12. Mai 2008
Das erwartet mittlerweile jeder Arbeitgeber von seinem Fach- und Führungsnachwuchs. Doch viele Studenten beherrschen allenfalls Schulenglisch, das in der Regel weit entfernt vom Business-Standard ist. Was also tun? In dieser und der nächsten Ausgabe stellen wir Möglichkeiten vor, wie Sie Ihr Englisch aufpolieren können, und beginnen mit Selbstlernkursen. In der Juniausgabe dreht sich dann alles um Sprachschulen und Sprachreisen.
Es war, ehrlich gesagt, eine der größten Herausforderungen überhaupt, sagt BWL-Absolventin Laura Schmitz. Damit meint die 25-Jährige nicht ihr Studium, sondern das Lernen der englischen Sprache. Die Stuttgarterin hat aus ihrem Schulenglisch binnen vier Semestern ein verhandlungssicheres Business-Englisch gemacht - autodidaktisch. Laura hat keinen Sprachkurs besucht, war nicht im Ausland. Stattdessen hat sie zwei Jahre lang konsequent CD-Audiokurse, Lernsoftwares und E-Learning-Kurse durchgehalten. Vor kurzem bekam sie das Ergebnis ihrer Mühen schwarz auf weiß: Sie hat das Business English Certificate (BEC) erhalten. Englisch ist auf dem heutigen Arbeitsmarkt ein Muss, ein Sprachzertifikat ist daher ein Pluspunkt für jede Bewerbung, sagt die heutige Controllerin bei Ernst & Young. Die Statistik gibt ihr recht: 80 Prozent der Arbeitgeber erwarten von Absolventen entsprechende Englischkenntnisse. Wer die Sprache nicht in Wort und Schrift beherrscht, braucht sich bei vielen Marktführern gar nicht erst zu bewerben.
Für Laura war das Englischlernen nie lästige Pflicht, weil sie sich nicht an Termine, Prüfungen oder Gruppentreffen halten musste. Stattdessen konnte sie das Lerntempo selbst bestimmen und an ihre individuellen Stärken und Schwächen anpassen. Außerdem war die Auswahl der Themenschwerpunkte Laura selbst überlassen, auf diese Weise kam keine Langeweile auf. Ein weiterer Vorteil des autodidaktischen Lernens war die räumliche Unabhängigkeit. Laura konnte ihre Übungen fast überall erledigen. Sogar auf der Arbeit habe ich in ruhigen Phasen meine Englischbücher gewälzt, erklärt sie zufrieden.
Sprachziele und Lernmethoden
Wer sich für das autodidaktische Lernen entscheidet, sollte eigenmotiviert und selbstdiszipliniert arbeiten können, ansonsten entsteht Lernfrust und Erwartungen werden enttäuscht. Um frustrierende Erfahrungen erst gar nicht aufkommen zu lassen, steht am Anfang jedes autodidaktischen Lernens die Frage nach dem eigenen Sprachziel und der dazu passenden Lernmethode.
Eine der Grundfragen für Autodidakten in spe sollte daher lauten: In welchem Job werden die Englischkenntnisse eingesetzt, und welche bestimmten Fähigkeiten (zum Beispiel: Zuhören, Verhandeln, Präsentieren) werden dabei die übergeordnete Rolle spielen? Viele Sprachkursanbieter unterteilen ihr Angebot thematisch. Auf diese Weise können sie gezielt auf fachbedingte Anforderungen des Sprachschülers eingehen. Business- Englisch ist die bekannteste thematische Kategorie. Weitere Einteilungen sind Language in Meetings, Intercultural Communication und Language of Presentations. Die kleinen, feinen Unterschiede: Während das Meeting-Englisch eher das Hörverständnis sowie ein generelles Diskussionsenglisch in den Mittelpunkt stellt, wird Englisch bei der Intercultural Communication zum Begegnungsfeld unterschiedlicher Kulturen. Daher erfordert Intercultural Communication nicht nur ein sitzendes Vokabular und richtige Grammatik, sondern einen bewussten Umgang mit den feinen Bedeutungsnuancen der Sprache. Language of Presentations dagegen ist eher monolog- als dialogorientiert. Im Gegensatz zu Intercultural Communication wird Englisch hier als ein Medium für die Weitergabe leicht einprägsamer Informationen benutzt. Zusätzlich zu diesen Kategorien gibt es weitere thematische Einteilungen. Sie werden von den jeweiligen Sprachanbietern individuell entworfen.
