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| Yvonne Feller und Florian Flechsig |
14. April 2009
Wir stellen Studentinnen und Studenten vor, die neben ihrem Studium etwas tun. Das kann etwas Wichtiges für Mitmenschen sein oder etwas Ausgefallenes, auf jeden Fall ist es aber etwas Interessantes.
Wer wird Millionär?
Yvonne Feller und Florian Flechsig wetteifern darum, wer von ihnen bis Mai eine Million Euro zusammenhat. Das klingt nach Spaß, ist aber (auch) ein wissenschaftliches Projekt.
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| Robert Benjamin Biskop |
Vielleicht ist Tätowieren die Lösung. Auf die Stirn würde ich das nicht machen wollen, aber warum nicht auf die Hände? Als Werbefläche finden sie vielerlei Einsatz, zum Beispiel an Schaltern der Bahn oder beim Festhalten in der U-Bahn ..., sinniert Yvonne Feller in ihrem Weblog. Andere mögen sich gruseln, für die 25-Jährige ist das nur eine von vielen Überlegungen auf dem Weg zum Ziel: Nach einem halben Jahr will sie auf legalem Weg eine Million Euro zusammenhaben, genau wie ihr Kommilitone Florian Flechsig (29) aus dem Studiengang für Visuelle Kommunikation der Berliner Universität der Künste (UdK). Irgendwann haben wir uns gefragt, ob man auch ohne Arbeit reich werden kann. Und wie die Menschen wohl reagieren, wenn sich einer hinstellt und sagt: Ich möchte Millionär werden, bitte helft mir dabei!, erzählt sie. Die beiden beschlossen, diese Fragen zum Diplomprojekt zu machen. Auf ihrer Internetseite kann man zu Kassengeklingel und Banjogeplänkel (das soll Goldgräberstimmung symbolisieren) die aktuellen Kontostände erfahren und nachlesen, was sie bereits alles unternommen haben: zum Beispiel Sportwetten abschließen, Pfandflaschen sammeln, mit einem Basecap Werbung laufen. Manchmal stößt man dabei auch ganz schön an seine Grenzen, stöhnt Yvonne. So ließ sie sich ein paar Gitarrengriffe zeigen und setzte sich bei Minusgraden vor den Berliner Dom. Gebracht hat ihr das Geschrammel nichts: Mein Auftritt war einfach zu erbärmlich. Auch Florian scheut peinliche Aktionen nicht: Er verkleidete sich als Eisbär und lud Passanten zum Foto ein: Knut & You! Take a picture. Ebenfalls mit wenig Erfolg: Das brachte minus 30 Euro, weil das Kostüm so teuer war, erzählt seine Rivalin - und grinst unverhohlen. Ihr Wettstreit soll auch das Konkurrenzstreben in der Wirtschaft simulieren. Bis Mai haben sie Zeit. Dann müssen auch die Diplomarbeiten fertig sein. In Geschäftsberichten wollen Yvonne und Florian ihre Erfahrungen dokumentieren.
http://www.wirsindjungundbrauchendasgeld.de
Wer spielt mit?
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| Gavin, Marc und Sarah Steinwachs |
Der Promotionsstudent Robert Benjamin Biskop bringt Studierende aus Deutschland, Frankreich, Osteuropa und der arabischen Welt mittels Kunst zusammen.
Die Geschichte von Äneas und Dido geht in etwa so: Nach seiner Flucht aus Troja irrt Äneas, Sohn der Aphrodite, durch das Mittelmeer und gelangt schließlich nach Karthago. Deren Herrscherin Dido nimmt ihn auf, verliebt sich und bringt sich, als Äneas wieder verschwindet, schließlich um. Die Sage ist Teil von Homers Ilias, ein uraltes Stück Literatur also - und dennoch brandaktuell. Es geht um das Thema Flucht und Vertreibung. Darum ist die Geschichte eine gute Basis, um über Völkerverständigung zu reden, sagt Robert Benjamin Biskop. Der 29-jährige Dramaturg promoviert an der Musikhochschule Leipzig und wird im Sommer zum dritten Mal einen künstlerischen Workshop zu Dido und Äneas leiten. Die Teilnehmer - jeweils 20 Studierende aus Deutschland, Frankreich und Tunesien - wollen ein Theaterstück auf die Bühne bringen. Der Workshop ist eine Veranstaltung der Stiftung Elemente der Begeisterung, die Robert mit anderen Studierenden Ende 2008 gegründet hat. Wir wollen kreative Begegnungen zwischen jungen Leuten aus Deutschland, Frankreich, Osteuropa und der arabischen Welt ermöglichen, erläutert er. An deren Ende soll jeweils ein künstlerisches Werk entstanden sein: ein Film, eine Ausstellung oder eben eine Aufführung. Wir wollen Artefakte mit wissenschaftlichem Niveau schaffen, stellt Robert klar. Genauso wichtig sei es allerdings, dass die Teilnehmer viel voneinander erfahren. Vor allem sollen sie lernen, dass man Dinge auch anders denken und angehen kann. Beispiel Teamwork: Ich staune immer wieder, wie gut die Zusammenarbeit der Tunesier funktioniert. Dreimal sind Robert und seine Stiftungskollegen in diesem Jahr bereits bei bundesweiten Wettbewerben ausgezeichnet worden. Unter anderem hat die Initiative Deutschland - Land der Ideen die geplante Aufführung von Dido und Äneas am 1. September in Leipzig als einen der 365 Orte im Land der Ideen ausgerufen.
http://www.edb-stiftung.de
Wer kann was?
