Von Gerold Lingnau
13. Mai 2008 Es war so schön gedacht: ein Kleinwagen, in den man dank Schiebetüren bequem und auch in engen Verhältnissen gut einsteigen kann und der so als Welt-Unikat eine große und dankbare Käuferschaft findet. Die blieb freilich aus: In Deutschland wurden 2007 vom erst vor dreieinhalb Jahren erschienenen Peugeot 1007 noch ganze 2200 Stück verkauft - nach gut 6000 im Vorjahr -, und in Europa hat sich der Absatz im vergangenen Jahr mit reichlich 18.000 Stück mehr als halbiert. Woran liegt's?
Zunächst gewiss am Preis: Schiebetüren - erst recht elektrisch betätigte - sind eine aufwendige Lösung, und diese Kosten schlagen im Entgelt für einen Kleinwagen besonders schmerzlich durch. Unter 14.750 Euro fürs passabel ausgestattete Basismodell ist kein 1007 zu haben. Unser Exemplar, zugegeben die teuerste Version mit dem stärkeren der beiden angebotenen Dieselmotoren (1,6 Liter, 80 kW/109 PS), hätte nach Liste 19.450 Euro, mit seinem teuren Extrazubehör sogar 22.410 Euro gekostet. Für seinen Grundpreis bekommt man aber schon in der unteren Mittelklasse etwas Ordentliches, zum Beispiel einen Peugeot 308 Tendance mit dem gleichen Motor.
Sitzchen statt Sitze
Das Geld ist es indes nicht allein. Im Alltag zeigt sich auch, dass der 1007 längst nicht so praktisch ist wie erhofft. Natürlich steigt man vorn bequem ein, speziell wenn dicht nebeneinander geparkt wird. Aber der Zugang zu den beiden Rücksitzen ist eher noch schlechter als bei einem normalen Zweitürer und viel mühsamer als bei viertürigen Kleinwagen, von denen es ja eine ganze Menge gibt. Kommt hinzu, dass die konstruktionsbedingt abenteuerlich breite mittlere Dachsäule jede Sicht nach schräg hinten verwehrt.
Den wichtigen Schulterblick kann man sich hier sparen. Umso schlimmer, dass die Außenspiegel nicht asphärisch sind. Während man vorn an Sitzkomfort nichts vermissen muss - das gilt auch für Leute jenseits von 1,90 Meter Körperlänge -, sind die beiden Einzelsitze im Fond eher Sitzchen; besonders störend ist ihr geringer Abstand vom Boden, so dass allenfalls der Nachwuchs dort dauerhaft glücklich ist. Da trösten auch die vielen gescheiten Ablagemöglichkeiten wenig.
Soll der 1007 außer zum Kindergarten-Shuttle auch zum Einkaufswagen taugen, zeigt sich neues Ungemach. Im Normalzustand wird der Kofferraum seinem Namen in keiner Weise gerecht. Die kärglichen 178 Liter hinter einer 80 Zentimeter aufragenden Bordwand sind in der Praxis nicht einmal zur Gänze nutzbar, weil zwei riesige Hebel für die Längsverstellung der Rücksitze - überflüssig, weil es auch vom Innenraum her Griffe dafür gibt - die schmale Grundfläche weiter einengen.
Da verblassen die restlichen Qualitäten
Will man das Ladevolumen vergrößern, kann man die Fondsitze einzeln bis zum völligen Verlust des Knieraums nach vorn rücken (das ergibt 364 Liter) oder sie vorwärts wickeln (1048 Liter), aber nur, wenn die Vordersitze weit nach vorn geschoben und ihre Benutzer arg eingeklemmt sind. Es zwickt und zwackt also überall im 1007, obwohl er mit 3,73 Meter Länge gar nicht so klein ist, und auch das dürfte den Kaufinteressenten nicht verborgen geblieben sein.
Bei so viel Enttäuschung über so viel gut gemeinten Aufwand verblassen die restlichen Qualitäten des kleinen Peugeot. Die liegen zwar nicht gerade im (mäßigen) Federungskomfort, wohl aber im sicheren Fahrverhalten - ESP ist in allen 1007 serienmäßig - und vor allem im Motor, der befriedigend leise läuft und dem Auto zu respektablen Fahrleistungen verhilft: 187 km/h Höchstgeschwindigkeit, 11,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, etwa genauso viel von 50 auf 100 km/h im 4. und 16,7 Sekunden im 5. Gang. Hohe Drehzahlen scheut der kleine Diesel nicht, aber auch wenn man sie meidet, bleiben seine Trinkgewohnheiten ungut: 6,4 Liter Diesel für 100 Kilometer im Schnitt. Sparsam ist anders. Auch damit verfehlt der 1007 den Einzug in die Herzen der Kunden, und so wird er wohl ohne Nachfolger bleiben.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller
