Von Konstanze Crüwell
08. April 2008 Lichtkunst ist schön, aber die immer noch sehr erfolgreich mit ihr konkurrierende Gattung der Malerei hat einen ganz entscheidenden Vorteil: Sie ist praktisch wartungsfrei. Ein Gedanke, der sich gestern im Frankfurter Main Tower kaum verscheuchen ließ, als der freundliche Hausmeister bedauernd sagte, bei Bill Violas Video- und Klanginstallation sei leider ein Projektor ausgefallen, der wohl nicht sofort repariert werden könne.
Sehenswert unter den Kunstwerken, die bei der Luminale empfohlen werden, bleibt The World of Appearances, das 2000 im Auftrag der Helaba entstandene Werk des prominenten amerikanischen Künstlers, aber selbst für den Fall, dass die Projektionsfläche auf dem Boden unerleuchtet bleibt. Die Welt der Erscheinungen schildert, wie ein stilles Gewässer durch den jähen Kopfsprung eines Mannes in heftige Bewegung versetzt wird, die sich rasch in ein wild leuchtendes Farbenspiel verwandelt: Metapher für permanenten inneren Wandel?
Bill Viola ist in der Sammlung des Frankfurter Museums für Moderne Kunst ebenso präsent wie der große Künstler James Turrell, dessen Light Shaft seit 2003 die 36 Etagen des Gallileo-Hochhauses der Dresdner Bank in subtilen Farben erleuchtet. Am Portikus ist dann das Light Lab des international erfolgreichen Olafur Eliasson zu bewundern: Man kann also bei einem Spaziergang durch die Frankfurter Innenstadt gleich drei eindrückliche öffentliche Werke bedeutender Lichtkünstler sehen. Und das ist nicht nur an trüben Apriltagen sehr erfreulich.
Viel Licht auch in Mainz und Offenbach
Mit Michel Verjux ist ein weiterer Lichtkünstler bei der Luminale präsent: Vor unseren Augen heißt seine Ausstellung in der Galerie Dorothea van der Koelen in Mainz-Bretzenheim, in ihrer Halle am Dammweg 7a in Mainz Laubenheim präsentiert van der Koelen zudem Lichtkunst von Lore Bert, François Morellet und Joseph Kosuth.
Musik und farbige Illumination sind täglich um 20 Uhr im Rheinhessendom St. Stephan, Mainz-Gonsenheim, zu erleben. Licht und Farbe werden heute und in den nächsten Tagen aber auch die großen Frankfurter Kirchen erstrahlen lassen, so die Dreikönigskirche in Sachsenhausen. Und in Offenbach soll der bezaubernde Lili-Tempel durch eine Lichtinstallation zu neuem Leben erwachen, ein kühner Plan. Und schließlich besonders zu empfehlen: Umbautes Licht im Peter-Behrens-Bau in Höchst.
Informationen zum Programm im Internet unter www.luminapolis.com. Der Luminale 2008-Bus steuert von 18 bis 1 Uhr zahlreiche Installationen in Frankfurt an (alle zehn Minuten ab Haltestelle Festhalle/Messe), von 17 Uhr an fährt alle halbe Stunde ab Haltestelle Paulsplatz ein Bus zu den Offenbacher Veranstaltungen.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: Andreas Brand
