Kino

Renate Brausewetter tot

20. August 2006 Einer der letzten deutschen Stummfilmstars, Renate Brausewetter, ist tot. Die 100 Jahre alte Schauspielerin starb in der Nacht zum Sonntag in einem Seniorenheim in Linz am Rhein. Das teilten das Altenheim und Brausewetters Sohn Rudolf Wagner am Sonntag mit. „Sie ist ruhig eingeschlafen“, sagte Wagner. „Wir sind alle erleichtert, daß sie nicht noch leiden mußte.“

Wann Brausewetter beigesetzt wird, war am Sonntag noch unklar. Für ihre Beisetzung hat die Schauspielerin nach Angaben ihres Sohnes einen besonderen Wunsch geäußert: Die zierliche Frau, die 1905 in Malaga geboren worden war, will im Zentrum der spanischen Stadt im Familiengrab bestattet werden. Zwar sei der einstige Friedhof inzwischen ein Park, sagt Wagner: „Wir wollen aber eine Sondergenehmigung erwirken, damit ihre Urne dort beigesetzt werden kann.“

„Der Tonfilm ist der Mörder vom Stummfilm“

Im Berlin der zwanziger Jahre gehörte Renate Brausewetter zu den Stars, die der Film ohne Ton hervorbrachte. Ihr Leinwanddebüt gab sie 1925 als Statistin in „Die freudlose Gasse“ mit Greta Garbo in der Hauptrolle. Im selben Jahr stand Brausewetter für den Psychoanalyse- Streifen „Geheimnisse einer Seele“ vor der Kamera. In etwa 15 Stummfilmen wirkte sie nach Angaben ihres Sohnes mit.

Den Tonfilm betrachtete sie anfangs mit Skepsis: „Der Tonfilm ist der Mörder vom Stummfilm“, sagte sie einmal. 1950 ließ sie sich dann doch auf das neue Medium ein und spielte eine Nebenrolle in „Die Treppe“ unter der Regie von Alfred Braun. Am 1. Oktober vergangenen Jahres war Renate Brausewetter 100 Jahre alt geworden. Seit gut dreieinhalb Jahren lebte sie in Linz in der Nähe ihrer drei Kinder aus der Ehe mit dem Chemiker Hubert Wagner, die 1944 geschieden worden war. Sie hinterläßt zudem acht Enkel und vier Urenkel.



Text: dpa
Bildmaterial: dpa

 
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