 |
| Tim Lüdke, Personalberater |
22. Juni 2009
Interview mit Tim Lüdke, Personalberater bei Russell Reynolds Associates:
?Herr Lüdke, welche Job-Chancen haben MBA-Absolventen derzeit am Arbeitsmarkt?
: Die wirtschaftliche Lage macht die Arbeitssuche nicht einfacher, das gilt auch für Absolventen eines MBA-Programms. Zu den großen Abnehmern gehörten bislang Investmentbanken und Unternehmensberatungen. Bei Ersteren sind die Jobchancen derzeit gleich null, bei den Beratern laufen die Geschäfte ebenfalls eher schleppend.
? Und wie sieht es mit Arbeitgebern anderer Branchen aus?
: Unternehmen mit Personalbedarf wissen natürlich, dass sie derzeit gute Chancen auf hoch- qualifizierte Bewerber haben, die sie normalerweise vielleicht nicht bekommen würden. Das heißt: Wenn MBA, dann sollte es ein Titel von einer renommierten Schule sein. Dann sind die Jobchancen immer noch top. Die einschlägigen Rankings geben hier einen ganz guten Überblick.
? Das gilt wohl auch, wenn ich jetzt einen MBA starten möchte?
: Generell gilt: Das Renommee kann gar nicht hoch genug sein. MBA-Studiengänge dauern ein bis zwei Jahre und sind meist als Vollzeitstudiengänge konzipiert, man kann also nicht nebenher arbeiten. Zuschüsse vom Arbeitgeber sind eher selten. Wer gerade über eine Abfindung verhandelt, kann natürlich die Finanzierung eines MBA ins Spiel bringen. In jedem Fall gilt: Wer einen Gehaltsverzicht in Kauf nimmt, sollte unbedingt auf Qualität setzen.
? Aber Renommee kostet auch, oder?
: Die Preise für einen MBA fangen bei rund 10.000 Euro an und können gerne auch bei 60.000 oder 70.000 Dollar liegen, nach oben gibt es da praktisch keine Grenzen. Aber noch mal: Entscheidend ist weniger der Preis, sondern ob die Qualität stimmt. Ein MBA an einer unbekannten Schule taugt allenfalls als Lückenfüller im Lebenslauf.
? Wenn es im Job also gerade hakt, könnte ein MBA sinnvoll sein?
: In der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Lage kommen Mitarbeiter häufig nicht weiter: Unternehmen bauen Arbeitsplätze ab, Jobwechsel sind schwieriger, Beförderungen werden hinausgeschoben. In einer solchen Situation bietet es sich an, mit einem MBA in sein persönliches Know-how zu investieren, um nach der Krise durchzustarten.
? In welcher beruflichen Phase passt ein MBA denn überhaupt?
: Neben einem erfolgreich absolvierten Studium sollte ein In- teressent mindestens über zwei bis drei Jahre Berufserfahrung verfügen. Dann hat er genügend praktisches Wissen in seinem Job angesammelt, über das er reflektieren kann.