Tesla

Das neue Spielzeug der Google-Jungs

Von Roland Lindner, San Carlos

Vor einer guten Woche hat Sergey Brin als einer der ersten Menschen der Welt das heißbegehrte Elektroauto Tesla ausgeliefert bekommen

Vor einer guten Woche hat Sergey Brin als einer der ersten Menschen der Welt das heißbegehrte Elektroauto Tesla ausgeliefert bekommen

14. August 2008 Sergey Brin findet immer ein Haar in der Suppe. Vielleicht ist Perfektionismus auch normal für jemanden von seinem Kaliber, denn er ist schließlich einer der Mitgründer des Internetgiganten Google. Vor einer guten Woche hat Brin als einer der ersten Menschen der Welt das heißbegehrte Elektroauto Tesla ausgeliefert bekommen. Keine zwei Tage später schrieb er eine lange E-Mail mit seinen Fahreindrücken an den Hersteller Tesla Motors, erzählt Vorstandsvorsitzender Ze'ev Drori im Gespräch mit dieser Zeitung am Firmensitz in San Carlos in der kalifornischen Technologieregion Silicon Valley. Brin sei begeistert von dem Sportflitzer gewesen, aber ein paar Sachen habe er eben doch auszusetzen gehabt. Die Kontrollanzeigen haben ihm nicht gefallen, und er schlug vor, eine Kamera im Rückspiegel zu installieren. Drori hat zu diesen Kritikpunkten eine etwas andere Auffassung, aber trotzdem legt er Wert auf Brins Meinung. Schließlich ist Brin nicht nur ein Kunde von Tesla, sondern auch ein Investor, ebenso wie sein Google-Mitgründer Larry Page.

Tesla Motors lässt mit seinem Roadster im Moment die Autoindustrie aufhorchen. Das Elektroauto gilt als Hoffnungsträger in der Branche, die im Zeitalter steigender Benzinpreise mit Hochdruck an Alternativen zu Autos mit Verbrennungsmotoren arbeitet. Tesla hat vor ein paar Wochen mit der Auslieferung seiner ersten Autos begonnen, nach einer holprigen Vorgeschichte, die von Verzögerungen und internen Machtkämpfen geprägt war. Während die etablierten amerikanischen Autokonzerne wie General Motors oder Ford in einer schweren Krise stecken und auf ihren Autos sitzenbleiben, kann sich Tesla vor Kunden für den Roadster kaum retten - trotz des stattlichen Kaufpreises von 109.000 Dollar.

Warteliste mit 1120 Käufern

Wer heute einen Tesla bestellt, muss viel Geduld mitbringen: Es gibt eine Warteliste mit 1120 Käufern, die 50.000 Dollar für das Auto angezahlt haben, und die Produktion wird nur langsam hochgefahren. Bislang hat das Unternehmen erst zwölf Teslas an Kunden übergeben. Im Moment werden nur vier Autos in der Woche in der Montagehalle in San Carlos fertiggestellt und ausgeliefert, bis Ende des Jahres sollen es 30 sein. Drori sagt, die Warteliste schwillt derzeit um 25 Einträge in der Woche an. In Europa soll der Roadster im nächsten Frühjahr erstmals ausgeliefert werden. Tesla nimmt seit kurzem Aufträge entgegen und hat nach Angaben von Drori mehr als 50 Kunden. Innerhalb der nächsten sechs Monate soll eine erste deutsche Verkaufsstelle in München eröffnet werden.

Die Google-Jungs sind nicht die einzigen prominenten Tesla-Kunden, auf der Warteliste finden sich Technologieunternehmer ebenso wie Stars aus der Unterhaltungsbranche. Der Schauspieler George Clooney wird in ein paar Wochen seinen Roadster bekommen, der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger ist im Oktober dran. Drori beteuert, jeder Neukunde müsse sich auf der Warteliste hinten einreihen, wie reich oder prominent er auch sein mag. Viele Kunden sind aus dem traditionell umweltbewussten Kalifornien, wo auch das Toyota-Hybridauto Prius seinen Siegeszug in Amerika begann.

