Von Paul Schinhofen
03. Mai 2008 Ford, krisengeplagter Automobilkonzern, der gerade erst seine Nobelmarken Jaguar und Land Rover an den indischen Mischkonzern Tata verkauft hat, kämpft auch in Deutschland gegen den Sympathieentzug der Käufer. Im ersten Quartal dieses Jahres registrierten die Manager in Köln ein nahezu historisches Marktanteilstief von 5,8 Prozent, aber man schaut mit großem Optimismus in die Zukunft und sieht in einigen neuen Modellen veritable Hoffnungsträger.
Nach dem optisch gestrafften Focus erweitert die deutsche Ford-Tochter mit dem Kuga ihr Portfolio um ein populäres Crossover-Modell - in diesem Fall eine Kombination aus softem Geländewagen und konventionellem Kombi. Dabei basiert der Neuling auf der bewährten Focus-Architektur, auf der auch der Kompakt-Van C-Max aufbaut, er rollt wie dieser im Werk Saarlouis vom Band. Und wie es sich für einen aktuellen Ford gehört, präsentiert er sich im angesagten Kinetic-Design mit ausgeprägter Formensprache, dominiert von scharfen Kanten, umlaufenden Sicken sowie kräftig ausgestellten Radhäusern und einer steil ansteigenden Gürtellinie - mit dem Manko einer stark eingeschränkten Rücksicht wegen der breiten C-Säulen. Zweifellos verleiht die eigenständige Designinterpretation diesem Modell einen individuellen Auftritt, dennoch wirken manche Details überzeichnet.
Die Wahl zwischen Allrad- und Frontantrieb
Der neue Konkurrent zu Toyota RAV4 und VW Tiguan bleibt in seinen Dimensionen (Länge 4,44 Meter, Höhe 1,64) den klassenüblichen Abmessungen verpflichtet, bietet aber - wegen eines günstigen Einstandspreises - dem Käufer die Wahl zwischen Allrad- und Frontantrieb. So kostet denn der Basis-Kuga mit dem aus Focus und C-Max bekannten Zweiliter-Diesel (100 kW/136 PS) 26.500 Euro und ist damit 2300 Euro günstiger als der grundsätzlich vierradgetriebene VW Tiguan (103 kW/140 PS), der dieses Segment souverän anführt. Mit Allradantrieb (28.500 Euro) schrumpft der Preisvorteil des Ford Soft-SUV auf 300 Euro.
Zwangsläufig entscheidet sich der Kuga-Käufer automatisch für den kultiviert arbeitenden Duratorq-Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung, denn eine andere Antriebsquelle ist derzeit nicht zu haben. Der moderne, vierventilige Vierzylinder offeriert ein klassengerechtes Drehmoment mit einem Bestwert von 320 Newtonmeter bei 2000/ min. Er treibt den Kuga in 10,6 (Allrad 10,7) Sekunden von 0 auf 100 km/h und bis maximal 182 km/h (180). Damit ist man gut motorisiert, denn die spontane Leistungsabgabe auch aus niedrigeren Drehzahlregionen gefällt und vermittelt das Gefühl einer artgerechten Dynamik. Dabei bleibt der Motor in allen Lebenslagen akustisch dezent, konsumiert im standardisierten Testzyklus 6,3 Liter Diesel auf 100 Kilometer (6,4) und emittiert 169 g CO2 je Kilometer. Nach Angaben von Ford ist der Kuga damit Klassenbester.
Ein gelungener Kompromiss aus Agilität und Fahrkomfort
Fahrwerkstechnisch offenbart er seine enge Bindung zum als fahragil geltenden Basismodell Focus. Und ähnlich wie die viel Fahrfreude vermittelnde Limousine legt auch der Soft-Offroader auf konventionellen Straßen, und das wird wohl für den Kuga das bevorzugte Bewegungsterrain bleiben, ein überaus gutmütiges, von sanftem Untersteuern geprägtes Eigenlenkverhalten an den Tag. Das Fahrwerk mit einem gelungenen Kompromiss aus Agilität und Fahrkomfort kann Fahrer wie Insassen jederzeit überzeugen.
Im Innenraum folgt der jüngste Spross des Unternehmens den Formvorgaben seiner Designer. Dunkle Kunststoffmaterialien, die mitunter einen harten Farbkontrast zu den reichlich verwendeten aluminiumfarbenen Dekorelementen bilden, prägen das opulent wirkende Armaturenbrett. Die klar gezeichneten Rundinstrumente erfreuen mit guter Ablesbarkeit, die Bedienung des neuen Ford stellt seine Insassen nie vor unlösbare Probleme. Alles ist da, wo es der routinierte Autofahrer intuitiv erwartet. Das Raumangebot ist großzügig, besonders auf den gut konturierten Vordersitzen fühlen sich Fahrer und Passagier gut aufgehoben.
Das Ende der Motorenmonokultur
Im Heck bietet der variable Kofferraum ein Volumen zwischen 360 und 1355 Liter, weitere Variabilität ist nicht geboten. Rückbank und -lehne lassen sich geteilt umklappen, eine verschiebbare Bank gibt es nicht. Überaus praktisch ist indes die sinnvolle Aufbewahrungsofferte für das Gepäckraumrollo. Bei Nichtgebrauch muss es nicht in der Garage bleiben, in diesem Fall findet es seinen Platz unter dem ebenen Laderaum. Hier lassen sich noch kleinere Utensilien in Styroporkammern verstauen (maximal 50 Liter), der Kuga verzichtet auf das Reserverad. Stattdessen soll das serienmäßige Reifen-Reparaturset im Pannenfall die Mobilität sichern. Und die zweigeteilte Heckklappe ist für Ford seit den Zeiten des seligen 17 M P3 Turnier (Badewanne) ein immer wieder einmal verwendetes Detail. Die Markteinführung beginnt am 7. Juni, und zu Weihnachten beendet ein Fünfzylinder-Turbobenziner mit 147 kW (200 PS) und wahlweise Automatikgetriebe die Motorenmonokultur.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller
