Navigation im Cabrio

Wenn es auf die schönste Strecke ankommt

Von Michael Spehr

05. August 2007 Der Sommer ist für den automobilen Menschen vor allem die Lust am offenen Fahren. Großes Kino mit Kurs auf Endstation Sehnsucht, und der Weg ist das Ziel. Vier Cabriolets mit vier unterschiedlichen Navigationssystemen haben uns begleitet, sowohl im Gewühl der Großstadt wie auch auf dem Weg zu der hübschen Gelateria an der Mosel mit dem phantastischen Schoko-Minz-Eis.

Ford Focus Coupé Cabriolet

Mal regnete es, mal brannte die Sonne. Als wir im Ford Focus Coupé Cabriolet unterwegs waren, führte uns das DVD-Navigationssystem (für 3.100 Euro im „Trend“ und 2.700 Euro im „Titanium“) zum Ziel. Für weitere 300 Euro gibt es eine Bluetooth-Freisprechanlage mit Sprachsteuerung dazu - viel Komfort mit guter Akustik, jedenfalls bei geschlossenem Dach, und mit unseren Handys arbeitete sie einwandfrei.

Navi, HiFi, Klimaanlage und Telefon verwenden einen berührungsempfindlichen farbigen Bildschirm, der beim Offenfahren allerdings schlecht ablesbar ist. Fünf Tasten oberhalb des Monitors führen in die Hauptmenüs, ein Drehsteller (mit sehr billiger Anmutung) sowie vier weitere Tasten unterhalb des Displays übernehmen Nebenaufgaben. Die Bedienung geht einfach von der Hand, wenn man weiß, dass wichtige Funktionen über die Menütaste aufgerufen werden: Ist das Navi-Display eingeblendet, sucht man anfangs hilflos nach einer Möglichkeit, Ort und Straße einzugeben. Das alles ist dann mit der Bildschirmtastatur schnell erledigt.

Regelmäßig in die Irre geführt

Die Navi-DVD kennt das europäische Straßennetz und ist mit Sonderzielen reichhaltig bestückt. Ärgerlich ist der Sicherheitshinweis vor Beginn der Programmierung und die mehrfache Bestätigung von Ziel und Route, bis es endlich losgeht. Unterwegs wirkt die Anzeige unaufgeräumt. Blendet man die zusätzliche Pfeildarstellung oder die Routenliste ein, sieht man kaum etwas von der Karte (es bleibt dafür nur ein Viertel der Fläche), und die visuell hervorgehobenen Manöverpunkte sind eigentlich überflüssig.

Die Pfeildarstellung ist präziser, aber die stets von einem nervigen Gong begleiteten akustischen Hinweise sind mit „gleich rechts abbiegen“ häufig ungenau. Hier hilft ein bisschen der Kreuzungszoom, der sich automatisch einschaltet. Auch die Mitteilung, dass man rechts oder links abbiegen soll „und dann gleich“, führt regelmäßig in die Irre, weil damit nicht immer die nächste Kreuzung gemeint ist.

Opel Astra Twintop

Das Navigationssystem DVD 90 im Opel Astra Twintop (1.845 Euro) ist auch etwas für die verregneten Tage in diesem Sommer. Der Pluspunkt ist der Marco-Polo-Reiseführer in Verbindung mit einem Tour-Manager. Wer unterwegs nicht den schnellsten Weg von A nach B, sondern spannende Erlebnisse sucht, sich für Shopping, Sport und Kultur interessiert, liegt hier genau richtig. Im Untermenü „Reise“ startet Marco Polo mit Hunderttausenden von spannenden Zielen.

Auto, Reise & Verkehr, Einkaufen, Essen & Übernachten, Natur & Erholung, Sehen & Entdecken, und so weiter heißen die Kategorien, und darunter verbergen sich jeweils Dutzende von weiteren Einträgen.

Immer bestens ablesbar

Beim Einkaufen gibt es nicht nur die üblichen Hinweise auf große Ketten, sondern auch Verweise zu Buch- und Musikgeschäften, Kaufhäusern und Delikatessenläden, Mode, Schuhen, Flohmärkten und Antiquitäten. Man sieht sofort: Das alles ist weitaus mehr als die üblichen Daten anderer Navi-Systeme. Zu jedem Eintrag präsentiert Marco Polo etliche Detailinformationen.

Als der Regen nicht aufhören will, suchen wir für abends ein passendes Restaurant. Welche Küche darf es sein? Mit oder ohne Marco-Polo-Empfehlung? Sogar die Preisklasse lässt sich bei der elektronischen Suche einstellen. Wer viel unterwegs ist, wird an der DVD-Anlage seine Freude haben. Ärgerliches Detail: Die Bedienung von Marco Polo ist deutlich komplizierter als der Rest der Navi-Abteilung. Ein Lob verdient Opel für die Anbringung des großen Farbdisplays tief unten in der Mittelkonsole: Auf diese Weise ist der Bildschirm selbst bei heller Sonneneinstrahlung bestens ablesbar.

Nissan Micra C+C

Für den kleinen und günstigen Micra C+C hat Nissan das Birdview-Navigationssystem als Festeinbau im Angebot. Lohnen sich 2.500 Euro für dieses Extra, wenn das Fahrzeug bereits von 17.920 Euro an zu haben ist? Unser Testwagen wurde vom Hersteller mit einer Nachrüstlösung ausgestattet, dem Tom Tom Go 700, der weniger als 400 Euro kostet. Fortan klebte der Knubbel unter der Windschutzscheibe und bewährte sich auch an heißen Tagen mit viel Sonne.

