National Collegiate Athletic Association (NCAA) gewonnen wie die UCLA. Aber Hochleistungen werden an dieser Uni nicht nur in den Disziplinen Basketball, Fußball (soccer) und Golf erzielt. Schließlich gilt die UCLA in nationalen und internationalen Rankings als festes Mitglied der ersten 30 Ränge. Und welche andere Uni kann außerdem von sich behaupten, im Herzen des Showbusiness zu liegen? Die Gebäude der UCLA befinden sich zwischen den Stränden des Pazifiks im Westen und den Hollywood Hills im Osten. Die Lage beschert der Hochschule legendäre Alumni - Francis Ford Coppola und James Dean haben hier beispielsweise die Bücher gewälzt.

Der Lesesaal der Powell Library: Die prächtige Bibliothek wurde erst kürzlich renoviert und sieht jetzt wieder so aus wie vor 80 Jahren, als sie gegründet wurde.

Aber es gibt weitaus bessere Gründe, sich an der UCLA zu immatrikulieren als Hollywoods Glamour: Für Tom Mahler war es die riesige Auswahl an Seminaren und Vorlesungen, die fast jedes erdenkliche Interesse abdeckt. Der gebürtige Deutsche studiert Kinematographie an der UCLA, nur eines von rund 200 Studienfächern, die an der Universität angeboten werden. Sie sind generell in fünf Sachfelder unterteilt: Humanities (Geisteswissenschaften), Social Sciences (Sozialwissenschaften), Life Sciences (u. a. Biologie und Psychologie) sowie Physical Sciences (u. a. Physik und Astronomie). Die UCLA besteht aus dem College of Letters and Science sowie aus elf sogenannten Graduate and Professional Schools. Zu den beliebtesten Instituten gehören die Henry Samueli School of Engineering and Applied Science sowie die School of Theater, Film, and Television. Letztere gilt als die beste landesweit. Sie verfügt über ein größeres Archiv zu Film und Fernsehen als jede andere akademische Einrichtung in den USA.

Dank des renommierten Lehrprogramms und weil sie eine öffentliche Universität ist, zählt die 1919 gegründete UCLA zu den sogenannten Public Ivys. Ivy League ist eine Liga im US-amerikanischen Hochschulsport. Sie besteht aus den ältesten Hochschulen der Vereinigten Staaten. Der Ausdruck wird jedoch häufiger außerhalb des Hochschulsports verwendet und bezeichnet die Gruppe von acht Elite-Universitäten im Nordosten der USA.

Alles im grünen Bereich: Die Universität besitzt insgesamt drei sehenswerte Gärten. Der größte von ihnen ist ein zwei Hektar großer Skulpturengarten, daneben gibt es noch den Botanischen und den Japanischen Garten.

Kein Wunder also, dass es sich die UCLA leisten kann, wählerisch mit ihren Bewerbern umzugehen. Zum Herbst 2008 sind bei der Hochschule rund 55.500 Bewerbungen für ein Bachelorstudium eingegangen - nicht mehr als 12.500, also 22 Prozent, wurden akzeptiert. Das ist jedoch kein Grund, frühzeitig die Hoffnung aufzugeben. Studierende, die lediglich für ein Auslandsjahr an die UCLA kommen wollen, haben bessere Karten: Weil Gaststudenten keinen Abschluss an der Universität erwerben wollen, der sie zum Ausüben eines Berufs befähigt, stehen sie mit diesem Wunsch einer weitaus geringeren Konkurrenz gegenüber.

Insgesamt studieren derzeit rund 25.000 Undergraduate-Studenten und 11.000 Masterstudenten an der UCLA. Auf jeden Dozenten kommen durchschnittlich maximal neun Studenten. „Unter den Dozenten befinden sich übrigens einige Koryphäen“, erklärt Tom. „Derzeit halten beispielsweise zwei Nobelpreisträger Veranstaltungen an der UCLA.“ Insgesamt sechs Professoren, die bisher an der Hochschule tätig waren, haben die Auszeichnung erhalten. Darüber hinaus gingen vier der renommierten Preise an Absolventen der Universität. Die meisten der Nobelpreisträger wurden für ihre naturwissenschaftliche Forschung geehrt.

Doch auch Geisteswissenschaftler wurden schon von einigen Berühmtheiten unterrichtet - Größen wie Bertrand Russell waren bereits an der UCLA als Dozent tätig, und auch heute warten die einzelnen Institute mit renommierten Lehrenden auf. Was die Uni für Geisteswissenschaftler so attraktiv macht, sind nicht zuletzt ihre Bibliotheksbestände. Wer beispielsweise das Gebiet der englischen Literatur und Geschichte zwischen 1640 und 1800 zu seinem Steckenpferd macht, sollte die zahlreichen Möglichkeiten in Betracht ziehen, die ihm die Quellen der William Andrews Clark Memorial Library für eine Recherche bieten könnten.

Gerade in einer Stadt wie Los Angeles, wo einem die Welt des Showbusiness auf Schritt und Tritt begegnet, kann Studieren leicht zur Nebensache werden. Irgendwo in Hollywood ist jeden Abend eine Premiere, wo man Stars und Sternchen aus der Nähe erleben kann. Sogar auf dem Campus, wie Tom erzählt: „James Franco, der Schauspieler aus Spiderman, hat 2008 hier sein Studium abgeschlossen. Das war schon merkwürdig, ihn am Abend zuvor auf der Leinwand und am nächsten Morgen auf dem Campus zu sehen.“

Wer sich jedoch nur deshalb für ein Studium an der UCLA entscheidet, weil er seinen Lieblingen aus der Traumfabrik näher kommen will, sollte sich das noch einmal gut überlegen. Die Studiengebühren für ein akademisches Jahr reichen schließlich von 5.000 bis 20.000 Dollar. „Trotzdem habe ich hier schon einige Kommilitonen aus dem Ausland erlebt, die an die UCLA wegen der Stadt und nicht wegen des Studiums gekommen sind“, berichtet Tom. Viele von ihnen seien gleich zweifach enttäuscht worden: Zum einen verlaufe die akademische Laufbahn dieser UCLA-Studenten oft alles andere als erfolgreich. Zum anderen mussten sie feststellen: Auch in L.A. gibt es einen Alltag, Langeweile und keinesfalls pausenlos Aufregung. „Für mich ist die entspannte Atmo- sphäre auf dem Campus sehr wichtig, sie war einer der Gründe für meine Bewerbung. Man hat hier ein wenig das Gefühl, in einem wohlbehüteten Kokon zu studieren“ erklärt Tom. Das mag nicht zuletzt an der Lage liegen: Im Süden grenzt die UCLA an den pittoresken und recht exklusiven Stadtteil Westwood Village, im Norden werden ihre Gebäude von den Santa Monica Mountains und ihren Naturschutzgebieten eingeschlossen. Außerdem wirken viele UCLA- Institute dank ihrer Architektur wie verträumte Hotels auf einer Südseeinsel. „Und dazu kommt dann noch dieses phantastische Wetter“, schwärmt Tom.

Vom beständigen Sonnenschein profitieren auch all die Studenten, die am UCLA Undie Run teilnehmen. Der Lauf findet jedes Semester in der Examenswoche statt, wobei sein Name Programm ist: UCLA-Studenten laufen in ihrer Unterwäsche, wahlweise auch in verrückten Kostümen, über den Campus, um anschließend wilde Partys zu feiern. Seit 2001 gehört der Undie Run zu den populärsten Events an der Uni. Auf eine schon längere Tradition kann hingegen das jährliche Spring-Sing-Event zurückblicken. Bei diesem Ereignis werden seit 1945 ausgewählte Stars der Musikbranche mit dem „George and Ira Gershwin Lifetime Achievement Award“ ausgezeichnet. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderen Frank Sinatra, Ella Fitzgerald und Lionel Richie. „Wenn dann die Limousinen am Campus vorfahren, wird man schnell daran erinnert, in welcher Stadt man studiert“, sagt Tom lachend. Die Studierenden wissen aber auch über die Kehrseite der Stadt Bescheid: „In einigen Stadtteilen von Los Angeles herrscht bittere Armut“, betont Tom. UCLA-Studenten ist das nicht egal. Seit über 60 Jahren setzen sie sich bereits in der Wohltätigkeitsorganisation „UniCamp“ für Kinder aus bedürftigen Familien ein: Jedes Jahr ermöglicht die Vereinigung rund 1.000 Heranwachsenden, an einem Sommercamp mit rund 350 UCLA-Studenten teilzunehmen. Dort können die Teenager nicht nur vom Alltag in der Großstadt verschnaufen, sondern neue Hobbys entdecken und durch den Dialog mit den Studenten Zukunftsperspektiven und Wünsche entwickeln.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 102, 2009, Seite 78
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa, UCLA
 
 
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