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Navigationsgeräte
Auf dem Weg zu 2.0

Mit der Genehmigung der Übernahme des Navigationsspezialisten Navteq durch Nokia ist die Neuordnung der Szene im Navigationsgeschäft im Groben zunächst abgeschlossen. Jetzt stehen Nokia und sein frisch erworbener Hersteller digitaler Karten der zweiten Allianz aus Tom Tom und Teleatlas gegenüber. Damit sind die einzigen zwei Hersteller digitaler Karten auf der Welt vergeben. Jetzt wird von Branchenbeobachtern damit gerechnet, dass beide Lager versuchen werden, ihre Position durch Partnerschaften zu festigen.

Einen ersten Schritt in diese Richtung sind unlängst Teleatlas und Tom Tom gegangen. In der jüngsten Mitteilung ist von einer „langfristigen Partnerschaft” mit Google die Rede. Eigentlich ist dies nicht wirklich aufregend. Teleatlas lieferte schon bisher digitale Karten an Google. „Für uns ist die Partnerschaft mit Google von sehr hoher strategischer Bedeutung”, betont jedoch Alain De Taeye, der Gründer und bis Anfang Juni 2008 auch der Vorstandsvorsitzende von Teleatlas, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Änderungsvorschläge von Google-Nutzern

Die Vereinbarung ist auf den ersten Blick simpel gestrickt: Teleatlas wird Google jeweils aktuelle Karten von 200 Ländern zur Verfügung stellen. Zu welchem Preis dies geschieht, wird von den Unternehmen nicht verraten. Google kann mit diesen Karten seine Dienste Google-Maps und Google-Earth bestücken - nutzt dort aber bisher auch die Karten des Wettbewerbers Navteq. Die Kooperation mit Teleatlas aber ist um einen entscheidenden Schritt erweitert worden. So erhält Teleatlas Zugriff auf die Änderungsvorschläge, die die Google-Nutzer in den Karten von Google-Maps hinterlassen können.

Diese Interaktivität der Kartenerstellung ist für De Taeye, der in den kommenden Wochen in den Vorstand von Tom Tom wechseln wird, der wesentliche Schritt auf dem Weg in die Zukunft der Navigation - und gleichzeitig der Grund dafür, warum Tom Tom und Teleatlas gut zusammenpassen.

Durchschnittsgeschwindigkeit als Berechnungsgrundlage

„Tom Tom selber sammelt seit etwa zwei Jahren Fahrdaten der Nutzer, anonymisiert und mit deren Einverständnis natürlich. Diese Daten werden jetzt mit den Karten von Teleatlas verbunden”, erklärt De Taeye. Daraus ergeben sich nach seinen Worten völlig neue Möglichkeiten. So werde sich die Routenberechnung nicht mehr allein auf die kürzeste oder vermeintlich schnellste Strecke konzentrieren. Vielmehr werden die genauen Durchschnittsgeschwindigkeiten auf den einzelnen Straßen zu einer bestimmten Tageszeit als Berechnungsgrundlage herangezogen. Dies jedenfalls wird künftig so sein. Bisher können die Systeme auf dem Markt aber nur zwischen Wochenende und Werktag unterscheiden. Zusätzlich erhalten Tom Tom und Teleatlas genaue Informationen vom Mobilfunkbetreiber Vodafone. Dieser kann feststellen, auf welchen Straßen sich seine Handykunden mit normaler Geschwindigkeit fortbewegen und wo es stockt. Daraus erarbeitet Tom Tom derzeit einen Echtzeit-Stauwarner, der bald auch in Deutschland angeboten werden soll.

Hinzu kommen die Daten, die Teleatlas aus der Kooperation mit Google erhalten wird. Dabei können vor allem Änderungen im Straßennetz oder auch Sehenswürdigkeiten, die in der Fachsprache als POI oder Points of Interest bezeichnet werden, in die digitalen Karten eingepflegt werden. Diese Dynamisierung der Inhalte erzeugt nach Ansicht von Branchenbeobachtern eine völlig neue Form der digitalen Karten.

Absolut aktueller Zustand

Bisher waren die Karten Zustandsbeschreibungen zu einem Zeitpunkt, der mehr oder weniger weit in der Vergangenheit lag. Die unter Beteiligung der Benutzer gepflegten Karten von morgen hingegen werden Beschreibungen des bestenfalls absolut aktuellen Zustands sein - und das erweitert das Geschäftsmodell von Teleatlas erheblich. All diese mit den Karten künftig verbundenen Zusatzinformationen werden nach Angaben von De Taeye künftig auch den bisherigen Kunden von Teleatlas angeboten. Darauf basierende Dienste bleiben also nicht exklusiv den Geräten von Tom Tom vorbehalten. Zu den Kunden, die ihre digitalen Karten von Teleatlas beziehen, gehören unter anderem Blaupunkt, Becker oder auch Mercedes.

Entsprechend wichtig ist die Kooperation mit Google. „Wir stecken sehr, sehr viel Energie in die Gestaltung unserer Geschäftsbeziehung zu Google”, sagt De Taeye. Zentral ist dabei auch die Frage, ob es Google künftig erlaubt sein wird, mit Hilfe der Teleatlas-Karten auch Navigationsdienste anbieten zu dürfen. Dies ist bisher in den Lizenzvereinbarungen zwischen Teleatlas und dem Internetunternehmen kategorisch ausgeschlossen, um das Geschäftsmodell der Navigationssysteme nicht zu unterminieren. So kann der Nutzer sich von Google-Maps zwar eine Route berechnen lassen - die Anweisung „an der nächsten Ecke biegen Sie links ab” kommt aber noch bestenfalls vom Beifahrer. Nach Angaben von De Taeye könnte sich das künftig ändern.

„Die Party hat noch gar nicht richtig angefangen”

„Google-Maps wurde bisher eher am Computer zu Hause genutzt. Das aber bleibt nicht so”, betont De Taeye und fügt hinzu: „Es ist Googles wie auch Nokias erklärtes Ziel, in das Geschäft mit ortsbezogenen Inhalten auf mobilen Geräten einzusteigen. Das funktioniert nur, wenn sie die Inhalte auf einer Karte abbilden können. Gleiches gilt für die ortsbezogene Werbung auf mobilen Geräten - in der ebenfalls beide Unternehmen eine große Zukunft sehen.” Um diese sinnvoll anbieten zu können, muss auch in Google-Maps eine Navigationsfunktion integriert werden, die bisher von der Lizenz nicht gedeckt ist. „Das könnte sich aber ändern. Wir müssen nur Wege finden, wie wir damit Geld verdienen können.”

Die interaktiven Karten werden das Wachstum auf dem Markt für mobile Navigationsgeräte noch eine ganze Weile auf hohem Niveau halten, erwartet De Taeye. So liege die Penetrationsrate im internationalen Vergleich in Europa am höchsten und erreiche hier dennoch erst rund 15 Prozent. International liege dieser Wert sogar noch deutlich darunter. In Europa seien im vergangenen Jahr rund 20 Millionen Geräte verkauft worden, rund 70 Prozent mehr als im Vorjahr. In Nordamerika habe sich der Absatz sogar vervierfacht - hier sei allerdings das Niveau mit 12 Millionen verkauften Einheiten niedriger. „Wir haben keinen Grund, uns Sorgen über ein Abflauen der Nachfrage zu machen”, sagt De Taeye. „Ganz im Gegenteil: Die Party hat noch gar nicht richtig angefangen.”

F.A.Z.
Johannes Winkelhage


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