17. Februar 2006 Übermut kommt vor dem Fall: Mit einem völlig mißglückten Kunststück hat sich Weltmeisterin Lindsey Jacobellis um die sicher geglaubte Goldmedaille gebracht und der Schweizerin Tanja Frieden unverhofft den Olympiasieg im Snowboardcross beschert. Im Gefühl des sicheren Erfolges wollte der Superstar aus den Vereinigten Staaten am vorletzten Sprung in Bardonecchia den 4.000 Zuschauern noch einen Trick zeigen.
Doch der ging nach hinten los. Jacobellis stürzte und mußte hilflos zusehen, wie die erstaunte Tanja Frieden an ihr vorbei zum Gold raste. Das war kein Freestyle-Trick. Ich habe in der Luft an das Board gefaßt, um bei der hohen Geschwindkeit stabiler zu sein, behauptete Jacobellis am Freitag nach der Premieren-Veranstaltung bei Olympia.
Ich bin glücklich, in die Geschichte einzugehen
Letztlich kostete der 20jährigen der Übermut nicht nur Gold, sondern auch eine Million Euro an Werbegeldern. Immerhin rettete die millionschwere Profi-Snowboarderin noch Platz zwei vor der Kanadierin Dominique Maltais. Ich bin glücklich, in die Geschichte einzugehen, als erste Silber im Snowboardcross gewonnen zu haben, meinte sie ernsthaft.
Derweil jubelte Tanja Frieden über die geschenkte Goldmedaille. Eine gute Portion Glück gehört dazu. Ich bin nicht weniger glücklich, weil Lindsey gestürzt ist, meinte die Grundschullehrerin. Erster Gratulant war ihr amerikanischer Freund Seth Wescott, der einen Tag zuvor in der gleichen Disziplin Gold geholt hatte. Frieden beendete die Siegesserie der Amerikaner, die in Turin von vier bisher vier Snowboard-Wettbewerben drei gewannen.
Eine geile Premiere und gute Werbung
Wenigstens als Hellseherin tauge ich was, sagte Katharina Himmler, die den Sieg ihrer besten Freundin vorhergesagt hatte und diese im Ziel vor Begeisterung in den Schnee warf. Die einzige deutsche Teilnehmerin landete auf Platz zwölf. Im Viertelfinale war die Münchnerin als Dritte ihres Laufes unter anderem auch gegen Tanja Frieden ausgeschieden. Es hat nicht ganz geflutscht, meinte Himmler, die dennoch begeistert war von der Veranstaltung.
Es war eine geile Premiere und eine gute Werbung. Stürze gehören zu der Sportart. Die meisten verliefen glimpflich in Bardonecchia. Ausgerechnet im Finale der besten Vier erwischte es aber die Kanadierin Maelle Ricker am schlimmsten. In einer Linkskurve flog sie über das Fangnetz hinaus. Sie wurde mit einer Gehirnerschütterung und Rückenverletzungen in ein Krankenhaus gebracht.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb