Von Monika Melk
17. September 2004 Nur ein paar Beine ragten unter dem italienischen Flitzer hervor: Akribisch untersuchte der Autofan alle Ecken und Nischen eines offensichtlich wunderbar erhaltenen Ferrari 308 GTS Targa von 1978. Der Tacho des roten Sportwagens mit schön restauriertem Interieur zeigt erst 41000 Kilometer; zudem war der Zahnriemen erst vor 3000 Kilometern gewechselt worden. Viele andere der rund 1000 Besucher der No-Limit-Auktion der Oldtimergalerie in Toffen (bei Bern) umlagerten das Auto. Schon vor Beginn der Versteigerung am vergangenen Samstag war ein interessanter Bieterkampf um den Sportwagen, der auf 30000 bis 35000 Schweizer Franken geschätzt wurde, abzusehen. Schließlich fand der Ferrari für 31500 Franken einen Käufer und erzielte den höchsten Preis der Veranstaltung. Den niedrigsten Preis (nur 50 Franken) erreichte dagegen gleich der erste Wagen, ein brauner Pontiac Grand Safari von 1978. Insgesamt 62 Oldtimer, manche davon sicher Restaurationsobjekte, waren im Angebot. Freunde älterer Automobile konnten so manches Schnäppchen machen, denn bei der Auktion gab es kein Mindestgebot für die Wagen, so daß der Einstieg und oft auch der Zuschlagswert sehr niedrig lag. Wie in Toffen üblich, beträgt das Aufgeld für den Auktionator nur zwölf Prozent. Neben vielen privaten Interessenten war Toffen erwartungsgemäß ein Tummelplatz für Altauto- und Teilehändler.
Die zwei jüngsten Autos stammten aus dem Jahr 1989: Ein Jaguar XJ-S 5.3 V12 in ordentlichem Originalzustand, dessen Schätzpreis zwischen 5000 und 6000 Franken lag, ging trotz zweier Telefonbieter für nur 4000 Franken an einen Käufer im Saal. Ein gleichaltrige Daimler 4.0 L, der auf 4500 bis 5000 Franken taxiert war, fand schließlich für 3400 Franken einen neuen Besitzer. Ein Austin Eight aus dem Jahre 1947 war das älteste Auto. Der restaurierungswürdige Oldie (Schätzwert 1000 bis 2000 Franken) fand nach einem niedrigen Anfangsgebot aus dem Saal von nur 50 Franken einen Käufer, der schriftlich 600 Franken bot.
Natürlich durften die begehrten Volkswagen Käfer nicht fehlen. Gleich zwei weiße Cabriolets aus dem Jahre 1973, beides ältere Restaurierungen, waren im Angebot. Sie erzielten 9750 und 10000 Franken. Auch ein Fiat 500 C Topolino konnte begeistern und rief unweigerlich Erinnerungen an erste Italien-Urlaube in den fünfziger Jahren wach. Der Oldtimer mit Baujahr 1950 hatte nach einer Restaurierung einen sehr guten Allgemeinzustand vorzuweisen. Der Käufer im Saal bekam schließlich bei 10500 Franken den Zuschlag. Weit mehr als sein Schätzpreis (2000 bis 3000 Franken) erzielte ein anderer italienischer Mythos: Um einen Maserati Quattroporte aus dem Jahr 1966 buhlten Bieter aus dem Publikum und am Telefon. Das interessante Restaurationsobjekt mit EU-Papieren hatte neben einem funktionsfähigen Motor eine neue Frontscheibe (für 3000 Franken) sowie einen neuen Zylinderkopf (5000 Franken). Die Limousine ging schließlich für 6200 Franken an einen Bieter aus dem Saal. Zwar mit amerikanischen Papieren ausgestattet, doch kaum weniger "italienisch" konnte einem ein Cadillac de Ville Convertible aus dem Jahr 1970 erscheinen: Der Auktionator versprach gar Einschußlöcher am "mafiagetesteten" Cabriolet. Zu diesem Cadillac-Restaurationsobjekt gab es zusätzlich eine neue Frontscheibe. Nach langem Bietergefecht vor Ort und am Telefon fand das Auto für 4600 Franken einen neuen Besitzer. Ebenso kurios, beinahe "jungfräulich" gegenüber den Automobil-Oldtimern mutete eine russische Dnepr MT an. Das Motorradgespann (1992), mit nur elf Kilometern auf dem Tacho, war noch nie zugelassen. Mit 4100 Franken blieb es unter seinem Schätzpreis von 6000 bis 8000 Franken.
Die nächste Auktion in Toffen ist die traditionelle Herbstversteigerung "100 Klassiker", sie findet am Samstag, dem 27. November statt, dann wird es jedoch in der Regel Mindestgebote geben und es kommen höherwertige Oldtimer unter den Hammer.
F.A.Z. am 18. September