Lerntempo
Nicht unerheblich bei der Wahl des geeigneten Lernmediums ist die Zeitfrage: Wie schnell sollen welche Fortschritte gemacht werden? Wie viel Zeit steht für das Lernen neben dem Studium oder der Arbeit generell zur Verfügung? Im günstigsten Fall fällt der Entschluss zum Englischlernen nicht unter Zeitdruck. Manchmal jedoch muss es ruck, zuck gehen. Dafür haben Anbieter spezielle Crash-Kurse entwickelt. Langenscheidt bietet beispielsweise Englisch für unterwegs an. Die versprochenen Erfolge können laut Sprachwissenschaftler Hermann Heyd durchaus erreicht werden. Die Kursmacher gehen nämlich vom hohen Einsatz des Sprachschülers aus, und wo genügend Ambitionen sind, da ist der Spracherfolg nicht weit. Gleichzeitig warnt Heyd vor zu viel Express-Learning. Das führe in den meisten Fällen zu Kurzzeiterfolgen, von profunden Sprachkenntnissen könne aber nicht die Rede sein.
Zusammen mit Langzeitkursen sorgen Crash-Kurse jedoch für eine gute Abwechslung, meint Laura, und sind daher nicht nur in linguistischen Notfällen hilfreich: Langzeitkurse vermitteln Sprachkenntnisse intensiver und gründlicher, aber manchmal können sie zermürbend sein, weil man Erfolge nicht so rasch wahrnimmt wie bei Kompaktkursen. Sie empfiehlt daher eine Kombination aus beiden Kursarten. Letztlich hängt es jedoch vom individuellen Ziel sowie der eigenen Vorliebe ab, welcher Lehrgang ratsam ist.
Bei langfristigen Kursen rät Experte Heyd, möglichst zwei- bis dreimal in der Woche rund 60 oder 90 Minuten in die Kurslektionen zu investieren. Ergänzend hierzu befürwortet er ein regelmäßiges Wiederholen der Vokabeln (beispielsweise im Bus), die Lektüre englischer Zeitschriften sowie das Schauen von DVDs in Originalsprache.
Kosten
Wichtig ist auch die Frage, wie viel Geld man mindestens und höchstens in den Englischkurs investieren möchte. Qualitative Lernsoftware kostet zwischen 40 und 70 Euro, wobei einige Kurse bereits für 20, andere wiederum für 200 Euro erhältlich sind. Der Sieger der Stiftung-Warentest-Studie kostet 50 Euro (Auralog: Tell me More). Die Preise der CD-Audiosprachkurse sind nach oben hin ebenfalls bis etwa 200 Euro offen, aber sie setzen niedriger an, sie können bereits für 15 Euro erworben werden. Am stärksten im Preis variieren Englischkurse per E-Learning. E-Englischlektionen werden sowohl kostenlos als auch - von Experten zusammengestellt - für vierstellige Summen angeboten. Am teuersten schneiden Fernlehrgänge ab, mit Kosten bis zu 2.000 Euro. Diese Kurse dauern jedoch etwa anderthalb Jahre und verfügen über einen rund zweijährigen Betreuungsservice, falls der Schüler aus dem geplanten Zeitrahmen hinausfällt.
Qualitätsunterschiede
Bleibt noch zu klären, woran man eigentlich ein gutes Selbstlernmedium erkennt. Zunächst: Für das Finden des passenden, aber auch qualitativen Kurses gibt es kein Patentrezept. Dafür unterliegen zu viele Aspekte dem individuellen Geschmack: Angefangen bei Grafiken der PC-Programme bis hin zur Stimme des CD-Kurssprechers. Aber es gibt einige Kriterien, die die guten von den schlechten Angeboten unterscheiden helfen: Vorsicht beispielsweise vor Anbietern, die mit Nonplus-ultra-Versprechen locken. Wenn es in der Werbung etwa heißt Lernen wie von selbst, ganz ohne Grammatik und Vokabelnlernen, sollte die Beschreibung der Kursdidaktik gelesen werden.
Denn um das Lernen von Vokabeln sowie der Grammatik kommen wir nicht herum, sagt Hermann Heyd. Dieser Tipp gilt übrigens für alle Sprachkurse: sorgfältig lesen, wie die Lerninhalte vermittelt werden. Denn nichts erschwert das Lernen mehr als eine staubtrockene Didaktik. Wichtig ist zum Beispiel, dass die Kurse interaktiv gestaltet sind: Grafiken, Videosequenzen, Texte und Übungen sollen abwechslungsreiches Lernen ermöglichen. Außerdem stellen einige Anbieter Demoversionen ihrer Softwares ins Internet, zum Beispiel Langenscheidt und Pons. Demoversionen sind die perfekte Gelegenheit, ohne großes finanzielles Risiko einen individuell passenden Kurs zu finden, weil man die Inhalte und Handhabung erst einmal an sich selbst testen kann.
Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Qualität des Selbstlernmediums ist der Kundenservice: Im Fall, dass Probleme und Fragen auftauchen, sollte ein (telefonischer) Kundendienst Rede und Antwort stehen.
Gütesiegel können ein zusätzliches Indiz für ein gutes Lernmedium sein. Die Comenius- und Impuls-Gütesiegel gelten als zuverlässige Indikatoren für Qualität. Darüber hinaus sind auch Lernmedien empfehlenswert, die mit der Softwarepreis-Giga-Maus oder der digita (Deutscher Bildungsmedien-Preis) ausgezeichnet wurden. Die Gütesiegel evaluieren vor allem die Benutzungsfreundlichkeit der Softwares sowie die Kursdidaktik.
Benutzerfreundlichkeit
Bei der Benutzerfreundlichkeit von CD-Audio-Kursen geht es hauptsächlich um das einwandfreie Verstehen der Sprecher. Englische Dialekte dürfen sein, Nuscheln oder Verschlucken halber Sätze ist ein No-go. Außerdem sollte auf die Schnelligkeit des Sprechens geachtet werden sowie die Abstände zwischen den Sätzen. Wichtig ist auch eine ausreichende, jedoch nicht zu lange Zeitspanne, die dem Benutzer zur Verfügung gestellt wird, wenn er Fragen beantworten muss.
Einwandfreie Vertonung ist beispielsweise auch bei englischen Büchern Pflicht. Sie werden von Sprachanbietern wie Langenscheidt als MP3-Dateien angeboten ( http://www.langenscheidt.de/katalog/hoerbuecher_1619.html ). Sie sind benutzerfreundlich, weil die komprimierten Daten wenig Speicher benötigen und auf gängige Endgeräte (MP3-Player) kopiert werden können - damit ist Englischlernen überall möglich. Computerzeitschriften wie die PC Praxis oder Webseiten ( http://www.pcwelt.de ) bieten weitere Informationen zu Lernsoftwares.
Kostenlose Angebote
Im Internet gibt es zahlreiche Sprachlernangebote, die kostenlos und frei zugänglich sind. Zwar können diese Optionen Lernkurse nicht ersetzen, aber sie können sie sinnvoll ergänzen. Empfehlenswert sind beispielsweise Podcasts auf Englisch. Ob Politics, Culture, Comedy oder Spirituality - das Angebot ist vielfältig, jeder findet das Passende für sich. Auch Sprachkurse, Vokabel-Lernhilfen und Vorbereitungen auf Sprachprüfungen werden per Podcast angeboten. Podcast-Sprachkurse sind jedoch kein Ersatz für Lernsoftwares oder Audio-CDs, weil man ihre Qualität vorab nicht einschätzen kann. Manchmal lässt sich nicht einmal ermitteln, wer die Podcasts zusammengestellt hat. Aber zumindest bieten sie Abwechslung beim Englischlernen, einige locken sogar mit Humor: Grammar Girl's Quick and Dirty Tipps (Podcast) machen das Lernen amüsant. Und wer regelmäßig lauscht, kann sein Englisch-Hörverständnis aufpolieren.
Eine weitere Alternative ist das Schreiben von Briefen und E-Mails. Für Autodidakten bietet es sich an, mit alten Urlaubsbekannten oder Freunden aus anderen Ländern in regelmäßigen Kontakt zu treten. Ein langfristiger Austausch auf Englisch trainiert den Wortschatz sowie die Grammatik, ohne eine lästige Pflichtübung zu sein. Darüber hinaus gibt es allerhand ergänzende Angebote im Internet, zum Beispiel die Vokabelmail ( http://www.vokabelmail.de ). Einmal angemeldet, bekommt man jeden Tag eine E-Mail mit einer englischen Vokabel, ihrer Lautschrift und einem Beispielsatz. Je nach Angaben zu Vorkenntnissen und Interessenschwerpunkten flattern amüsante Vokabeln in den virtuellen Posteingang.
