Von Boris Schmidt
23. April 2008 Vielleicht war früher alles besser. Ein Auto hatte vier Räder, zwei davon wurden angetrieben. Etwas anderes als eine Limousine war früher die Ausnahme, heute ist es die Regel. Nahezu jeder automobile Sonderwunsch wird befriedigt, und besonders gemocht werden die Geländewagen und ihre Brüder, die etwas sanfteren SUVs.
Das Kürzel steht für Sports Utility Vehicle“ und meint in etwa ein sportliches Nutzfahrzeug. Selbst im sehr schwachen Jahr 2007 gab es in diesem Fahrzeugsegment in Deutschland noch 2,6 Prozent Zuwachs.

Tatsächlich ist ein SUV ein praktisches Auto: Es geht viel rein, man sitzt hoch, was einen schönen Überblick und einen bequemen Einstieg mit sich bringt, und wegen des Allradantriebs darf man sich auch im Winter auf der sicheren Seite fühlen. Das alles gilt natürlich ebenso für den Honda CR-V (Comfortable Runabout Vehicle), der seit Anfang des Jahres in der dritten Auflage in Deutschland verkauft wird.
Die Kleinen auf dem Rücksitz immer im Blick
Mit einer Länge von 4,52 Meter wird der Honda noch den kompakten SUV zugerechnet, über Platzmangel kann man sich aber wahrlich nicht beklagen. Vorn wie auf der Rückbank bleiben kaum Wünsche nach Entfaltungsmöglichkeiten offen, nur sitzt man hinten etwas tief – dafür lässt sich aber auch hier die dreifach geteilte Lehne in der Neigung verstellen (drei Positionen).
Fahrer und Beifahrer blicken auf ein aufgeräumtes Armaturenbrett, das in der Mitte den Schalthebel beherbergt. Ablagen finden sich reichlich, unter anderem gibt es zwei Handschuhfächer, und ein netter Gag ist der herausklappbare Innenraumspiegel am Brillenfach vorn in der Dachmitte: So kann man immer sehen, was die Kleinen auf den Rücksitzen treiben.
Schnallen sie sich ab, wird das aber ohnehin im Info-Display angezeigt. Das findet sich mittig zwischen dem analogen Tacho und dem analogen Drehzahlmesser. Dort wird außerdem unter anderem digital über den Benzinvorrat und die Temperatur des Kühlwassers informiert.
Vornehmer Auftritt in der gesamten Linie
In der teuren Executive-Ausstattung (es gibt außerdem Comfort und Elegance) kommt der Honda durchaus edel daher, die Sitze sind mit Leder bezogen, die hinteren Scheiben verdunkelt, wie auch das bei Executive serienmäßige, aber starre Glasdach. Weil die gesamte Linie des CR-V kaum martialische Züge trägt, kann man dem Honda einen vornehmen Auftritt nicht absprechen, besonders hat uns der coupéhafte Schwung im dritten Seitenfenster gefallen.
Auch der Kofferraum ist vorbildlich aufgeräumt, dazu ist er durch eine herausnehmbare Platte horizontal zweigeteilt. Und in Zeiten der Tirefit-Systeme ist das Notrad im Kofferraumboden fast schon ein Pluspunkt. Den gibt es ganz sicher für das Fassungsvermögen: Das Volumen von 525 Liter bis zur Sichtkante taugt für den großen Urlaubstrip mit der Familie.
Klappt man die Rückbank um, steigt das Ladevolumen auf mehr als 1500 Liter. Weil die Rückbank zusammengefaltet und senkrecht gestellt stehen bleibt, verschenkt Honda einiges an Volumen und Laderaumlänge (so sind es 1,60 Meter). Wer die Bank für den kleinen Umzug ganz herausnehmen will, muss zum Schraubenschlüssel greifen.
Alle gängigen Extras sind schon bezahlt
Stets zum viel zu klobigen Schlüssel greifen muss man auch, wenn man den CR-V anlassen will. Ein Keyless-Go lässt sich ebenso wenig bestellen wie ein Automatikgetriebe für den Dieselmotor. Sonst hält der Beiname Executive“ das, was er verspricht.
Die gängigen Extras sind schon bezahlt, auch Xenonlicht, eine Einparkhilfe, Sitzheizung und ein CD-Radio sind an Bord. Und eine hohe passive Sicherheit haben alle CR-V: Sechs Airbags schützen die Passagiere, darunter auch Kopfairbags, die im Notfall über die gesamte Breite des Fahrzeugs wirksam werden.
Auf der Aufpreisliste stehen nur noch Metalliclack (525 Euro), ein Navigationssystem mit Rückfahrkamera (2800 Euro) und das Safety-Paket“ für 2950 Euro. Letzteres umfasst CMBS, ACC und Kurvenlicht.
Der Honda bremst von selbst
Bei CMBS handelt es sich um ein automatisches Bremssystem, das uns einmal in die Parade fuhr, als wir etwas forsch auf einen abbiegenden Wagen zufuhren: Der Honda bremste von selbst, warnte akustisch sowie optisch und zog die Gurte straff, ließ aber locker, als der Wagen verschwand.
