Von Matthias Pfannmüller
13. März 2005 Seit 25 Jahren definiert der Range Rover die Spezies luxuriöser Geländewagen. Um den gebührenden Abstand der dritten, 2002 eingeführten Generation zu den Konkurrenten sicherzustellen, wurde er jetzt überarbeitet, Ende Mai kommt er nach Deutschland. Die optischen Änderungen fallen behutsam aus. Modell-Liebhaber werden die Unterschiede am Frontfänger oder an der modifizierten Grill- und Scheinwerfermimik erkennen.
Die wichtigsten Neuerungen sind technischer Natur. Abgesehen vom weiterhin erhältlichen BMW-Diesel Td6 (60400 Euro) wird der Range nun wahlweise von zwei Jaguar-V8-Benzinern angetrieben. Der "kleine" Achtzylinder darf als Ersatz für den vielfach als träge empfundenen Bayern-V8 gelten. Aus 4,4 Liter Hubraum schöpft er 220 kW (298 PS) und ein maximales Drehmoment von 400 Nm. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt er in 8,7 Sekunden und damit eine halbe Sekunde schneller als bisher; die Höchstgeschwindigkeit beträgt 200 km/h. Statt der bisherigen Fünfgang-Automaten liefert ZF jetzt eine Sechsgang-Box. Sie soll die Leistung harmonischer und bei voller Abfrage nicht mehr so hektisch schaltend in Vortrieb umsetzen. Die Lenkung hat man direkter übersetzt, das ist in der Stadt von Vorteil, bringt auf der Autobahn aber etwas nervöse Reaktionen mit sich. Außerdem wird jetzt statt der zentralen Torsensperre eine elektronische Sperre eingebaut. Die Geländegängigkeit leidet nicht darunter. Der Durchschnittsverbrauch soll 14,9 Liter Super auf 100 Kilometer betragen; die Preise beginnen bei 74700 Euro.
395 PS, 16 Liter Verbrauch
Das neue Range-Rover-Topmodell ist jetzt ein von einem Kompressor beatmeter 4,2-Liter-V8, der 291 kW (395 PS) sowie 560 Nm leistet, im Schnitt 16 Liter konsumiert, die Zusatzbezeichnung "Supercharged" (SC) trägt und großartig klingt. Von 0 auf 100 km/h geht es in nur 7,5 Sekunden, 210 km/h sind möglich. An Leistung herrscht also wahrlich kein Mangel, doch bleibt der Range eine 2,65 Tonnen schwere Burg, und das spürt man. Zwar sorgt eine Brembo-Bremsanlage für anständige Verzögerung, und ein strafferes Fahrwerk verringert die Wankbewegungen um 15 Prozent, aber von der Härte im Porsche Cayenne ist der SC noch weit entfernt. Er bleibt dem Komfort verpflichtet. Land Rover rechnet damit, daß etwa die Hälfte der Benziner als SC bestellt wird.
Um sich optisch von der V8-Basis abzuheben, trägt der Supercharged einen attraktiveren Grill in Maschendraht-Design. 19-Zoll-Räder sind hier Serie, 20-Zöller möglich. Weiße Rückleuchten-Reflektoren sollen Akzente setzen und tun es mit blau gefärbten Lämpchen, die an tiefgetunte Kleinwagen erinnern. Mit feinsten Innenraum-Materialien und Preisen von 99900 Euro an ist der SC aber wieder ganz der Oberklasse verpflichtet. Alle Range Rover können mit der besonders üppigen Vogue-Ausstattung geordert werden. Die enthält nun eine überall arretierbare "Venture-Cam", mit der man sich beim Fahren selber filmen kann.
Text: F.A.Z., 08.03.2005, Nr. 56 / Seite T4
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