Informationen im Internet:
http://www.goethe.de/Z/50/commeuro/303.htm
Informationen zum Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) Der GER vereinheitlicht die Einstufung von Sprachkenntnissen und wird von den Sprachanbietern auf jedem Selbstlernmedium angegeben.
http://www.bs-atlas.de
http://www.gpi-online.de
Überblick über Bildungssoftware
http://www.eldoc.info/index.php?step =list_anbieter
Ein Überblick über E-Englischkurs-Anbieter
http://www.fernschulportal.de/fernschulkurse-und-anbieter/ anbieter-fernschulen
Übersicht über die Fernschulkurse
Lern-Podcasts:
http://www.spotlight-online.de
Anfänger bis Fortgeschrittene, Business-Englisch
http://www.eslpod.com/website
English as a Second Language Podcast
Breitgefächerte Podcast-Auswahl:
http://www.podcast.net http://www.podcastalley.com
Video-Podcasts:
http://www.videopodcasts.tv http://video.on.nytimes.com
Weitere Tipps im Internet:
http://www.bibliomania.com http://www.bbc.co.uk/raw
Studie der Stiftung Warentest
Die Verbraucherschutzorganisation hat Ende letzten Jahres einen Sonderbeitrag zum Thema Sprachen lernen herausgegeben. Er liefert wertvolle Hinweise zu Lernmedien und bietet einen guten Überblick über das Angebot. Die Studie kostet 7,50 Euro und ist zu beziehen bei Stiftung Warentest Leserservice, Tel. (0 90 01) 58 37 81 oder unter: http://www.test.de/shop/buecher-spezialhefte/bildung-soziales/ts0037000
Eine Auswahl an Lernsoftware
> Die Lernsoftware Tell me more von Auralog (abhängig von den enthaltenen Lerneinheiten zwischen 50 und 150 Euro) enthält originalsprachliche Filmausschnitte, die einfallsreich in die einzelnen Lektionen eingebunden sind.
> Das Programm Career Strategies (49,95 Euro, Cornelsen) zeigt in realistischen Videosequenzen Situationen des beruflichen Alltags und fordert den Benutzer unter anderem dazu auf, Dialoge zu ergänzen.
> Die Lernsoftware von Digital Publishing (50 Euro) hilft beim Erlernen der korrekten Aussprache. Ihre Sprachanalyse arbeitet mit IntelliSpeech, laut Stiftung Warentest die beste Spracherkennung.
> Langenscheidt bietet die Megabox Englisch an, mit 3 Übungsbüchern, einem Wörterbuch, 8 Audio-CDs und 2 CD-ROMs (99 Euro). Der Vorteil: Online stehen Hör- und Leseproben zur Verfügung. Darüber hinaus kann man bei Langenscheidt Wortschatz- und Kommunikationstrainer sowie Hörbücher im MP3-Format herunterladen.
> Sprachanbieter PONS bietet mit Preisen ausgezeichnete Wörterbücher an, allgemeine sowie fachorientierte, wie zum Beispiel das LexifacePRO Banken, Finanzen und Versicherungen Englisch (85 Euro). Außerdem sind bei Pons Handy-Wörterbücher erhältlich.
> Die Lernsoftware Der große Aufbaukurs Englisch (40 Euro, Ernst Klett) verfügt über eine selbsterklärende Navigation und besitzt ein vertontes Glossar. Zudem macht er Angaben zur Lernstatistik des Benutzers und misst seine Fortschritte.
Welcher Lerntyp bin ich?
Auditiver Lerntyp: Lernen durch Hören
Der auditive Lerntyp lernt am effektivsten, wenn er Informationen hört. Auditive Lerntypen können durch Umgebungsgeräusche abgelenkt werden und sollten daher möglichst ohne Musik im Hintergrund lernen. Lernhilfen: Lern-CDs, Gespräche, Vorträge, ruhige Umgebung (keine Nebengeräusche)
Visueller Lerntyp: Lernen durch Sehen
Der visuelle Lerntyp behält am besten, was er liest und beobachtet. Dieser Lerntyp lässt sich durch visuelle Eindrücke ablenken, er lernt beispielsweise an einem unordentlichen Schreibtisch schlechter. Lernhilfen: Bücher, Skizzen, Bilder, Lernposter, Filme, Lernkarteien Kommunikativer Lerntyp: Lernen durch Gespräche Der kommunikative Lerntyp lernt am effektivsten in Diskussionen, Vorträgen mit Frage-und-Antwort-Runden und Gesprächen. Lernhilfen: Dialoge, Diskussionen, Frage-Antwort-Spiele
Motorischer Lerntyp: Lernen durch Bewegung
Der motorische Lerntyp behält Informationen am besten, wenn er einen Handlungsablauf nachstellt. Er ist der learning by doing-Typ. Lernhilfen: Nachmachen, Dialog-Rollenspiele