06. Dezember 2004
Wer früher einen Top-MBA-Abschluß haben wollte, ging ins Ausland. Mittlerweile gibt es aber auch in Deutschland Angebote, die sich auf dem internationalen MBA-Markt sehen lassen können.
Über hundert Programme gibt es derweil in Deutschland, die den Titel Master of Business Administration (MBA) tragen. Doch nur wenige dieser Programme halten, was der Titel verspricht: internationale Erfahrungen, viel Praxisbezug und gute Kontakte zu Unternehmen. Bei der amerikanischen Akkreditierungsagentur AACSB stehen diese Schlagworte ganz oben auf der Liste der Anforderungskriterien. Mittlerweile haben auch zwei deutsche MBA-Anbieter das Siegel der ACCSB erhalten: Die Universität Mannheim und die Handelshochschule Leipzig (HHL).
"Wir sind circa 80 Stunden pro Woche eingespannt. Nebenbei läuft dann auch noch das Praxisprojekt.
Das war auch einer der Gründe, warum sich Kerstin Hoffmann für das MBA-Programm der Universität Mannheim entschieden hat. "Die Akkreditierung war für mich ein wichtiges Merkmal, ein weiteres war die internationale Ausrichtung des Programms", so die 32jährige. Seit Mitte 2002 bietet die renommierte Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Universität Mannheim den "European MBA" an, der die europäische Ausrichtung ernst nimmt. Die Teilnehmer studieren jeweils ein Drittel des Programms an der Warwick Business School in England und an der Essec in Frankreich, die beide mit der Universität Mannheim kooperieren. Für Kerstin Hoffmann war dieser Austausch von großem Vorteil: "In England und Frankreich haben wir mit den MBA-Studenten der dortigen Programme gemeinsam im Hörsaal gesessen. Man erweitert damit sein Netzwerk in gleich drei Ländern. Und auch während der abschließenden Praxisphase des Programms habe ich mit einer Studentin aus den USA und einer Französin zusammengearbeitet." Bei BASF in Frankreich entwickelte sie drei Monate lang eine Strategie für die Marktentwicklung eines Sektors der Firma. Diese Zusammenarbeit hat ihr auch zu ihrem jetzigen Job verholfen. Sie arbeitet in einer strategischen Einheit bei BASF in Frankreich und ist für die Marktkommunikation zuständig. Eine Position, die sich an ihren bisherigen Werdegang anschließt. Die studierte Geisteswissenschaftlerin hatte mehrere Jahre als PR-Beraterin gearbeitet und wollte durch das MBA-Programm ihre Qualifikation für Aufgaben in internationalem Umfeld erlangen.
"Neben den betriebswirtschaftlichen Kenntnissen und der internationalen Erfahrung habe ich besonders von den guten Kontakten, die die Universität zu zahlreichen Unternehmen pflegt, profitiert." Ein Programm in den USA kam für Kerstin Hoffmann nicht in Frage. Denn dort dauern MBA-Studiengänge meist um die zwei Jahre, in Mannheim müssen nur zwölf Monate aufgebracht werden. Auch die Programmgebühr von 15.000 Euro hält sich im Vergleich zu anderen renommierten Angeboten noch in Grenzen. Für das MBA-Studium hatte sie schließlich ihren Job gekündigt und die Gebühren aus eigener Tasche gezahlt.
Auch das MBA-Programm der HHL ist kurz und mit 20.000 Euro Kursgebühr relativ günstig. Nach 15 Monaten erhalten die Studenten den MBA-Abschluß der HHL, die sich besonders ihre Kombination aus amerikanischen und deutschen Ausbildungselementen auf die Fahne geschrieben hat. Die Amerikaner sind bekannt für den Praxisbezug, deutsche Universitäten für ihre lange Tradition in der Forschung. Ganz so einfach ist es für den amerikanischen Programmdirektor, Professor Richard Mancke, allerdings nicht. "Es gibt in den USA Universitäten, die stark in Theorie sind, genauso arbeiten einige deutsche Anbieter mittlerweile sehr praxisbezogen. Die Mischung macht ein gutes Programm aus." An der HHL pauken die MBAler zwei von drei Semestern die Grundlagen, bevor sie im dritten Semester ein Praktikum absolvieren oder an einem Austausch mit einer der Partneruniversitäten der Schule teilnehmen. Möglichkeiten gibt es hierzu unter anderem an der Tuck School at Dartmouth College in den USA oder an der University of Chicago. "Das ist für mich wichtiger als die Akkreditierung einer Schule. Wer mit namhaften Schulen kooperiert, bietet den Teilnehmern viel", so der Programmdirektor, der selbst an der Tuck School of Business als Dozent gearbeitet hat. Gleich zu Beginn des Studiums nehmen die Teilnehmer auch ein Praxisprojekt in Angriff, das parallel zu den Kursen bewältigt wird.
