Von Martina Göres
28. April 2008 Mit dem Modelljahr 2008 hat sich die Corvette endgültig in das Segment der Spitzensportwagen hineinkatapultiert. Satte 321 kW (437 PS) Leistung aus einem bulligen, von 6,0 auf 6,2 Liter Hubraum vergrößerten V8-Motor, bärige 575 Newtonmeter Drehmoment, ein Beschleunigungswert von 4,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und mehr als 300 km/h Höchstgeschwindigkeit sprechen eine deutliche Sprache. Die Fahrleistungen des 4,44 Meter langen Zweisitzers können sich durchaus mit denen des Extremsportlers Porsche 911 GT3 messen lassen. Das Topmodell der Corvette-C6-Baureihe, die technisch unveränderte, 377 kW (512 PS) starke Z06, stellt mit einem Sprint von 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und einer Spitzengeschwindigkeit von 320 km/h die Performance des strammen Zuffenhauseners sogar in den Schatten.
Dabei ist der amerikanische Sportwagen, den General Motors seit Einführung der sechsten Generation Ende 2004 unter eigenem Namen und nicht mehr unter der Marke Chevrolet vertreibt, im Vergleich zur deutschen Konkurrenz preislich ein wahres Schnäppchen. Nach umfangreicher Modellpflege kostet das Corvette-Coupé wie zuvor 65.290 Euro, das Cabrio steht mit 74.950 Euro in der Liste. Die Versionen mit Sechsstufenautomatik verlangen jeweils 3600 Euro Aufschlag; für die Z06 sind 88.150 Euro fällig. Zum Vergleich: Der Einstieg in den Porsche 911 beginnt bei 81.128 Euro, das GT3-Coupé kostet 112.544 Euro.
Weg vom Goldkettchen-Image und weitab vom Rotlicht-Milieu
Während weltweit jährlich rund 42.000 Corvette verkauft werden (7000 davon entfallen auf die starke Z06), krankte die seit 1953 fast 1,5 Millionen Mal produzierte Sportwagenikone hierzulande lange Zeit an ihrem Renommee und dem Ansehen ihrer Käufer. Vor allem mit dem aktuellen, im Vergleich zu den Vorgängern deutlich schlankeren und kompakteren Modell scheint sich das Bild aber zu wandeln. Weg vom Goldkettchen-Image und weitab vom Rotlicht-Milieu, habe sich das Profil der Corvette-Käufer positiv verändert, freut sich Gerard Jansen, bei Corvette für den Vertrieb in Europa zuständig. Heute sind sechzig Prozent unserer Kunden Akademiker, und die Tendenz ist weiter steigend.“
Bei der Modellpflege der C6 setzten die Amerikaner denn auch nicht nur auf pure Leistungssteigerung, sondern kümmerten sich speziell um die Kritikpunkte, die dem in Kentucky gebauten Boliden bisher angelastet wurden. So haben die Spezialisten die manuelle Sechsgangschaltung und die Sechsstufenautomatik mit Schaltwippen am Lenkrad zugunsten kürzerer Schaltzeiten gründlich überarbeitet; die Zahnstangenlenkung wurde verbessert, um bei allen Geschwindigkeiten eine bessere Rückmeldung zu geben.
Wem die Z06 noch nicht ausreicht, der wartet auf die ZR1
Dem bislang eher lieblos anmutenden Innenraum widmete man verstärkte Aufmerksamkeit. Der Instrumententräger erhielt haptisch ansprechendere Kunststoffoberflächen mit hellen Einfassungen für Schalthebel und Becherhalter; das Interieur wirkt jetzt insgesamt hochwertiger. Gegen 3890 Euro Aufpreis ist das Cockpit mit zweifarbigem Leder ausgestattet. Die weichen Tierhäute finden sich dann auch auf den Sitzen und in den Türpolstern wieder, und der eingestickte Corvette“-Schriftzug prangt auf dem Armaturenbrett.
Der ganz aus Aluminium gefertigte Smallblock-V8-Motor mit seinen komplett überarbeiteten Zylinderköpfen und neuen, auf hohe Drehzahlen ausgelegten Kolben bietet ein faszinierendes Sounderlebnis – und dazu natürlich Kraft im Überfluss, die auf die Hinterräder übertragen wird. Wem die Leistung auch in der Z06 noch nicht ausreicht, der wartet auf die Corvette ZR1. Dieser von Ende des Jahres an für Deutschland nur in homöopathischen Stückzahlen erhältliche Supersportler wird von einem rund 456 (620 PS) starken 6,2-Liter-Kompressor-V8 befeuert, das maximale Drehmoment soll 823 Newtonmeter (!) betragen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: © GM Corp, Hersteller