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| Katja Urbatsch |
Die Geschwister Gavin, Marc und Sarah Steinwachs (von links nach rechts) haben Studidoo.de erfunden - eine Kombination aus Jobbörse und Social Network.
Eines Tages wollte die Familie Steinwachs ein Foto von sich machen lassen. Tochter Sarah (26) holte Angebote professioneller Fotografen ein - und staunte über deren Preise. Schließlich haben wir eine Fotografiestudentin gefragt, erzählt sie. Mit dem Ergebnis und dem Honorar waren alle zufrieden, und Sarah hatte eine Idee: Man müsste eine Dienstleistungsplattform ins Internet stellen, auf der sich Studierende mit ihren Qualifikationen gezielt anbieten können. Sarah dachte an Informatiker, die Homepages programmieren, und an Lehramtsstudenten, die Schülern Algebra erklären. Schnell begeisterte sie ihre Brüder Marc (32) und Gavin (29) für den Einfall. Die Geschwister - alle drei studieren Wirtschaftswissenschaften an der TU Dortmund - entwickelten ein Konzept und diskutierten es mit Dozenten und anderen Studierenden auf einem Seminar zum Thema Existenzgründung. Mittlerweile ist ihr Portal online - und viel umfangreicher als zunächst gedacht: Bei Studidoo können sich Studierende präsentieren; Unternehmen und Privatpersonen können die Profile nach bestimmten Kriterien durchsuchen oder selbst Jobangebote schalten. Neben der Jobbörse ist Studidoo auch ein soziales Netzwerk. Wer zum Beispiel ein Praktikum bei einer bestimmten Firma absolvieren möchte, kann über Studidoo in Kontakt zu anderen kommen, die das schon gemacht haben, erklärt Sarah. Mehr als 3.000 Studierende und 200 Privatpersonen (für beide ist die Teilnahme kostenlos) sowie 160 Unternehmen haben sich bereits registriert. Ich bin froh, dass wir den Schritt gewagt haben, obwohl wir alle noch im Studium sind, freut sich Sarah. Wenig begeistert war zunächst allerdings ihr Vater. Ausgerechnet - schließlich ist Papa Steinwachs selbst Unternehmer. Er hatte allerdings gehofft, dass die Kinder eines Tages seine Firma für Stahlhandel übernehmen. Mittlerweile steht er aber voll hinter uns, sagt Sarah. Das Interesse geht so weit, dass es bei Besuchen der drei fast nur noch ein Thema gibt: Studidoo.
http://www.studidoo.de
Wer will mehr vom Leben?
Die Kulturwissenschaftlerin Katja Urbatsch will mehr Arbeiterkinder an die Hochschulen bringen.
Eigentlich wollte Katja Urbatsch mit Arbeiterkind.de nur eine kleine Website ins Netz stellen. Eine Seite für alle, die als Erste in ihrer Familie einen Studienabschluss anstreben. Dass daraus binnen kurzer Zeit eine soziale Bewegung werden würde, hätte sie sich nicht träumen lassen. Neun Monate nach dem Onlinegang hat die Initiative bereits mehr als 70 lokale Gruppen etabliert. Rund 600 ehrenamtliche Mentoren stehen Studierenden und Schülern mit Rat und Tat zur Seite. An manchen Tagen bekommt die 29-Jährige 30 E-Mails von Leuten, die auch mitmachen wollen. Die Dimensionen sind unglaublich, staunt Katja, die in Gießen in Kulturwissenschaften promoviert. Wir haben anscheinend einen Nerv getroffen. Katja kennt die Erfahrungen der Arbeiterkinder nur zu gut, sie stammt selbst aus einem nicht-akademischen Haushalt. Ich war während meines Studiums aber noch privilegiert, weil mich meine Eltern immer unterstützt haben, stellt sie klar. Wohingegen der weitere Familienkreis mit Verwunderung bis hin zu offener Ablehnung reagierte. Viele unterstellten ihr, der Gesellschaft unnötig auf der Tasche zu liegen. Damit andere es besser haben, hat Katja auf ihrer Website einige mögliche Antworten auf solche Vorwürfe zusammengestellt. Wichtiger noch findet sie es aber, Informationen zu geben. Die eigentliche Benachteiligung besteht in einem Wissensdefizit. Während Akademikerkinder meist schon zu Hause vieles zum Thema Uni mitbekommen, müssen sich Arbeiterkinder alles mühsam zusammensuchen. Darum finden sich auf Arbeiterkind.de jede Menge Informationen rund um Studienfachwahl, Finanzierung, Praktika. Daneben gibt es konkrete Hilfe: So liest eine Bewerbungsberaterin Bewerbungen für Studienplätze Korrektur und gibt per E-Mail Tipps. Nun bemüht sich Katja, für ihre Initiative den Status der Gemeinnützigkeit zu erlangen. Wenn wir erst einmal Fördermittel beantragen können, verspricht sie, legen wir richtig los.
http://www.arbeiterkind.de