"Es gibt in den USA Universitäten, die stark in Theorie sind, genauso arbeiten einige deutsche Anbieter mittlerweile sehr praxisbezogen. Die Mischung macht ein gutes Programm aus."
Für Leif Cropp, Teilnehmer im MBA-Programm der HHL, ist das ein nicht immer streßfreies Unterfangen. "Wir sind circa 80 Stunden pro Woche eingespannt. Nebenbei läuft dann auch noch das Praxisprojekt. Da nutzt man auch die zehn Minuten Pause zwischen den Kursen, um sich schnell mit seinen Teamkollegen zu treffen oder um ein Telefonat zu führen." Für einen Verlag entwickelte Leif Cropp mit einem dreiköpfigen Team eine Marketingstrategie für die Zeitschrift Message - Internationale Zeitschrift für Journalismus. Und ihre Vorschläge setzten die Studenten auch gleich um. "An 800 Redaktionen und Institutionen haben wir die Zeitschrift verschickt, mittlerweile ist sie an Kiosken in neun deutschen Städten zu haben", so der 28jährige Jurist. An der Schnittstelle zwischen Juristerei und Wirtschaft möchte er arbeiten und hat deshalb das MBA-Programm der HHL gewählt. "Im Jurastudium bekommt man weder Sprachkenntnisse vermittelt, noch lernt man, was eine gute Präsentation ist. Egal, wo ich mich bewerbe, immer werde ich in die Rechtsabteilung gesteckt. Durch das MBA-Programm hoffe ich, auch für wirtschaftsnahe Positionen eingesetzt zu werden." In einem Praktikum, das das Programm abschließt, hat er bei der Firma E.on genau das gefunden. Drei Monate wird er dort in der Abteilung Verkauf und in der Stabsabteilung Vorstandsvorsitzender (Energiepolitik, Strategie) arbeiten. Daß in Deutschland absolvierte MBA-Abschlüsse einen immer besseren Ruf genießen, bestätigen auch die Unternehmensvertreter. Bisher rekrutierten die großen deutschen Unternehmen hauptsächlich an amerikanischen, vereinzelt auch an einigen europäischen Business Schools. Allmählich nehmen sie aber auch das deutsche Angebot wahr. "Sie sind auf einem guten Weg", so Dr. Klaus Behrenbeck, Direktor bei McKinsey und verantwortlich für Recruiting in Deutschland. "Die deutschen Anbieter müssen sich aber noch weiterentwickeln. Die Akkreditierung ist dabei eine der Grundvoraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen MBA-Programme. Nur so können sich diese Programme mit den etablierten Schulen messen."
Ob der MBA-Titel - unabhängig davon, wo er erworben wurde - seinen Preis wert und der Karriere dienlich ist, bleibt fraglich. In erster Linie kommt es auf die persönlichen Ziele an und ob das MBA-Programm dazu paßt. Eine Garantie für einen Karrieresprung ist ein MBA-Programm aber nicht. "Man ist immer selbst verantwortlich für das, was man tut und was man aus einem Programm herausholt", meint auch Leif Cropp, der es während des Gesprächs nicht versäumte, ein Probeexemplar der Zeitschrift Message anzubieten.
Der nächste Jahrgang des Vollzeitprogramms an der HHL beginnt im September 2005, Bewerbungen sollten so früh wie möglich eingereicht werden. http://www.hhl.de
Für den "European MBA", der wieder im September 2005 beginnt, kann man sich bis 31. Mai 2005 bewerben. http://www.euopeanmba.de