Skispringen

Uhrmann: „Jetzt hole ich die Medaille erst recht“

Uhrmann bedauert den unglücklichen Ausgang

Uhrmann bedauert den unglücklichen Ausgang

13. Februar 2006 Mit tiefen Ringen unter den Augen blickte Michael Uhrmann nach vorn und blies zum zweiten Angriff auf eine Olympiamedaille. Im strahlenden Sonnenschein sah am Morgen nach dem Pech von Pragelato, wo der Polizeiobermeister Bronze nur um 25 Zentimeter verpaßt hatte, die Welt schon wieder ein bißchen freundlicher aus.

Ein paar Gläser Bier mit den Teamkollegen im „Kufenstüberl“ hatten dem Skispringer in der Nacht bei der Frustbewältigung geholfen. „So eine Winzigkeit hat gefehlt, das ist schon bitter. Deshalb werde ich diesen Tag auch nie vergessen“, meinte Uhrmann, dann ging er sofort in die Offensive: „Am Samstag habe ich auf der Großschanze die nächste Chance. Jetzt will ich die Medaille erst recht holen, denn irgendwann muß ich ja mal belohnt werden.“ Hoffnung auf die ersehnte erste große Einzelmedaille macht ihm vor allem, daß er bei der Olympia-Generalprobe vor einem Jahr auf dem großen Bakken auf Platz zwei gelandet war.

„Trauerstimmung wäre absoluter Blödsinn“

Auch Peter Rohwein versuchte, das Zentimeter-Pech von Uhrmann schnell abzuhaken, schließlich hatte sein Team auf der ungeliebten Normalschanze eine hervorragende Vorstellung abgeliefert. Uhrmann Vierter, Michael Neumayer auf Platz acht und Georg Späth Zwölfter - es war eine Art Auferstehung der seit über zwei Jahren sieglosen deutschen Skispringer. „Die verlorene Bronzemedaille muß raus aus den Köpfen. Eine Trauerstimmung wäre absoluter Blödsinn. Wir müssen weiterkämpfen, dann können wir im Einzel und Team eine Medaille holen“, meinte der Chefcoach. Ausdrücklich hatte er Uhrmann ein paar Bier verordnet („Zur Not hätte ich sie an der Tankstelle geholt“), und am Montag durfte sich die Mannschaft bis auf ein leichtes Regenerationstraining ausruhen.

Martin Schmitt bereitete sich derweil schon mal nervlich auf die teaminterne Ausscheidung für das Großschanzenspringen vor. „Ich will meine Chance nutzen. So weit weg bin ich nicht von den anderen, es fehlen wirklich nur noch Kleinigkeiten“, meinte der viermalige Weltmeister. Schmitt hatte bei seinen dritten Olympischen Spielen erstmals zuschauen müssen. Und was er dabei vor dem Fernseher im Teamquartier von Pragelato sah, dürfte ihm für einen Start bei den beiden Großschanzenspringen keine großen Hoffnungen gemacht haben. „Wenn Martin ins Team will, muß er sich im Sog der anderen beweisen und steigern“, sagte Rohwein. Uhrmann ist für die beiden Großschanzen-Entscheidungen im Einzel (Samstag) und Team (nächsten Montag) gesetzt, die restlichen Vier kämpfen um drei Plätze.

Der Cheftrainer glaubt, daß der „Michi Neumayer nach seinem stärksten Auftritt einen Lauf kriegt“. Und Georg Späth befindet sich mit einem um einen Zentimeter längerem Ski mit neuem Schliff ebenfalls im Aufwind, und bei Alexander Herr fliegen Freundin und Eltern zur Unterstützung ein. Uhrmann jedenfalls meint, daß sich das Quartett ohne Schmitt „sehr stark präsentiert“ hat. Er freut sich neben dem Einzelspringen jetzt schon auf den Teamwettbewerb: „Vor vier Jahren habe ich da Gold gewonnen. Das war der größte Moment in meinem Sportlerleben. Das zu wiederholen, wäre natürlich sensationell.“ Und mehr als ein kleiner Trost für die um Zentimeter verpaßte Bronzemedaille.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
Bildmaterial: dpa/dpaweb, REUTERS

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