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| Schönstes Foto: Der Maschinenbaustudenten Michael Grillberger knipste die Fensterfront eines Studentenwohnheimes (mit Message) und damit das Siegerfoto für "Campusmotive 2004". |
17. Juni 2005
Lesen Sie hier den zweiten Teil unseres Porträts der TU Chemnitz.
Ansonsten sei die Uni noch sehr überschaubar" mit ihren 10.000 Studenten. In der Regel, sagt Patze, kenne man den Dozenten noch persönlich. Massenveranstaltungen gebe es kaum. Auch Christian Steg, der Student der Europa-Studien, sagt, das Studium besteche durch die engen Kontakte zu Mitstudenten und Professoren. Man kann mit ihnen auch mal ein Bier trinken gehen." Bei den Partys der Europastudenten schenken die Professoren als Barkeeper aus. Und in Chemnitz gelten die Europa-Partys als besonders gut. Wenn Christian Steg in seine Heimat nach Heilbronn fährt, nimmt ihn ein Professor, der aus Speyer kommt, mit. Auch die gute technische Ausstattung der Universität spielt eine Rolle. In den Naturwissenschaften ist für jeden Studenten ein PC-Platz vorhanden. Die zehn Wohnheime auf dem Campus bieten drahtlosen Internetzugang. 125 Euro kostet das Internet im Wohnheim. Für fünf Jahre Studium. 20 Wohnheimplätze bietet die Universität pro 100 Studenten an, bundesweit sind es nur 11. Die besondere Stärke der TU ist ihr Campus und damit die kurzen Wege. Bibliothek, Hörsäle, Labore und Wohnheime sind im Umkreis von fünf Gehminuten.
Die meisten verlassen Chemnitz wieder mit einem Aha-Effekt.
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| Ganz schön gefährlich: In der Mensa der TU Chemnitz können sich die Studenten im mittelalterlichem Schwertkampf üben. |
Du fällst aus dem Studentenwohnheim raus und stehst im Vorlesungssaal", sagt Peter Patze, und man hört noch einen leicht sächselnden Unterton in seiner Stimme. Er kommt aus dem Erzgebirge, keine halbe Stunde entfernt, sitzt dort im Stadtrat und beschäftigt sich mit Kommunalpolitik. Auch die geringen Lebenshaltungskosten sprechen für Chemnitz. Die Gesamtausgaben eines Studenten im Monat wurden mit 175 Euro für Wohnheim, Mensa, und Semesterbeitrag berechnet. In München bekommt man für 175 Euro vielleicht gerade einmal einen Stellplatz für seinen Wagen. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung ist in Chemnitz unter 250 Euro im Monat zu haben. Doch die Stadt hat kein spannendes Image. Dieser eine Anfangsgedanke von Christian Steg gilt für viele Studenten. Chemnitz klingt nicht besonders einladend. Hier muß man erst einmal nicht unbedingt hin. Drei Viertel aller Studenten kommen aus Sachsen, noch ist die Qualität der Chemnitzer Lehre nicht in ost- und westdeutschen Abiturientenköpfen angekommen. Sie bevorzugen dann doch eher die nahe gelegenen und bekannteren Universitäten in Leipzig und Dresden. Die Stadt hat eine spröde Ausstrahlung", schreibt selbst die stadteigene Internetseite. 1945 wurde das historische Stadtzentrum vollständig zerstört. Jetzt, mehr als 50 Jahre danach, baut Chemnitz wieder an so etwas wie einer Innenstadt. Und die Stadt wandelt sich. Anfang der 90er beherbergte Chemnitz die größte innerstädtische Brachfläche Europas. So mancher fragte, wo denn die Innenstadt sei", scherzt Peter Seifert, der Bürgermeister. Nun ist ein neues Herz entstanden, mit großen Kaufhausketten und modernen Bauten, entworfen von Star-Architekten. Es gebe wieder eine neue Aufenthaltsqualität, so Seifert. Die Stadt selbst sieht sich als Kultur- und Sportstadt. Einige sprechen von der meist unterschätztesten Stadt Deutschlands, aber das ist wohl ein wenig zu hoch gegriffen. Obwohl es nicht nur Platte in Chemnitz gibt. Im Ortsteil Kaßberg steht eines der größten Jugenstil- und Gründerzeitviertel Europas.
Die TU Chemnitz zählt zu den fünf Gründerfreundlichsten Universitäten Deutschlands
Es hat sich viel getan in den letzten Jahren, sagen die, die es wissen müssen, weil sie hier leben. Chemnitz raucht und dampft nicht mehr. Es gibt drei Kinos, ein Theater, mehrere Museen. Splash, das größte Hip-Hop-Festival Europas, findet hier jährlich statt. Während sich das frühere Leben der Studenten vornehmlich in den Clubs der Wohnheime abgespielt hat, sind in den vergangenen Jahren einige Kneipen und Bars entstanden. Viele Studentenpartys finden aber immer noch eher in der renovierten Mensa statt, als in der Innenstadt. Eine wirkliche Straßen- und Kaffeeszene gibt es zwar immer noch nicht, sagt der Politikstudent Peter Patze, auch vermittle Chemnitz nicht das Flair einer Studentenstadt, aber es gäbe schon sehr schöne Ecken. Es ist eine Stadt auf den zweiten Blick", sagt Peter Seifert. Man müsse sich schon die Mühe machen, die Stadt zu entdecken. Und die meisten verlassen Chemnitz wieder mit einem Aha-Effekt." Aber auch der Bürgermeister sagt, daß man die Studenten noch zu wenig in der Stadt spüre und wünscht sich, daß sie sich mehr einbringen".
