17. November 2005 Der kleine Tim aus Elmshorn ist nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft vom Freund seiner Mutter erschlagen worden. Die Polizei nahm am Mittwoch abend den 38 Jahre alten Lebensgefährten der Mutter fest. Oliver H. habe in einem Teilgeständnis zugegeben, den Jungen getötet zu haben, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Zepter am Donnerstag im schleswig-holsteinischen Itzehoe. Der Junge starb nach dem Ergebnis der Obduktion an massiver Gewaltanwendung gegen den Kopf.
Oliver H. soll noch am Nachmittag wegen des dringenden Tatverdachts des Totschlags einem Haftrichter vorgeführt werden. Es müßten aber noch Ungereimtheiten im Geständnis geklärt werden, hieß es.
Tim schon seit einer Woche tot
Als Todeszeitpunkt gab Zepter den Mittwoch der vergangenen Woche an, einen Tag, bevor die Mutter den Jungen als vermißt gemeldet hatte. Warum der 38jährige den Jungen erschlug, auf den er eigentlich aufpassen sollte, ist noch unklar: Zur Motivlage sollen derzeit keine Erklärungen abgegeben werden, sagte Zepter. Polizisten hatten Tims Leiche an diesem Mittwoch in einer Sporttasche in einem Garten nahe der Wohnung von Tims Mutter gefunden. Dort hatte der Tatverdächtige in einem Haus seines Vermieters Handwerksarbeiten ausgeführt.
Die Mutter hatte Tim am Donnerstag vergangener Woche als vermißt gemeldet und in ihrer Anzeige falsche Angaben gemacht. Sie wollte Tim angezogen in sein Bettchen gelegt und etwa drei Stunden später sein Verschwinden bemerkt haben. Der Junge hatte sich aber bereits seit mehreren Tagen bei Oliver H. befunden. Die Mutter hatte Tim nach Zepters Angaben zuletzt 48 Stunden vor der Vermißtenmeldung gesehen.
Tim häufig bei Oliver H.
Der Oberstaatsanwalt sagte, der Zweijährige habe sich häufiger in der Obhut des 38 Jahre alten Bautischlers und Gelegenheitsarbeiters befunden. Das war durchaus üblich. Das Paar war seit sechs Monaten zusammen. Im Einvernehmen mit der Mutter sollte Oliver H. bei Tim eine Art Erzieherrolle übernehmen, sagte Zepter.
Am Donnerstag war Oliver H. in die Wohnung der Mutter gegangen. Er sagte, er habe das Kind ins Bett gebracht, erklärte der Oberstaatsanwalt. Die Mutter sollte später noch einmal nachsehen. Ihre falschen Angaben begründete die alleinerziehende 21jährige mit Befürchtungen wegen des Sorgerechts. Sie dürfen die optimale Vorstellung einer Mutterrolle nicht zugrunde legen, sagte Zepter in Anspielung auf die schwierigen Familienverhältnisse. Leider wachsen Kinder nicht immer unter den gleichen behüteten Verhältnissen auf, die man sich selber wünschen würde. Zwischen der Mutter und ihrem Freund habe es auch Streitereien gegeben.
Drama im Umkreis von 100 Metern
Bei den ersten Ermittlungen hatte es zunächst keine Hinweise auf einen familiären Hintergrund, betonte der Sprecher der Sonderkommission Tim, Rainer Holm. Es bestehe weder gegen die Mutter noch gegen andere Familienmitglieder ein Verdacht, sagte Zepter. Die 21jährige werde psychologisch betreut. Sie war bestürzt, als Sie vom Tod ihres Sohnes und der Festnahme ihres Lebensgefährten erfahren habe.
Nach tagelanger erfolgloser Suche in Elmshorn hatten die Ermittler das Grundstück, auf dem der Tatverdächtige gearbeitet hatte, am Mittwoch mit Hilfe eines Spürhundes durchsucht. Zuvor waren Beamte dort schon einmal erfolglos gewesen, allerdings auf der Suche nach dem lebenden Kind. Daher sei die tief im Dickicht versteckte Tasche nicht entdeckt worden.
Das ganze Drama spielte sich in einem Umkreis von nur etwa 100 Meter um die Wohnung von Tims Mutter ab. Die Großeltern des Kindes und der getrennt von der 21jährigen lebende Vater haben ihre Wohnungen ebenfalls in unmittelbarer Nähe des Fundortes am Rande der Elmshorner Innenstadt.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa/dpaweb