06. Oktober 2008

Leute

Wissen verschenken

Von Fenja Mens




23. Juni 2008 
Der Ludwigshafener Marketingstudent Sinisa Toroman gibt Heimkindern kostenlose Nachhilfe. Mittlerweile machen 500 Studenten mit.

Mit Pädagogik hat Sinisa Toroman eigentlich wenig am Hut. Der 29-Jährige studiert an der Fachhochschule Ludwigshafen im sechsten Semester Marketing. Doch als er vor vier Jahren in der Zeitung las, dass die Stadt Mannheim an Kinderheimen keinen Nachhilfeunterricht mehr bezahlte, bot er spontan Hilfe an. „Meine Mutter hat früher als Köchin im Heim gearbeitet und mich öfter mitgenommen“, sagt er. „Die meisten Kinder dort haben so viele schlechte Erfahrungen hinter sich, da musste ich etwas tun.“ 2005 gründete er mit einigen Freunden die „Studenteninitiative für Kinder e.V.“

Seitdem unterrichtet Toroman einmal pro Woche ehrenamtlich Mathematik. Über die Resonanz seines Vereins ist er immer noch überrascht: „An manchen Tagen bekommen wir bis zu 50 Mails von Interessenten, die sich beteiligen wollen.“ 500 Studenten bundesweit geben mittlerweile Nachhilfe in Kinderheimen, darunter in Mannheim, Ludwigshafen, Hamburg, Berlin, Gießen und Hannover. Viele von ihnen sind Lehramtsstudenten, aber auch Juristen und BWLer machen mit. „Alle wollen etwas Sinnvolles tun und der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt Toroman. Wie viel Freude das bereitet, weiß er aus Erfahrung: Eine seiner Schülerinnen ist von der Haupt- auf die Realschule gewechselt und peilt jetzt das Abitur an. „Dass jemand nur ihretwegen kommt und dafür kein Geld erhält, ist für die Kinder etwas ganz Neues. Das motiviert sie. Sie werden selbstbewusster und automatisch auch besser in der Schule.“ Für sein Engagement hat der Verein bereits Preise gewonnen, auch die Vorstände von großen Unternehmen beteiligen sich als Paten an dem Projekt. Studenten, die ehrenamtlich Nachhilfe geben, erhalten in diesen Firmen leichter einen Praktikumsplatz. Jetzt will Sinisa Toroman erreichen, dass die freiwilligen Helfer auch Credit Points für ihr Studium angerechnet bekommen. „Schließlich lernt man durch den Nachhilfeunterricht, wie man auf andere eingeht und sie motiviert. Und das hilft später im Beruf.“

http://www.studenteninitiative-fuer-kinder.de

Text: Hochschulanzeiger Nr. 97, 2008, Seite 110
Bildmaterial: privat