Birgit Spanner-Ulmer war sehr überrascht über das kulturelle Angebot der Stadt. Es sei eine Herausforderung für sie gewesen, im Osten die Professur für Arbeitswissenschaft anzutreten. Und auch Thomas Milani sagt, Chemnitz sei deutlich schöner, als man als Wessi meint." Er ist noch nicht so lange in Chemnitz. Seit April 2004. Als Professor für Bewegungswissenschaft und Direktor des Instituts für Sportwissenschaften. Sein schwäbischer Akzent kommt noch manchmal durch. Als Milani gerade zwei Wochen in Chemnitz ist, spricht ihn ein Dozent auf die Größe seines Autos an und meint, das könne nur einem Wessi gehören. Zwei Stunden haben beide dann diskutiert und viel voneinander gelernt. Er bezeichnet es als Lebenserfahrung", hier zu sein und diese andere Sichtweise" kennenzulernen. Er meint die ostdeutsche. Zuvor hat er in Colorado, USA, gelehrt. Darüber sagt er ähnliche Dinge. Seine wissenschaftliche Karriere hat er in Konstanz, Frankfurt/ Main und Essen begonnen. Chemnitz, sagt er, sei nun eine komplett neue Welt" für ihn, weil er größere Entfaltungsmöglichkeiten habe. Gleichzeitig sei die Forderung an den Dozenten, ähnlich wie in den USA, wesentlich höher als in Essen, wo Milani zuletzt lehrte. Zudem gibt es in Chemnitz keine Sportlehrerausbildung. Die Studenten, die hier Sport studieren, seien deshalb sportbegeisterter und viel sportlicher". Der 47jährige forscht im Bereich der Motorik und der präventiven Biomechanik, untersucht, was mit den koordinativen Fähigkeiten von Kindern passiert, wenn sie zu lange vor dem Fernseher oder Computer sitzen. In einem Essener Stadtteil mit hoher Arbeitslosigkeit war beispielsweise die Koordinationsfähigkeit der Kinder wesentlich weniger ausgeprägt als im Süden der Stadt, der mehr Grünflächen und Sportvereine bietet. Vor allem aber beleuchtet Milani die Kräfte, die bei Bewegungen auf den Körper wirken. Wir schauen, wie ein Sportler einen dreieinhalbfachen Salto stehen kann. Wie kräftig ist eine Sehne und wann reißt sie?" Mit Videoanalysen untersucht Milani die mechanischen Kräfte. Es ist eine sehr praxisbezogene Ausbildung. In Seminaren und Projekten lernen die Studenten Gangmuster zu erkennen und arbeiten eng mit Unternehmen zusammen. Einer von Milanis Studenten schreibt seine Magisterarbeit gerade bei einer bekannten Skifirma und entwickelt eine Meßtechnik, mit der man die Vibration von Skiern messen kann. Milani selbst berät seit 1997 den Sportartikelhersteller Puma. Er testet Schuhe, entwickelt Dämpfungssysteme und sagt, wo die Stollen bei einem Fußballschuh hin müssen.
Die Universität ist bekann für effizientes Studieren.
Das Chemnitzer Studienmodell ist kaum mit anderen Sportangeboten in Deutschland zu vergleichen. In einer engen Verzahnung der Sportwissenschaft mit den Fakultäten für Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften können Studiengänge wie Sportwissenschaft/Sportgerätetechnik oder Sportwissenschaft/Sportökonomie studiert werden. Im Herbst startet ein neuer Bachelor-Studiengang Prävention, Rehabilitation und Sportgerätetechnik. Für das Wintersemester 2006/ 2007 ist sogar ein Studiengang Sportsengineering geplant. Der wäre einmalig in Europa. Die Bewerberzahlen für das Sportstudium haben schon längst die verfügbaren Plätze überstiegen. Absolventen haben gute Chancen bei Sportunternehmen, Fitness-Studios oder Sportgeräteherstellern Arbeit zu finden. Das sei ja gerade sehr aktuell", sagt Thomas Milani, weil immer mehr Menschen ins Fitness-Studio rennen." Er ist zufrieden mit seiner Arbeit, mit der Umgebung und der TU Chemnitz. In ein paar Wochen wird seine Familie aus Essen nach Chemnitz ziehen. Und auch sie werden diesen einen Gedanken haben, den auch Thomas Milani hatte. Und Christian Steg, der Europastudent. Am Anfang sagt jeder, wie kann man nur nach Chemnitz gehen. Am Ende sagt jeder, es war die richtige Entscheidung."
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