Unter der Scheibe ist ja im Micra Platz genug, und die Ansagen kommen auch beim Offenfahren in hinreichender Lautstärke. Dass der Routenführer mittlerweile bereits Nachfolger gefunden hat, ließ sich verschmerzen: schnelle Zieleingabe (wenngleich ohne Buchstabenausblendung), eine flinke Berechnung der Strecke und eine insgesamt ordentliche Bildschirmdarstellung führten uns an jedes Ziel. Nur gelegentlich kam es zu kurzen Aussetzern beim GPS-Empfang.

Die Konkurrenz bietet heute mehr

Weitere Minuspunkte im Testprotokoll: Es fehlt eine Anzeige der aktuell geltenden Tempolimits und eine Warnung bei Überschreitung. Ein TMC-Empfänger für dynamische Navigation ist nicht eingebaut. Man muss vielmehr mit dem über Bluetooth angeschlossenen Handy die Verkehrsnachrichten kostenpflichtig beim Hersteller laden.

Es gibt keinen Fahrspurassistenten und keine Visualisierung der Autobahnbeschilderung wie bei der Konkurrenz. Jeder Wechsel der Autobahn wird mit Kommandos angekündigt, die ungenauer kaum sein könnten: „Nehmen Sie die Ausfahrt, dann fahren Sie auf die Autobahn.“ Kurzum: Vor Jahr und Tag waren die Tom-Tom-Modelle ausgezeichnet. Mittlerweile hat die Konkurrenz - wie etwa Navigon - aufgeholt und bietet deutlich mehr.

BMW Z4 Roadster

Bitte kein iDrive! Wer von der BMW-Spitzentechnik wegen der Fülle der Möglichkeiten und der bisweilen komplizierten Bedienung nichts hält, kann im Z4 Roadster aufatmen. Für Navigation, Handy-Freisprechbetrieb und zur Bedienung der HiFi-Anlage kommt ein System ohne „Controller“ zum Einsatz. Entweder das kleine Navi namens „Business“, das inklusive Radio 1.750 bis 1.850 Euro kostet. Es verzichtet auf eine Landkartendarstellung, hat ein monochromes Mini-Display unterhalb der mittleren Lüftungsschlitze und nur eine Pfeildarstellung.

Hier stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis einfach nicht, und man sollte entweder eine günstige Nachrüstlösung für die Windschutzscheibe nehmen. Oder das deutlich bessere System „Professional“, das allerdings mit Bluetooth-Freisprecher rund 3.500 Euro kostet. Beim Blauzahn trat in unserem Fahrzeug mal wieder die typische BMW-Krankheit auf: Die Anbindung verschiedener Nokia-Handys funktionierte nicht. Unser Tipp: auf den Freisprecher verzichten, dann kostet „Professional“ nur 2.600 bis 2.900 Euro.

Zentral ist der große Farbmonitor, der elektrisch aus dem Armaturenbrett ausfährt. Er lässt sich auf Knopfdruck dezent verstauen und ist im Betrachtungswinkel verstellbar. Das System verzichtet auf die immense Menütiefe des iDrive und konzentriert sich auf das Wichtigste. Die Navigation reagiert flink auf Eingaben, ist schnell bei der Routenberechnung, leitet durch ganz Europa und hat eine übersichtliche Landkarten- sowie eine präzise Pfeildarstellung. Es fehlen nur Jetzt-Hinweise unmittelbar vor dem Abbiegepunkt und Angaben zum aktuell geltenden Tempolimit. Auch beim Offenfahren sind die Kommandos hinreichend laut.

Das schönste Detail ist BMW-Assist, der Telematikdienst mit Notruf, Pannenhilfe und Verkehrsinformationen. Letztere sind deutlich besser als die Ansagen im Radio und die frei empfangbaren TMC-Meldungen, wie wir zwei Wochen lang erfahren durften. Da wurde geradezu punktgenau der Stau gemeldet - und wieder gelöscht, was bei TMC in der Regel nicht funktioniert. Die 175 Euro im Jahr für diesen Dienst sind gut angelegt. Die ersten sechs Monate kann man das Angebot kostenlos prüfen. Ein schöner Zusatznutzen ist dann die Option, Navigationsziele und Telefonnummern für den Freisprecher im Internet eingeben zu können. Sie werden über Funk ins Fahrzeug übertragen.



Text: F.A.Z., 31.07.2007, Nr. 175 / Seite T5
Bildmaterial: dpa, Hersteller, Spehr, Wieck

Verwirrende Anweisungen: Ford Focus Coupé Cabriolet Punktet mit integriertem Reiseführer: Opel Astra Twintop Der Nissan Micra C+C war mit einer Nachrüstlösung von Tom Tom unterwegs Mehrere Optionen ohne iDrive: Der BMW Z4 Roadster Der farbige Bildschirm ist beim Offenfahren schlecht ablesbar: Ford Ein zusätzliches Lob für das gut lesbare Display: Opel Von der Konkurrenz abgehängt: TomTom Go 700 im Nissan Toller Telematikdienst mit aktuellsten Verkehrsinfos: BMW