Dieses präventive Fahrerassistenzsystem (Collision Mitigation Brake System) gibt es bei Honda sonst nur im Legend und im brandneuen Accord. Es misst mittels eines Millimeterwellen-Radars den Abstand zum Vordermann und leitet im Notfall eine Verzögerung mit bis zu 60 Prozent der vollen Bremsleistung ein.
Wir würden auf solche Bevormundung gern verzichten. Dagegen genossen wir den Komfort, den ACC bietet. Dieser intelligente“ Tempomat, der den Sicherheitsabstand zum Vorausfahrenden selbsttätig reguliert, ist ein wahrlich großer Komfortgewinn. Nur arbeitete das System nicht ganz so perfekt, wie wir es zum Beispiel von Mercedes-Benz oder Volvo kennen, was aber an der fehlenden Automatik gelegen haben kann. Das Verzögern und das Beschleunigen gingen nicht immer ganz ruckfrei vonstatten.
Erst rauh - dann sanfte Zurückhaltung
Es ist schade, dass Honda den Diesel-CR-V nur mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe ausliefert, an dem es im Prinzip nichts zu kritisieren gibt. Zur Charakteristik des drehmomentstarken (340 Newtonmeter maximal) Turbodiesels würde eine Getriebeautomatik gut passen. Sie hätte auch im Anhängerbetrieb Vorteile. So muss man sich manuell behelfen, was für manchen Autofahrer jedoch selbstverständlich ist.
Der Diesel (mit Partikelfilter) ist nur kurz nach dem Start ein rauher Geselle, später hält er sich akustisch sehr vornehm zurück, was auch für den Bedarf an Kraftstoff gilt. Im Schnitt 8,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer sind für ein doch großes und schweres Auto (1,65 Tonnen leer) ein guter Wert. Wer das Gaspedal nur streichelt, kann auch mit exakt acht Liter auskommen, wer jedoch auf der Autobahn ständig in der Nähe der Höchstgeschwindigkeit (187 km/h) unterwegs ist, muss mit knapp zehn Litern rechnen.
Die gute Alternative zur Kombi-Limousine
Wenn der Honda ein Manko hat, dann ist es der Federungskomfort. Mit gröberen Löchern kann sich der CR-V nicht anfreunden, und wellige Autobahnen mag er ebenfalls nicht so gern. Aber natürlich ist der CR-V im positiven Sinn meilenweit von dem entfernt, was früher bei Geländewagen als Federungskomfort“ galt. Nur wird heute gerade diese Gattung SUV sehr oft von ehemaligen Limousinenfahrern gekauft, die endlich auch mal über den Stau blicken wollen, und da darf man schon kritisch sein.
Wirklich gut bis sehr gut ist dagegen das Fahrverhalten. Selbst in schnell gefahrenen Kurven bleibt der Wagen neutral, da kann man kaum etwas falsch machen – zumal man in der Hinterhand noch ESP hat. Die hydraulische Servolenkung lässt kaum Wünsche offen, sie ist sehr präzise und gibt einem ein gutes Gefühl für den Wagen.
Die Bremsen haben mit dem nicht leichten Fahrzeug einige Mühe (bei Vollbremsung). Gut 40 Meter Bremsweg aus 100 km/h sind allenfalls durchschnittlich. Vom Allradantrieb spürt man so gut wie gar nichts. Das muss nicht wundern, denn in der Regel werden nur die Vorderräder angetrieben. Erst wenn eines der beiden Traktionsverlust zeigt, kommen automatisch die Hinterräder ins Spiel, was offenbar sehr gut funktioniert.
Der Honda ist auf seine Art viel mehr als einfach nur noch ein SUV. Er ist eine gute Alternative zur Kombi-Limousine, er bietet ebenso viel Platz, punktet aber mit der besseren Übersicht, und wenn es an Ostern mal wieder schneit, hat man ja noch den Allradantrieb in petto.
Daten und Messwerte
Empfohlener Preis 32.950 Euro
Preis des Testwagens 41.675 Euro
Vier-Zylinder-Turbodieselmotor, vier Ventile je Zylinder, 2204 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 103 kW (140 PS) bei 4000/min
Höchstes Drehmoment 340 Nm bei 2000/min, mindestens 90 Prozent davon ab 1800 bis 4800/min
Sechs-Gang-Getriebe (Automatik nicht erhältlich)
Antrieb auf die Vorderräder, Hinterradantrieb schaltet automatisch zu
Länge/Breite/Höhe 4,53/1,82/1,68 Meter
Radstand 2,63 Meter
Leergewicht 1610 (tatsächlich 1650), zulässiges Gesamtgewicht 2160, Anhängelast 2000 Kilogramm; Kofferraumvolumen 525 bis 1532 Liter
Reifengröße 225/60 R 18
Höchstgeschwindigkeit 187 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 11,0 s, von 50 auf 100 km/h im 4./5./6. Gang in 10,4/13,7/19,8 s
Verbrauch 8,0 bis 9,7, im Durchschnitt 8,7 Liter Diesel je 100 km; 173 g/km CO2 bei Normverbrauch von 6,5 Liter; Tankinhalt 58 Liter
Versicherungs-Typkl. HP 20 , TK21 , VK 22
Garantie drei Jahre oder 100.000 Kilometer, drei Jahre auf Lack, 12 Jahre auf Durchrostung, Wartung alle 20.000 Kilometer oder jährlich
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Hersteller