Opel Astra

Das Wachstum als Argument und Chance

Von Wolfgang Peters

02. Juli 2009 Wer heute mit Opel-Managern spricht, bewegt sich in einer Parallelwelt: Alles treibt mit Hochdampf auf die Präsentation des neuen Opel Astra zu, der Insignia wird den Verkäufern nach Unternehmensangaben aus den Händen gerissen, wärhrend irgendwo zwischen Magna, Moskau und General Motors unter Beteiligung deutscher Politik noch immer darüber geredet wird, ob das Unternehmen überhaupt noch eine Zukunft hat. Dabei ist die Chance sehr groß, dass der neue Astra alle alten Erfolge überflügelt.

Das beginnt mit dem Design, setzt sich über die neuen Dimensionen fort und führt hin zu jenem Fortschritt, den die Opel-Leute als „Insignia-Technologien jetzt auch in der Kompaktklasse“ bezeichnen. Doch der Astra verlässt die kompakte Klasse und lässt damit alle Klassenkameraden hinter sich: Im Vergleich zum Vorgänger streckt sich der Abstand zwischen den Achsen um 71 Millimeter auf 2,69 Meter. Das sind 110 Millimeter mehr als beim VW Golf VI und 50 Millimeter mehr als beim großzügig bemessenen Ford Focus. Die Länge über alles wird für den neuen Astra mit 4,42 Meter angegeben, auch hier ist der Opel in die Primus-Rolle hineingewachsen. Bei Breite (1814 Millimeter) und Höhe (1510) bleibt er auf dem Niveau der schärfsten Konkurrenten.

Die Astra-Dimension: Größer, glatter, schärfer und ohne Sternenstaub
Die Astra-Dimension: Größer, glatter, schärfer und ohne Sternenstaub

Starke Schultern, Charme und Glamour

Das soll auch auf den Preis zutreffen, an dem in Rüsselsheim noch gerechnet wird. Der billigste aktuelle Astra mit zwei Türen und Heckklappe ist zurzeit mit 16.300 Euro in der Liste verzeichnet, die günstigste viertürige Variante ist eine Art Sondermodell, das 16.900 Euro kostet. Der neue Viertürer wird wohl darüber liegen, der Zweitürer aber soll bei scharfer Kalkulation die Zulassungsstatistik durcheinanderwirbeln.

Das Design orientierte sich an den stilistischen Vorgaben des Insignia: Starke Schultern an den Seiten sollen Verlässlichkeit und Vertrauen signalisieren, in den Flanken bemühen sich Pfeil- und Sichelformen um die Leichtigkeit des Auftritts, die Frontpartie ist für Charme und Glamour zuständig, und das Heck kümmert sich um die Dynamik. Die breitere Spur in Verbindung mit einem komplett neuen Fahrwerk verleiht dem Astra schon im Stand die Aura eines Autos, das so schnell nichts umwirft.

Die Freude am Detail

Es bleibt bei Frontantrieb und einem sehr gut bestückten Motorenprogramm: Vier Common-Rail-Diesel und vier Ottotriebwerke stehen zur Wahl. Die Leistungen liegen bei den Selbstzündern in der Region von 70 bis 118 kW (95 bis 160 PS) und bei den Benzinern von 74 bis 132 kW (100 bis 180 PS). Darunter ist ein neu entwickelter 1,4-Liter-Turbo, der 103 kW (140 PS) bietet und bei Drehmoment und Verbrauch Maßstäbe setzen soll.

Auch im Astra-Innenraum sind die Bemühungen zu erkennen, die neuen Opel-Werte zu demonstrieren: Die Kunststoffe (feine Strukturen in den Oberflächen) fassen sich gut an, die Sitze sind von straff-komfortablem Aufbau, Akzente aus aluähnlichem Material setzen die Freude am Detail ins Licht (Chromringe an Drehstellern, die beim Bewegen eine angenehme Rückmeldung geben), und man hat den Eindruck, keine Form und keine Farbe habe hier zufällig Zugang gefunden.

Wie aus der Hand eines einzigen Menschen

Der neue Astra wirkt - wie schon der Insignia - wie aus der Hand eines einzigen Menschen, der weiß, welche Bedeutung das Ergebnis seiner Tätigkeit für das ganze Unternehmen haben kann. An der Front und im Heck sollen speziell entwickelte Prallsysteme die Reparaturkosten bei einem Unfall verringern.

Der neue Opel Astra orientiert sich nicht nur am größeren Bruder Insignia. Er wirft seine Netze nach den Familien von morgen aus, die ohne Zweitwagen leben müssen. Deshalb fährt er mit seinem Raum auf Rädern in seiner sehr realen und reellen Welt.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller

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