Von Peter Thomas
22. März 2007 Schmal, windschnittig und auf 2,50 Meter Länge Platz für zwei hintereinander sitzende Personen: Das Open Source Car (Oscar) sieht aus wie ein Enkel von Messerschmitts Kabinenroller. Doch der Wagen ist kein nostalgisches Spielzeug, sondern fahrbereites Konzept für die umweltfreundliche Mobilität in Städten und Ballungsräumen.
Elf Jahre Ingenieursarbeit stecken in dem silbrigen Knubbel, dessen Elektromotor auf 100 Kilometer gut sechs Kilowattstunden Batteriestrom verbraucht. Das ist die Energie, die ein moderner Selbstzünder aus einem Liter Dieseltreibstoff holt. Entsprechend bewerben seine Erfinder das Elektromobil auch als Ein-Liter-Auto (www.onelitercar.de).
Komponenten aus dem Regal
Oscar ist allerdings keine Entwicklung eines bestimmten Herstellers, sondern wurde in der Werkstatt der Akademischen Solartechnikgruppe e. V. (Akasol) an der Technischen Universität Darmstadt zusammen mit zahlreichen Partnern aus Industrie und Wissenschaft ersonnen. Die Studenten und jungen Ingenieure treiben mit ihrem Projekt die Entwicklung eines großserienfähigen, alltagstauglichen Elektrowagens seit 1996 voran.
Dabei geht es aber nicht einfach darum, ein komplettes Fahrzeug zu bauen. Unser Ziel ist es, verschiedene Schlüsselkomponenten bis zur Serienreife zu entwickeln, sagt Akasol-Sprecher Felix von Borck. Diese Module könnten etablierte Automarken dann für ihre eigenen Fahrzeuge verwenden. Denn wer ein Elektroauto wirtschaftlich produzieren will, der braucht Komponenten aus dem Regal, weiß der Ingenieur. Dazu zählen vor allem der Antrieb, die Batterietechnik und die auf Leichtbau bei hoher passiver Sicherheit ausgelegte Karosserie.
Der Zweisitzer mit Aluhaut
Oscar ist das Ergebnis der bisherigen Entwicklung. Wer den Wagen an der Steckdose betankt, bezahlt für eine komplette Füllung der 250 Kilogramm schweren Batterie rund 1,50 Euro. Das reicht für eine Strecke zwischen 100 und 200 Kilometer mit maximal 130 km/h bei durchaus agilen Fahrwerten: Den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h absolviert Oscar in sechs Sekunden.
In der vergangenen Woche stellte Akasol den Wagen Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee vor. Der nahm am Steuer Platz und zeigte sich angetan von dem Zweisitzer mit der Aluhaut: Ein wunderbares Projekt. Akasol will nun zusammen mit Partnern eine Serie von 1000 Fahrzeugen bauen, um die verschiedenen Module unter realistischen Bedingungen einem Langzeit-Flottentest zu unterziehen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: t+m