Ein reines Elektroauto

Der Tesla ist ein reines Elektroauto, anders etwa als ein Hybridauto, das sowohl einen Elektro- als auch einen Verbrennungsmotor miteinander kombiniert. Auch der große Hoffnungsträger Chevrolet Volt von General Motors, der im Jahr 2010 auf den Markt kommen soll, funktioniert anders. Der Volt hat ebenfalls zusätzlich zur Batterie noch einen Benzinmotor. Im Gegensatz zum Hybrid springt dieser aber nur als Reserve ein, wenn die Batterie leer ist, und er lädt sie während des Betriebs auch wieder auf. Der Tesla-Roadster bringt es mit seiner Lithium-Ionen-Batterie nach Angaben des Unternehmens auf eine Reichweite von 350 Kilometern. Er hat 250 PS und beschleunigt von null auf hundert Stundenkilometer in weniger als vier Sekunden. Der Tesla-Roadster wird zum größten Teil im britischen Werk des Sportwagenherstellers Lotus gefertigt, in San Carlos findet nur noch die Endmontage inklusive des Einbaus der Batterie statt.

Das im Jahr 2003 vom Ingenieur Martin Eberhard gegründete Unternehmen hatte einige Hürden zu überwinden, bis das erste Auto ausgeliefert wurde. Der Roadster wurde schon vor zwei Jahren als Prototyp in einer feierlichen Zeremonie in Kalifornien im Beisein von Schwarzenegger vorgestellt und sollte bald danach marktfähig sein.

Schwierigkeiten bei der Entwicklung eines Getriebes für das Auto warfen Tesla aber im Zeitplan weit zurück. Dann überwarf sich Eberhard mit seinem Großinvestor und Verwaltungsratsvorsitzenden Elon Musk. Eberhard wurde zunächst aus der Position des Vorstandsvorsitzenden gedrängt und verließ das von ihm gegründete Unternehmen schließlich ganz. Die Querelen lasteten schwer auf Tesla, wie Eberhards Nachfolger Drori zugibt: "Das hat die Stimmung hier natürlich gedrückt."

„Uns spielt doch als Hersteller von Elektroautos alles in die Hände“

Nun aber will Drori in die Zukunft blicken, und nach seiner Meinung könnten die Voraussetzungen für Tesla gar nicht besser sein: "Uns spielt doch als Hersteller von Elektroautos alles in die Hände: Ob es jetzt der hohe Benzinpreis ist oder das international gestiegene Umweltbewusstsein." Das Zeitalter der großen Benzinschlucker wie der einst in Amerika so beliebten Geländewagen (SUV) und Transporter (Pick-ups) ist nach Meinung von Drori vorbei, und das Elektroauto sei anderen alternativen Konzepten zum Verbrennungsmotor überlegen. Die Brennstoffzelle sei auf Sicht von Jahrzehnten zu teuer, und der Einsatz von Biokraftstoffen führe nur zu neuen Problemen wie höheren Lebensmittelpreisen.

Entsprechend sieht Drori rosige Aussichten für Tesla: "Wir können in zehn Jahren ein richtig großes Unternehmen sein. Wir wollen mehr sein als ein Nischenhersteller, der nur die Reichen und Prominenten bedient." Um das zu schaffen, will Tesla seine Produktpalette schnell erweitern. Im Jahr 2010 will er eine familientaugliche Stufenhecklimousine auf den Markt bringen, die für 60.000 Dollar zu haben sein soll. Dieses Auto will Tesla dann vollständig in Kalifornien fertigen und dafür ein neues Werk errichten, in dem 1000 Beschäftigte arbeiten sollen. Drori will bald 3000 Roadster und 20.000 Limousinen im Jahr verkaufen. In der Zukunft sollen weitere Modelle folgen, darunter sogar ein Elektro-SUV. Drori nimmt sich vor, mit Tesla im zweiten Quartal des nächsten Jahres die Gewinnzone zu erreichen. Er kann sich für Tesla in der Zukunft einen Börsengang vorstellen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, Tesla Motors

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Er hat 250 PS und beschleunigt von null auf hundert Stundenkilometer in weniger als vier SekundenAuf der Warteliste finden sich Technologieunternehmer ebenso wie Stars aus der UnterhaltungsbrancheSchauspieler George Clooney wird in ein paar Wochen seinen Roadster bekommen, der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger ist im Oktober dranDer Tesla ist ein reines Elektroauto, anders etwa als ein Hybridauto, das sowohl einen Elektro- als auch einen Verbrennungsmotor miteinander kombiniert„Uns spielt doch als Hersteller von Elektroautos alles in die Hände” Der Hoffnungsträger in der Branche: ein ElektroautoDer Tesla-Roadster bringt es mit seiner Lithium-Ionen-Batterie auf eine Reichweite von mindestens 350 KilometernStattlicher Kaufpreis von 109.000 DollarTesla Motors lässt mit seinem Roadster im Moment die Autoindustrie aufhorchenDrori will bald 3000 Roadster und 20.000 Limousinen im Jahr verkaufen