Von Michael Kirchberger
14. Juli 2007 Das große M ist die feine Kür für BMW. Der Buchstabe gilt als Garantie, das Beste an sportlicher Leidenschaft auf vier Rädern erleben zu dürfen. Mit mehr als 180.000 verkauften Fahrzeugen hat besonders der M3 seit 1986 der feinen BMW-Tochter M GmbH einen erheblichen Erfolg beschert, der Münchner Mythos wirkt fast magisch auf Männer (und auf Frauen, wie wir auf Anfrage gerne belegen). Jetzt kommt die vierte Generation: Für 66.650 Euro bietet die Neuauflage erstmals eine V8-Maschine.
Der Wagen sei eine völlig eigenständige Entwicklung, heißt es. Im Vergleich zum Dreier-Coupé der Großserie wurden 80 Prozent der technisch relevanten Teile neu konstruiert. So steht das 4,62 Meter lange Sportauto mit sehr angespannten Muskeln auf der Straße. Eine Powerdome genannte Kuppel wölbt sich aus der Alu-Motorhaube, zwei Lufteinlässe führen dem Vierliter-V8 zusätzliche Luft zum Atmen heran.
Akustisch höchst eindrucksvolles Erlebnis
Hinter den vorderen Radhäusern, wo sich Räder mit Michelin-Sport-PS2-Bereifung der Dimension 245/45 ZR 18 pudelwohl fühlen, sind weitere Belüftungen in die Kunststoffkotflügel eingelassen, eine zusätzliche Blinkleuchte auf filigranem Chromsteg ziert den Einlass. Als Dach spannt sich eine aus kohlefaserverstärktem Kunststoff geformte Konstruktion über die vier Plätze des Innenraums, das soll den Schwerpunkt senken und ist neu in der Klasse.
Unter dem wuchtigen Heck drängen die M-typischen vier Auspuffendrohre aus poliertem Edelstahl ins Freie. Sie versprechen ein akustisch höchst eindrucksvolles Erlebnis, wenn der V8 den 1655 Kilogramm schweren M3 in 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h katapultiert. Bei Tempo 250 schieben elektronische Wächter der noch schnelleren Fahrt einen Riegel vor. Der Normverbrauch liegt bei 12,4 Liter Superplus, das ist weniger als beim schwächeren Vorgänger.
Schaltfaul und dennoch sportlich fahren
BMW bilanziert den Fortschritt so: Sieben Prozent weniger Gewicht, acht Prozent geringerer Verbrauch, aber 17 Prozent mehr Leistung. Außerdem nutzt das M3 Coupé die Bremsenergie zur Stromerzeugung. Hierzu wird der Generator, der beim Beschleunigen für bessere Leistungsentfaltung vom Motor entkoppelt ist, über eine Kupplung wieder zugeschaltet, hilft beim Bremsen und erzeugt Strom für die Batterieladung.
309 kW (420 PS) liefert das Hochdrehzahl-Aggregat. Bei 8300 Umdrehungen in der Minute steht diese Leistung bereit, als Drehmomentspritze gibt die Maschine, die rund 15 Kilogramm leichter als der Reihensechser im Vorgängermodell ist, 400 Newtonmeter bei 3900/min ab. 85 Prozent dieses Moments liegen über eine Spanne von sechseinhalbtausend Umdrehungen an, schaltfaul und dennoch sportlich fahren, das soll so möglich sein.
Elektrisch betriebener Gurtassistent
Die Kraft fließt über eine gewichtsparende Zweischeibenkupplung und ein manuell geschaltetes Sechsganggetriebe zur Hinterachse. Dort sorgen breitere Michelin-Pneus für Traktion, sie haben die Dimension 265/45 ZR 18. Für besten Vortrieb ist ein variables Differential zuständig, das bis zu 100 Prozent des Moments dem Rad mit den besseren Traktionsbedingungen zuleiten kann.
Der V8-Motor entsteht in der BMW-Gießerei aus einer Aluminiumlegierung, gleich in der Nachbarschaft zu den Formel-1-Triebwerken des BMW-Sauber-Teams. Jeder Zylinder bekommt eine eigene Drosselklappe für blitzschnelles Ansprechverhalten, mit einer Taste auf der Mittelkonsole können die Kennlinien des Gaspedals sowie die der Lenkung und der elektronischen Stoßdämpferkontrolle nochmals geschärft werden.
Die Bemühungen um Leichtbau relativieren allerdings gewichtige Komfortmerkmale wie elektrische Sitzverstellung oder Klimaanlage. Es gibt sogar einen elektrisch betriebenen Gurtassistenten. Selbst bei einem Spitzensportler darf die Bequemlichkeit offenbar nicht vernachlässigt werden.
Text: F.A.Z., 10.07.2007, Nr. 157 / Seite T4
Bildmaterial: Kirchberger
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