20. Dezember 2009

So einfach wie versprochen geht es nicht

Master im Ausland

Von Laura Frommberg



19. Januar 2009 
Bachelorabsolventen können theoretisch überall in Europa einen passenden Master anschließen - die Vergleichbarkeit von Studienleistungen war schließlich ein wesentliches Ziel der Reform des Hochschulstudiums. Doch wer sich tatsächlich in die Ferne aufmacht, muss weitaus mehr vorweisen als nur sein Abschlusszeugnis.

Im Ausland zu studieren ist immer ein Abenteuer - für Sebastian Horndasch war der Weg zum Master an der Universität im britischen Nottingham so aufregend, dass er sogar an einem Buch darüber mitgearbeitet hat: In „Master nach Plan“ schreibt der heute 28-Jährige, wie man es anstellt, nach dem abgeschlossenen Bachelor in die Ferne zu ziehen. Denn es gilt als eines der wichtigsten Ziele der Bologna-Reform, europäische Studienabschlüsse vergleichbar zu machen. Da sollte es doch kein Problem sein, von Deutschland nach Großbritannien zu wechseln, oder? „Unter dem Strich ist es einfacher geworden, im europäischen Ausland auf Master zu studieren“, findet zumindest Horndasch.

Dass der Masterabsolvent gleich einen Reiseführer über das Auslandsstudium verfasst hat, zeigt aber: Mit dem Bachelor allein schafft man es noch lange nicht an eine ausländische Uni. Wer den Master jenseits der deutschen Grenzen machen will, muss einige zusätzliche Hürden meistern: Er braucht ein Sprachzertifikat, einigermaßen respektable Noten und Gutachten von Professoren seiner heimischen Uni - ein bis drei solcher Schreiben verlangen ausländische Universitäten mindestens. Bewerber, die es an eine englischsprachige Uni in Europa zieht, müssen den Sprachtest TOEFL erfolgreich absolvieren, französische Hochschulen verlangen das DELF- oder DALF-, die spanischen das DELE-Zertifikat. Die Punktzahl, die ein Student in diesem Test erreichen muss, kann von Hochschule zu Hochschule variieren, oft auch von Fach zu Fach. An der Universität in Nottingham etwa muss ein Literaturstudent 270 von 300 Punkten im TOEFL-Test nachweisen, ein Student der VWL nur 220 Punkte.

Es zählen auch die Noten, die man im Bachelorstudium erreicht hat. Zwar ist es auch mit mittelmäßigen Ergebnissen möglich, ins Ausland zu gehen - bei Eliteuniversitäten wie Cambridge wird man damit aber kaum landen. An vielen Hochschulen kann man allerdings mit einem positiven Gutachten magere Noten wettmachen.

„Diese Schreiben sind die wichtigsten Grundpfeiler der Bewerbung“, weiß Sebastian Horndasch. „Selbst wenn die Noten oder das Ergebnis des Sprachtests nicht optimal sind, kann das ein sehr guter Bericht oft relativieren.“ Daher ist es wichtig, dass der Studierende ein ausführliches Gespräch mit seinem Professor führt und klärt, was für seine Bewerbung besonders relevant ist.

Ungefähr ein Jahr vor Beginn des Masterstudiums sollte man mit den Planungen beginnen. Bei der Suche nach der richtigen Uni helfen Datenbanken, zum Beispiel die des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD): „Diese Plattform ist ein guter Ausgangspunkt“, sagt Horndasch. Die Datenbank des DAAD verschaffe einen ersten Überblick über das Studienangebot in einem Land. Danach könne man auf nationalen Seiten weitersuchen. „Hilfreich sind auch bestimmte Uni-Rankings“, sagt Horndasch. So gibt es etwa die internationalen Rankings, die von den britischen Zeitungen The Guardian und The Times veröffentlicht werden. Hier erhalten Studenten Informationen über die Reputation der Universitäten, die Qualität der Lehre und die Studienbereiche.

Dass die Wahl der Universität später bei der Jobsuche wichtig ist, betont Frank Stefan Becker, Hochschulexperte bei Siemens. Natürlich sei ein im Ausland erworbener Master schon für sich genommen ein Pluspunkt, weil er zeige, dass „ein Student selbständig ist und sich in fremde Kulturen einfinden kann“. Darüber hinaus empfiehlt Becker aber, sich zu spezialisieren und die Uni sorgfältig auszusuchen. „Man muss sich erkundigen, welche Universität für welches Gebiet besonders renommiert ist, und sich danach entscheiden“, sagt Becker. „Es kann gut sein, dass man im Job-Interview gefragt wird, warum man gerade diese Universität ausgewählt hat. Da sollte man dann nicht herumstammeln.“

Auswahl: Einen guten ersten Überblick über die Universitätslandschaft im Ausland gibt die Seite des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes: http://www.daad.de/ausland
Listen mit passenden Universitäten finden sich unter http://extras.timesonline.co.uk/tol_gug/gooduniversityguide oder http://www.guardian.co.uk/education/universityguide

Sprachtest: Englischsprachige Unis verlangen den Toefl (Test of English as a foreign language). Prüfungsorte und -termine stehen auf der Homepage http://www.toefl.org. Das Französische Äquivalent heißt DELF (Diplme d' Etudes en Langue Franaise) bzw. DALF (Diplme Approfondi d' Etudes en Langue Franaise). Informationen gibt es bei den örtlichen Instituts Franais. In Spanien wird das DELE-Zertifikat (Diploma de Espaol como Lengua Extranjera) verlangt ( http://www.dele.org ).

Gutachten: Die meisten ausländischen Universitäten verlangen ein Gutachten von der Heimat-Uni. Deshalb ist es wichtig, einen Professor zu finden, von dem man eine individuelle Beurteilung erwarten kann. Kennt man den Dozenten noch nicht persönlich, sollte man ihn um ein ausführliches Gespräch bitten.

Finanzierung: Wer sein Auslandsstudium mit einem Stipendium finanzieren will, kann sich unter http://www.daad.de/ausland/foerderungsmoeglichkeiten einen Überblick verschaffen. Der DAAD vergibt auch selbst Stipendien.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 100, 2009, Seite 60